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Donnerstag, 6. August 2020

Jakov Gotovac: Ero the Joker - Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repusic

Klänge der Heimat


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser 'Ero der Schelm' macht schlichtweg Freude beim Hören, lässt die Beine zucken und öffnet die Ohren für bei uns noch unerschlossene Repertoirewerke.

In Ost- und Südosteuropa ist sie ein wahre Nationaloper, hierzulande kennt sie kaum jemand: 'Ero der Schelm' von Jakov Gotovac. Und nicht nur dieses spezifische Werk ist für uns eine Rarität, auch mit dem Komponisten Gotovac sind eher Spezialisten vertraut. Ende des 19. Jahrhunderts in Split geboren, ging er zum Studium nach Wien und schrieb zwischen den beiden Weltkriegen 1926 bis 1927 seine komische Oper 'Ero der Schelm' auf ein Libretto von Milan Begović. Uraufgeführt wurde sie allerdings erst viele Jahre später 1935 in Zagreb. 'Ero' blieb nicht sein einziger Beitrag für die Opernbühne, bis zu seinem Tod 1982 folgten viele weitere Werke. Gotovac gehörte zu den Komponisten des jungen Jugoslawiens, die der nationalen Folklore einen bedeutsamen Platz in ihren Werken zuwiesen.

Unmissverständliche Sprache

Die Musiksprache in 'Ero der Schelm' trägt die Farben und harmonischen Wendungen des Orients ebenso in sich wie die prägnanten Tanzrhythmen des Balkans und die langen, emotional aufgeladenen melodischen Bögen des nahen Italiens. Immer wieder schauen auch Phrasen und Architektur Leoš Janáčeks durch die Hintertür, aber Gotovacs Musik ist direkter, unverstellter im Umgang mit Folklore-Elementen. Allein dieser Umstand dürfte einer der Gründe sein, weshalb gerade 'Ero der Schelm' sich bis heute auf dem Spielplan der Oper in Zagreb behaupten kann und die Begeisterung des Publikums seit 1935 nicht abreißt. 'Ero' spricht eine unmissverständliche Sprache, verwebt kunstvoll Vertrautes mit Anspruchsvollem, ist in seiner Dramaturgie ungemein unterhaltsam und steckt voll unbändiger Energie und melodischer Einfälle.

Das hört und spürt man deutlich im vorliegenden Mitschnitt vom Mai 2019 aus dem Münchner Prinzregententheater, der als Doppel-CD mit mehrsprachigem Booklet inklusive komplettem Libretto-Abdruck bei cpo erschienen ist. Der Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters, Ivan Repušić, präsentiert höchst authentisch eine wichtige Nationaloper seiner Heimat. Damit legt er die erste Gesamteinspielung der neueren Zeit vor. Schwer erhältliche Aufnahmen stammen aus den Jahren 1956 und 1962, letztere unter der Leitung des Komponisten. Nun kann sich also auch die Opernwelt nördlich des Balkans mit einer Oper bekannt machen, die unseren Spielplänen noch immer entgleitet – vielleicht auch ein wenig nachvollziehbar bei der stark lokal gefärbten bäuerlichen Eulenspiegelei, die auf unseren Bühnen in einer Eins-zu-Eins-Umsetzung nur schwer vorstellbar ist: Ein reicher Gutsbesitzersohn prüft unter dem Decknamen Ero seine Auserkorene Đula, ob sie ihn seines Charakters wegen liebt oder nur wegen seines Geldes. Dabei führt er in wenigen Episoden ihre Stiefmutter, ihren Vater und einen Müller hinters Licht, bis er seine Geliebte für sich gewinnt. Komische Situationen zeigen menschliche Schwächen sowie die Gerissenheit des jungen Titelhelden, wobei ebenso Platz für schlichte (und deshalb umso ergreifendere) Liebesbeteuerungen ist.

Überzeugend authentisch

Als akustisches Dokument überzeugt dieser 'Ero' unter Repušićs Leitung auf ganzer Linie, weil der Dirigent mit Leidenschaft und zugleich der nötigen Leichtigkeit zu Werke geht. Nichts gerät erdenschwer, alles bleibt in federndem Fluss. Für Đulas Klagen lässt Repušić ehrliches Pathos aufkommen, doch immer im Rahmen der komödiantischen Grundhaltung. Das durchgehend muttersprachliche Ensemble nimmt diese Herausforderung mit Verve und Herzblut an, formt Charaktere und bedient zugleich die gezeichneten Typen. So ist Jelena Kordić eine fulminante Stiefmutter Doma mit stattlichen Mezzotönen und einer Großportion Primadonnenallüre. Ihr komisches Potential bezieht sie aus der unbedingten Ernsthaftigkeit und der großen Geste, mit sie ihre Partie versieht. Ivica Čikeš als ihr Ehemann Marko greift da schon wesentlich tiefer in die ‚Komische-Oper-Kiste‘, knarzt und poltert vor sich hin, beeindruckt aber mit seinem voluminösen Bass und seiner Routine. Effekt macht diese Gestaltung allemal.

Slawischer Schimmer

Das Liebespaar ist bei Valentina Fijačko Kobić und Tomislav Mužek in charismatischen Händen und Kehlen. Beide klingen nicht mehr ganz so jugendlich, wie es die Figuren erwarten lassen, aber sie überzeugen durch Temperament und Expressivität. Fijačko Kobićs Sopran besitzt einen reizvollen slawischen Schimmer, ihre Interpretation der Đula atmet Natürlichkeit. Jene bringt ebenso Mužek in hohem Maße mit, auch wenn einige Höhen eng werden und Mužeks eigentlich lyrischer Tenor ein Maß an Glanz vermissen lässt. Aber er besitzt die nötige Kraft und Klugheit, sich die fordernde Partie einzuteilen und sie mit Furchtlosigkeit und hörbarer Freude zu meistern.

Der Müller Sima wird von Ljubomir Puškarić mit prachtvollen Baritonfarben und einer Prise Italianità veredelt. Dem schwungvoll und motiviert aufspielenden Münchner Rundfunkorchester steht bei dieser Produktion nicht der hauseigene Chor zur Seite, sondern der mit einem Höchstmaß an Authentizität ausgestattete Kroatische Rundfunkchor. Bei der großen Partie, die Gotovac für den Chor vorsieht, ist das eine nachvollziehbare und reizvolle Besetzungsentscheidung. Dieser 'Ero der Schelm' macht schlichtweg Freude beim Hören und öffnet die Ohren für bei uns noch unerschlossenes Repertoire.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Jakov Gotovac: Ero the Joker: Münchner Rundfunkorchester, Ivan Repusic

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203508020


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Gotovac, Jakov
 - Ero S Onoga Svijeta 1. Akt -
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Dirigent(en):Repusic, Ivan
Orchester/Ensemble:Münchner Rundfunkorchester


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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