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Donnerstag, 9. Juli 2020

Jan Dimas Zelenka: Missa 1724 - Collegium 1704, Collegium Vocale 1704, Václav Luks

Immer wieder Zelenka


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wieder einmal gilt: Vaclav Luks und sein Collegium 1704 plädieren vehement für Jan Dismas Zelenka und dessen hochattraktive Musik.

In seiner aktuell beim Label Accent erschienenen Produktion legt das für seine Zelenka-Expertise bekannte und gerühmte Collegium 1704 mit seinem Leiter Vaclav Luks kein großes, geschlossenes Werk vor, keinen Zyklus. Kern ist vielmehr eine Anzahl von Mess-Sätzen, die überwiegend aus dem Jahr 1724 stammen und von Luks als 'Missa 1724' präsentiert werden. Eine gesammelte Messe also, die in wesentlichen Teilen auf ältere Vorlagen zurückgeht.

Parodie

Sind Luks und sein Ensemble also etwa mit minderwertigem Material unterwegs? Das ist mitnichten der Fall. Das Parodie-Verfahren war damals allen, auch den größten Meistern bekannt – allein Bach und Händel stehen dafür exemplarisch, vormals Geschaffenes, das möglicherweise einem fixen Anlass zugeordnet war, dadurch zu retten, dass es später abermals, gewiss umgearbeitet, Verwendung finden konnte. Einerseits eine Mischung aus selbstbewusster Künstlerpersönlichkeit, die das als bewahrenswert und trefflich gelungen Erkannte vor dem Vergessen retten will, und andererseits einem Komponisten, der in jeder Lebensphase auch arbeitsökonomisch denken und handeln musste: Was schon gültig gesagt war, sich als der erneuten Verwendung zugänglich erwies und seinen Zweck auch an neuem Ort erfüllte – das konnte die oft drangvolle Arbeitslast lindern helfen. Neben der Ehrenrettung der Parodie unterlag Vaclav Luks bei seiner Entscheidung für diese Missa noch einem zweiten Aspekt: Wie hätten diese Sätze sonst in einem sinnvollen Kontext präsentiert werden können, die doch disparat überliefert sind, sich auf diese Weise aber zu einem bemerkenswert schlüssigen Ganzen fügen, auch wenn Zelenka das so niemals für möglich gehalten geschweige denn konzipiert hat?

Sehr wirkungsvoll

Und es ist eindeutig Musik, die es wert ist, gesungen und gespielt zu werden: Sehr wirkungsvolle Sätze sind zu hören, die spürbar Traditionen aufgreifen und oft eine deutlich herausgestellte kontrapunktische Basis haben. Gleichzeitig entfalten sie vor allem einen klangsinnlichen Charme, der die Musik Jan Dismas Zelenkas klar von der weniger profilierter Zeitgenossen abhebt. Die Orchesterbesetzung ist zeitüblich; besondere Farben wie die der erwähnenswerten Posaunen nutzt Zelenka aber zu eigenständiger Zeichnung. An die Messe schließt sich – vermutlich aus Kapazitätsgründen, weil das Programm der Platte insgesamt nicht einmal 55 Minuten erreicht – ein 'Salve Regina' stilistisch und in der Qualität des Satzes nahtlos an.

Belebende Frische

Prägende Größe ist der Chor: Mit seinen 20 Stimmen überzeugt er mit schlanken, gleichwohl kräftigen Registern, die sich den Anforderungen Zelenkas an gestische Behändigkeit und chorische Beweglichkeit deutlich gewachsen zeigen. Es werden überaus lebendige Linien gestaltet, in perfekt rhythmisierten Gesten, das alles nobilitiert von einem jugendlichen Charme im Gesamtklang: Wie schon des öfteren bei Projekten von Vaclav Luks erweist sich der Chor als ein musikalisches Kraftfeld. Sicher auch deshalb, weil die Soli arios wenig gefordert sind, treten sie aus dem Chor hervor, agieren ohne Tadel, halten die feine Balance zwischen solistischer und Ensemblegeste ohne Mühen. Ein Beispiel, das zeigt, wie überzeugend vokalsolistisch auch ohne große Namen musiziert werden kann.

Das Orchesterspiel ist ein Ausbund an Frisch und federnder Energie, gerade in den raschen, druckvollen Sätzen. Da wird rhythmisch hochpräzis gespielt, gespannt und reich an Nuancen: Ein sprachgetriebenes Grundmovens lässt das Geschehen pulsieren, intensiv und kleinteilig instrumental expliziert. In den langsamen Sätzen entfalten sich klangliche Delikatesse und süße Lyrik bis fast zum Sentiment. Vaclav Luks und sein Orchester bleiben der Musik in dieser Hinsicht nichts schuldig. Intoniert wird ohne Makel, orchestral leicht; auch Chor und Solisten agieren in dieser Hinsicht vergleichbar luftig. Luks wählt sehr entschiedene Tempi, zu stimmigem Tableau gefügt. Ebenso passgenau ist die dynamische Arbeit, die sich in Steigerungen zu extrovertierten Gesten von einiger Kraft versteht.

Wieder einmal gilt: Vaclav Luks und sein Collegium 1704 plädieren vehement für Jan Dismas Zelenka und dessen hochattraktive Musik. In diesem Fall nicht mit einem großen, geschlossenen Werk, sondern mit einer Messe, die gleichsam aus der Tiefe des kompositorischen Raumes kommt. Und auch dieses Programm gerät sehr überzeugend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Jan Dimas Zelenka: Missa 1724: Collegium 1704, Collegium Vocale 1704, Václav Luks

Label:
Anzahl Medien:
Accent
1
Medium:
EAN:

CD
4015023243637


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Zelenka, Jan Dismas


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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