> > > Samuel Feinberg: Piano Sonatas: Marc-André Hamelin, Klavier
Samstag, 15. August 2020

Samuel Feinberg: Piano Sonatas - Marc-André Hamelin, Klavier

Komplexe Musik für Kenner


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Marc-André Hamelin spielt wieder einmal extremes Repertoire. Diesmal hat sich der Virtuose sechs Sonaten von Samuel Feinberg vorgenommen.

Der Komponist heißt Feinberg und ist nicht zu verwechseln mit seinem Kollegen Weinberg, dessen Namen man in den letzten Jahren durchaus häufiger begegnen konnte. Samuel Feinberg hingegen wird bislang nur in Ansätzen wieder entdeckt. Vielleicht kommt seine Chance mit dieser neuen Platte, denn der phänomenale Ruf des Pianisten Marc-André Hamelin sichert ihm womöglich mehr Aufmerksamkeit.

Der Russe Samuel Feinberg lebte von 1890 bis 1962 und war selbst ein gefeierter Pianist. Die sechs Sonaten, die Hamelin jetzt neu eingespielt hat, entstanden zwischen 1915 und 1923 und stehen mit einer Ausnahme alle in Moll-Tonarten. Sie sind also offiziell tonal, im Klangeindruck allerdings zumindest teilweise so herb und dissonant, dass man nicht das Gefühl hat, tonale Musik zu hören, und harmonisch somit keineswegs konservativ. Sie erinnern teils an den früheren, teils an den späten Skrjabin, der wohl Feinbergs Vorbild war, außerdem gibt es vereinzelt auch ältere Einflüsse, etwa von Bach oder Chopin. Die Struktur der Sonaten erschließt sich dem Hörer nicht ganz leicht, insofern ist dies eine Musik für Kenner, die sich gerne intensiv mit ihr auseinandersetzen. Beeindruckend ist übrigens, dass man diese Partituren überhaupt spielen kann: Technisch sind sie ziemlich virtuos, vor allem aber so komplex, dass sie sich nur schwer lesen und vermutlich noch schwerer erlernen lassen.

Hochspannung

Marc-André Hamelin hält den Klang selbst in den komplexesten Strukturen recht transparent, etwa in der dritten Sonate. Hier herrscht im letzten Satz, immerhin 14½ Minuten, durchgängig absolute Hochspannung, es gibt nur wenige Momente der Entspannung. Marc-André Hamelin bleibt allerdings noch vergleichsweise elegant, wenn man seine Aufnahme mit der von Christophe Sirodeau vergleicht. Klanglich ist der nämlich noch massiver unterwegs, weniger transparent, dafür extremer in Dynamik und Agogik. Seine Einspielung dieser Sonate von 2002 ist die erste überhaupt. Im Ansatz ähnlich expressiv spielt auch Nikolaos Samaltanos in den Sonaten 1, 4 und 5, mit dem sich Sirodeau damals die erste und bislang wohl einzige Gesamteinspielung der Sonaten Feinbergs geteilt hat.

Das Beiheft der neuen Hyperion-Platte ist leider etwas dürftig: Über die einzelnen Sonaten erfährt man recht wenig, Hamelins Biographie ist nur auf Englisch enthalten. Insgesamt schrieb Samuel Feinberg übrigens zwölf Klaviersonaten, eine Fortsetzung ist somit zu erwarten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Samuel Feinberg: Piano Sonatas: Marc-André Hamelin, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571282336


Cover vergössern

Feinberg, Samuel


Cover vergössern

Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... Loreleys Klangzauber: Schöner und inniger als Julia Kleiter kann man diese Lieder kaum singen – inhaltlich ist aber noch deutlich Luft nach oben. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Qualität von der Seite: Das rund und komplett klingende Ensemble De Profundis singt hochattraktive Musik von Juan Esquivel, die zu hören ein Genuss ist und die zu kennen sich unbedingt lohnt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... British Belcanto: Die 1898 komponierte, in sechs Szenen organisierte Kantate 'Caractacus' ist Elgars wohl opernhafteste Partitur. Chor und Orchester liefern in Martyn Brabbins' neuer Einspielung eine grandiose Kulisse für mehr oder weniger gute Solisten. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Prokofjew einmal sanft: Margarita Gritskova und Maria Prinz präsentieren eine Auswahl der selten zu hörenden Lieder Sergej Prokofjews. Ihre Deutung ist facettenreich, doch der sanfte Aspekt überwiegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Unbekannter Prokofjew: Das Symphonieorchester Lahti spielt unter Dima Slobodeniouk selten zu hörende Werke von Sergej Prokofjew. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Magnard zum Dritten: Das Philharmonische Orchester Freiburg unter Fabrice Bollon vervollständigt seine Edition der Orchesterwerke Albéric Magnards mit fünf kleineren Werken. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Requiem für Furtwängler: Ein Requiem für Wilhelm Furtwängler – eine gewiss zufällige zeitliche Koinzidenz macht diese Aufnahme der zweiten Sinfonie mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Eugen Jochum zu einer besonderen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ausflug ins tschechische Viola-Repertoire: Jitka Hosprová engagiert sich leidenschaftlich für drei tschechische Violakonzerte, die allerdings in ihrer Substanz nur teilweise gelungen sind. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Unbekannter Norweger: Der in Deutschland fast gänzlich unbekannte Norweger David Monrad Johansen überrascht durch seine Biografie wie durch die Dichte seiner Kompositionen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ivan Zajc: Nikola Subic Zrinjski

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Edlira Priftuli im Portrait "Musikalisch praktizierte Ökumene"
Edlira Priftuli hat den Straßburger Wilhelmerchor zur historisch informierten Aufführungspraxis geführt

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich