> > > Georg Philipp Telemann: Markus Passion 1759: Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max
Freitag, 5. Juni 2020

Georg Philipp Telemann: Markus Passion 1759 - Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max

Alternative Passion


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hermann Max und seine Ensembles mit einer sehr schönen Telemann-Passion: Sie zeigt den Komponisten im Vollbesitz seiner gestaltenden Kraft. Telemann war ohne Zweifel ein ganz und gar außergewöhnlicher Könner.

Von Georg Philipp Telemanns nicht weniger als 46 Evangelien-Passionen sind immerhin 22 überliefert, darunter auch eine Markus-Passion aus dem Jahr 1759 – immerhin die Komposition eines Endsiebzigers. Doch wirkt sie in nicht einmal eineinhalb Stunden Aufführungsdauer frisch, vital und inspiriert, im positiven Sinne routiniert, getragen von stupendem Wissen über Affekte und Konstellationen. Telemann scheute hier wie sonst auch keine Theatralik, lotete Möglichkeiten aus, konsequent in alle Richtungen. Die Rezitative zum Beispiel sind harmonisch bewegt, oft mit kühnen Wendungen auf engem Raum – der Komponist erkundet auch diese bei manchem Zeitgenossen allenfalls unscheinbare Form mit Lust. Und die Arien geraten sprühend elegant, immer in ein stimmiges instrumentales Gewand gekleidet, das Telemann aus einem mit Streichern, Flöten, Oboen, Fagott und Orgel für die Zeit absolut gewöhnlichen Orchester zuschneidet. Mit ihrem leichten Ton bieten diese oft knappen Arien genügend Raum für vokales Exzellieren. Und sie unterstreichen, dass Telemann in jedem Lebensalter ästhetisch immer konsequent nach vorn komponiert hat und nie einen Gedanken an das Bewahren vermeintlich unumstößlicher musikalischer Wahrheiten verschwendet hat.

Choräle setzt Telemann stets schlicht, die Turbae sind sehr knappe, konzentrierte Skizzen. Die betrachtenden Texte kommentieren arios mittels allegorischer Figuren von der Andacht über die Nachahmung bis zur Gerechtigkeit in über viele Jahre perfektionierter Praxis. Gerahmt ist das Passionsgeschehen durch eine deutende Klammer, die das Geschehen am Schluss einordnet, Dank und Vergewisserung des Glaubens inklusive.

Harmonisches Ensemble

Hermann Max hat diese superbe Musik mit seiner Rheinischen Kantorei und dem Ensemble Das Kleine Konzert im Herbst 2018 in der Klosterbasilika Knechtsteden eingespielt. Jetzt liegt sie beim Label cpo vor, vokalsolistisch getragen von der Sopranistin Veronika Winter, der Altistin Anne Bierwirth, dem Tenor Georg Poplutz sowie den beiden Bässen Markus Flaig und Ekkehard Abele. Poplutz ist, wenig überraschend, als Evangelist souverän und sprachmächtig, dazu arios angemessen elegant. Markus Flaig ist ein Christus von Statur und Würde, mit stimmlicher Autorität und Intensität. Doch verteilen sich die vokalen Anteile durch die große Zahl der allegorischen Figuren insgesamt auf viele Kehlen, dominieren Evangelist und Christus weniger als in Bachschen Passionen. Alle Vokalsolisten füllen Telemanns Idiom ganz selbstverständlich aus, linear mit leichtem Zugriff und gelegentlich aufblitzender Virtuosität. Die Rollen der männlichen Soliloquenten sind bei den Chorsolisten Carsten Crüger und Gregor Finke in guten Händen; Crüger gelingt es gar, in vergleichsweise engem Korsett deutlich vernehmlich zu werden.

Der sechzehnstimmige Chor singt seinen Part gelenkig und leicht; mit wenig kompakten Registern werden die knappen Partien weitgehend auf den Punkt formuliert. Doch kann sich das Ensemble mangels genügend ausgedehnter Flächen nicht endgültig als beredter Deuter profilieren – Telemanns Passions-Kunst ist vokal sehr wesentlich solistisch geprägt. Auch Das Kleine Konzert setzt auf bewegliche Transparenz in der Grundgeste, formt einen edlen Klang, eher silbern denn golden; zahlreiche idiomatisch stimmige obligate Konstellationen lassen sich hören. Die klassisch besetzte Continuo-Gruppe agiert konzentriert, spielt ihren Part leicht und durchscheinend.

Eleganter Ton

Das hilft dem Klangbild deutlich, das klar ist und angemessen balanciert, in guter Struktur befindlich. Gelegentlich wirkt der Raum der Klosterbasilika Knechtsteden aber doch sehr groß und mächtig. Dennoch ein insgesamt positiver Befund. Die Deutung ist natürlich aus dem Text geboren, vor allem bei Georg Poplutz und Markus Flaig vorbildlich eingelöst. Zugleich durchzieht ein wahrhaft eleganter Ton das gesamte Werk, was der Musik eine angemessen leichte Wirkung angedeihen lässt.

Hermann Max und seine Ensembles mit einer sehr schönen Telemann-Passion: Sie zeigt den Komponisten im Vollbesitz seiner gestaltenden Kraft. Telemann war ohne Zweifel ein ganz und gar außergewöhnlicher Könner. Eine schöne Gelegenheit, wieder einmal den Versuch zu wagen, nicht alles an Bach messen zu wollen, was in dessen zeitlichem Umfeld musikalisch geschah, und sich stattdessen künstlerisch überzeugen zu lassen. Eine Alternative? Ganz sicher. Wer aber ohnehin schon auf Telemanns Spur ist, muss gewiss nicht mehr überzeugt werden, auch wenn diese Platte dazu erfreulich schnörkellos beitragen könnte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Georg Philipp Telemann: Markus Passion 1759: Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203534722


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Telemann, Georg Philipp


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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