> > > Ernst Toch: The string quartets: Buchberger Quartett, Verdi Quartett
Donnerstag, 6. August 2020

Ernst Toch: The string quartets - Buchberger Quartett, Verdi Quartett

Eigener Weg


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ernst Tochs Streichquartette in vorbildlicher Gesamtschau.

Bis heute wurden Ernst Tochs (1887–1964) Streichquartette außer in der vorliegenden cpo-Edition weitgehend ignoriert, obschon die Musik ein weites Feld aufspannt. Die ersten fünf Streichquartette Tochs entstanden in Jugendjahren und sind verschollen, vermutlich durch den Komponisten vernichtet. Das erste erhaltene Streichquartette entstand 1904-5 noch während der Schulzeit in Wien und wurde binnen kürzester Zeit durch das renommierte Rosé-Quartett zur Aufführung angenommen. Wie das folgende Quartett blieb es unveröffentlicht, erst das fünfsätzige Streichquartett Nr. 8 Des-Dur op. 18, das Toch dem Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein widmete, wurde 1911 gedruckt. Kurz zuvor hatte Toch den Mozart-Preis gewonnen und war nach Frankfurt am Main übergesiedelt.

Tochs Streichquartettsprache war schon früh eine ausgesprochen ausgereifte, gerade wenn man mit den zeitgenössischen Kompositionen anderer vergleicht. Selbst wenn Toch in den frühesten Werken Mendelssohn, Beethoven oder anderen die Reverenz erweist, bleibt seine Klangsprache doch eigenständig und zeitgemäß. Spätestens aber ab dem Des-Dur-Komposition haben wir einen Meister höchster kompositorischer Dichte und Satzkunst, der auch der Tonalität längst nicht mehr streng verbunden ist. Das Streichquartett Nr. 9 C-Dur op. 26, das letzte mit einer vermerkten Grundtonart, führt die moderaten Radikalisierungstendenzen fort – trotz der durch den Weltkrieg bedingten Zwangspause, die Toch an der italienischen Front verbrachte, sind die Stilmittel durchaus verwandt.

Weitaus radikaler ist der Bruch zwischen Nr. 9 (1919) und Nr. 10 (1920) – die Tonalität wird ausgehebelt, so dass das verbindende Motiv B-A-(E)s-(E)s (als Hommage an seinen Cousin Hans Bass) harmonisch in keinerlei Weise als unharmonisch empfunden wird. Dass Toch weiterhin herrliche Kantilenen schreiben kann und harmonisch und kontrapunktisch weiterhin hochinteressante Ergebnisse produziert, zeugt von der Kraft der atonalen Musik, von deren Vielfalt wir heute kaum mehr eine umfassende Vorstellung haben. Das Quartett Nr. 11, 1924 für das Amar-Quartett geschrieben und auf dem Donaueschinger Kammermusikfest aus der Taufe gehoben, führt den Weg der Quartette Nr. 9 und 10 konsequent fort.


‚‘

Das ‚Dritte Reich‘ verursachte einen scharfen Bruch in Tochs Schaffen – nicht zuletzt weil der österreichische Jude 1933 mit seiner Familie ins Exil gehen musste, erst nach Paris und London, 1935 in die USA. Die Komposition ernster Musik wurde zugunsten vor allem von Filmmusikarbeiten zurückgestellt. Mit dem Streichquartett Nr. 12 griff Toch 1946 den Faden wieder auf und arbeitete seine Art der Atonalität sorgsam weiter aus. Das Streichquartett Nr. 13 von 1953/54 ist von besonderer Herbheit – nicht nur weil Toch hier (für ihn ungewohnt) die Zwölftontechnik anwandte, der er eigentlich ablehnend gegenüberstand; auffallend ist aber auch die kaum zu überhörende Reverenz an Bach zu Beginn der Komposition. (‚Außer der Reihe‘ zu sehen ist 'Dedication' aus dem Jahr 1948, eine intensive Komposition anlässlich der Hochzeit seiner Tochter Franziska, dennoch verhältnismäßig einfach in harmonischer und kontrapunktischer Faktur.)

Die vorliegende Edition ist umso verdienstvoller, als das Buchberger Quartett (Nr. 7, 10–11, 13 & Dedication) und Verdi Quartet (Nr. 6, 8–9 & 12) in den Jahren 1998–2001 spannungsgeladen emotional intensive, kontrapunktisch durchdrungene, fein ausgehörte Lesarten eingespielt haben, die nur durch ganz wenige kleinere Intonationstrübungen geringfügig beeinträchtigt werden. Es ist beeindruckend, wie alle vier CDs hindurch der Qualitätsstandard gleichmäßig gewahrt bleibt, der interpretatorische Zugriff beider Formationen ausgesprochen gut harmoniert. Aufnahmetechnisch ist die Produktion vorbildlich, gewisse Bookletinformationen muss man sich ein wenig zusammensuchen. Dass die CD-Reihenfolge auf dem Inlay und im Booklet voneinander abweicht und dass die genauen Aufnahmedaten nicht mitgeteilt werden, ist nur ein kleiner Wermutstropfen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Ernst Toch: The string quartets: Buchberger Quartett, Verdi Quartett

Label:
Anzahl Medien:
cpo
4
Medium:
EAN:

CD
761203535125


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Toch, Ernst
 - String Quartet No.11 op. 34 - Sehr wuchtig, anstürmend
 - String Quartet No.11 op. 34 - Vivace molto
 - String Quartet No.11 op. 34 - Adagio
 - String Quartet No.11 op. 34 - Allegro molto
 - String Quartet No.13 op. 74 - Molto tranquillo
 - String Quartet No.13 op. 74 - Allegro non troppo
 - String Quartet No.13 op. 74 - Slow, dolcussimo con espressione
 - String Quartet No.13 op. 74 - Allegro assai


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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