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Dienstag, 27. Oktober 2020

Viola Solo - Christian Euler, Viola

Mehr Mut zur Unhörbarkeit


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Bratschist Christian Euler findet bei Reger und Hindemith nicht ganz das richtige Verständnis.

In seiner neuen Solo-CD befasst sich Christian Euler mit Kammermusik für Viola solo aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So unterschiedlich die Kompositionen von Paul Hindemith (1937), Alfred Pochon (1942), Igor Stravinsky (1944) und Max Reger (1915) sein mögen – ihr interpretatorischer Anspruch ist ein hoher. Nicht nur rein technisch, sondern auch konzeptionell will ein klares Konzept entwickelt sein, das die ‚Vielstimmigkeit in der Einstimmigkeit‘, die harmonischen und kontrapunktischen Perspektiven der Musik für ein Solostreichinstrument überzeugend transportiert. Es gibt Bezugnahmen auf Bach (nicht nur in Pochons Passacaglia), aber auch ‚neue Klänge‘ etwa in Stravinskys 'Élégie', die konsequent zweistimmig gearbeitet ist.

Feine Zwischentöne

Euler spielt mit warmem, blühendem Ton, der in der Raumakustik der Abtei Marienmünster und in hervorragender Tonqualität bestens zur Geltung kommt. Gerade in der Stravinsky-Élégie kommen auch feine Zwischentöne, das Mezzopiano und das Pianissimo zum Tragen. Hiervon wünscht man sich mehr auch bei den anderen Kompositionen – Euler hätte leicht der Aufnahmetechnik vertrauen können, die sein Spiel bis zur ‚Unhörbarkeit‘ klanglich hätte transportieren können. So wirkt beispielsweise die Pochon-Passacaglia dynamisch nicht ganz so weit aufgefächert, wie es der Musik gut täte.

Hindemith baut mit seiner Sonate für Bratsche allein durchaus auf Reger auf (er hat zwei von Regers Suiten auch im Konzertsaal gespielt), und hier wie dort sind die dynamischen Angaben der Komponisten klar und differenziert. Leider scheint Euler hier wie dort Reger und Hindemith eher wie Bach denn wie Musik des 20. Jahrhunderts zu spielen, sowohl von der Phrasierung wie von der Dynamik her gerät die Musik eher ‚barock‘ denn entsprechend dem Notentext. So können wir überall seine blitzsaubere Intonation und seinen warmen Klang genießen, wenn wir aber an der Komponistenintentionen interessiert sind, müssen wir uns anderswo umsehen. Gerade diese (bei Reger rote) Schicht des Notentextes hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts eigene Bedeutung gewonnen, ist aber gleichzeitig für viele Interpreten spieltechnisch ein Hemmschuh, weil die dynamischen Angaben das musikalische Denken des ausführenden Musikers deutlich verkomplizieren. (Übrigens geraten auch die Ausführungen zu Reger und Hindemith im Booklettext deutlich weniger überzeugend als jene zu Pochon und Stravinsky).

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Viola Solo: Christian Euler, Viola

Label:
Anzahl Medien:
MDG
1
Medium:
EAN:

CD SACD
760623216065


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Hindemith, Paul
Reger, Max
Strawinsky, Igor


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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