> > > The King's Singers - The Library Vol.1: The King's Singers
Dienstag, 20. Oktober 2020

The King's Singers - The Library Vol.1 - The King's Singers

Auftakt


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die aktuellen King's Singers singen das kleine Programm frisch, lebendig, leicht und beweglich. Die neuen Arrangements fügen sich nahtlos in die Reihe der Klassiker ein, perlend und süffig.

Wenn die King's Singers eine gerade beginnende Reihe neuer Einspielungen, deren erster Teil jetzt bei Signum Classics vorgelegt wurde, so schlicht und doch so umfassend 'The Library' nennen, dann kann es bei aller Vielgestaltigkeit des Repertoires von geistlicher Musik der Renaissance bis zu eigens in Auftrag gegebenen Stücken der Gegenwart eigentlich doch nur um das gehen, was als 'Close harmony'-Stil beschrieben wird: Geschmackvolle Leichtigkeit, perfekt gesetzt und ebenso perfekt gesungen. Dafür stehen die King's Singers wie kaum ein anderes Ensemble. Sicher: Gerade die letzten beiden Jahrzehnte haben eine zunehmende Profilierung und Reputation im ‚ernsten‘ Repertoire mit sich gebracht. Doch bleibt die Welt der artifiziellen Einfachheit, des charmant-gewitzten musikalischen Augenzwinkerns die eigentliche Domäne der sechs Vokalisten.

Im mit nur sieben Titeln äußerst sparsam ausgefallenen Programm des Auftakts der Library-Reihe sind drei ‚Evergreens‘ in klassischen Arrangements des Ensembles enthalten: Zwei Bearbeitungen von Bob Chilcott, dem Ex-King's Singer, sind dabei, mit 'Oh! I can't sit down' von George Gershwin und 'Yesterday' von Lennon und McCartney, dazu 'The Rose' von Amanda McBroom aus dem gleichnamigen Bette-Midler-Film von 1979. Und es sind vier neue Sätze zu hören: 'Rainbow' von Kacey Musgraves in einem Arrangement von Patrick Dunachie, dem aktuellen ersten Counter der Gruppe, dann 'Call me the breeze', bearbeitet vom ersten Bariton Christopher Bruerton, dazu 'The truth untold' von Steve Aoki, in einer Version von Ed Newton-Rex. Und etwas ganz Besonderes ist zu hören: Das durch eine Färöer-Reise der King's Singers inspirierte Traditional 'The ballad of Nornagest', von Kieran Brunt kongenial eingefangen. Eigenständige Akzente also durchaus, zugleich mit dem klaren Blick auf Popularität bei Kacey Musgraves oder der K-Pop-Verbindung von 'The truth untold'. Und es sind – wieder einmal – zwei arrangierende Mitglieder der Gruppe zu erleben, die die lange Reihe vergleichbarer Begabungen fortsetzen, in der früher Bob Chilcott sicher die eindrucksvollste Größe war und zuletzt Philip Lawson eine wesentliche Rolle spielte.

Ensemble in permanentem Wandel

Das Ensemble wandelt sich permanent, die Neuaufstellung ist seit über 50 Jahren Programm. Vielleicht hat diese Kontinuität des Wandels dazu geführt, dass, anders als bei anderen Formationen, der Wechsel einzelner, auch zentraler Stimmen zwar stets zu hörbaren Veränderungen, nie aber zu einem echten Bruch geführt hat. Heute sind, von ganz oben nach ganz unten, die Countertenöre Patrick Dunachie und Edward Button, der Tenor Julian Gregory, die Baritone Christopher Bruerton und Nick Ashby sowie der Bass Jonathan Howard zu hören. Am heikelsten sind stets Wechsel den Randstimmen: Vor einigen Jahren stand der im Bass von Stephen Connolly zu Jonathan Howard an, der geglückt ist, auch wenn Howard in den ersten Jahren eine spürbar andere Farbe, eine schlankere Anmutung einbrachte. Inzwischen hat er an Fülle und Statur insgesamt gewonnen und bietet das gewohnt stabile Fundament. Nach dem ein rundes Vierteljahrhundert aktiven Counter David Hurley fragte man sich schon, wie der anstehende Wechsel sich auswirken würde: Hatte Hurley doch den Klang des Ensembles mit individuellem Schmelz gekrönt, wie es nur sehr wenigen Ensemble-Countern überhaupt möglich ist. Patrick Dunachie mag individuell vielleicht nicht ganz so strahlkräftig sein, rundet aber mit einem leichten, nie erzwungenen Ton ein im Vergleich zu früheren Jahren insgesamt etwas luftigeren Klang der Formation sehr gelungen. Vor allem tut er das ohne Druck und frei von technischen Nöten.

Echte Könner

Die aktuellen King's Singers singen das kleine Programm frisch, lebendig, leicht und beweglich. Die neuen Arrangements fügen sich nahtlos in die Reihe der Klassiker ein, perlend und süffig: Niemand muss arrangierte Magermilch fürchten. Das Färöer-Lied ist ein eigenwilliger Akzent, der auch im Arrangement sehr kenntlich wird. Und die Klassiker funktionieren einfach: Offenbar wurde vor Jahrzehnten Material arrangiert, das frisch wie am ersten Tag klingt und auch heute noch perfekt live-tauglich sein dürfte. Intoniert wird durchgehend traumwandlerisch sicher und selbstverständlich wie eh und je – für die King's Singers aller Zeiten gewiss nur interpretatorisches 'Kleingeld', aber eine Wohltat ist es doch immer neu. Die All Saints Church in East Finchley, London, bietet eine schöne Balance aus Präzision und voller Wirkung, durchaus mit einem für die King's Singers in derartigem Repertoire gar nicht so typischen Raumanteil.

Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann ist es, neben dem zwar informativen, aber fast schon unverfroren knappen Text, die schiere Länge – oder eher Kürze – der Platte: In dieser Kürze soll dem Sprichwort nach zwar die Würze liegen; etwas mehr als knapp 24 Minuten hätten es aber schon sein können. Vielleicht will man sich ja besonders viel für die kommenden Teile aufheben – warum aber hier nicht noch ein paar frisch polierte Klassiker dazu? So bleibt das Gefühl, in dem Moment wieder aufhören zu müssen, in dem man sich richtig mit dem Ensemble eingegroovt hat. Da hilft nur, von vorn anzufangen oder im Plattenschrank zu stöbern. Ansonsten: Sehr schön.

Interpretation:
Klangqualität:
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    The King's Singers - The Library Vol.1: The King's Singers

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Anzahl Medien:
signum classics
1
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CD
635212060124


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