> > > Bach, Johann Sebastian: Harpsichord Concertos: Francesco Corti, Il pomo d'oro
Dienstag, 4. August 2020

Bach, Johann Sebastian: Harpsichord Concertos - Francesco Corti, Il pomo d'oro

Rhythmisches Einerlei


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Francesco Corti und Il pomo d'oro widmen sich Bachs Cembalo-Konzerten.

Pentatone serviert vier Bach’sche Cembalokonzerte: d-Moll BWV 1052, E-Dur BWV 1053, g-Moll BWV 1058, A-Dur BWV 1055. Francesco Corti zupft das Cembalo, Il pomo d'oro sekundiert. Man schlägt klischeehaft klare Tempi: Schnelles schnell, Langsames langsam. Das ist legal und tautologisch. Schwer wiegt ein anderer Mangel: Das Taktmaß wird mit starrer Geradlinigkeit ausgeführt – kein Schweben, kein Schwanken, kein Kadenzieren über die Taktgrenzen hinweg. Tänzerische Leichtigkeit will sich nicht einstellen. Rubato scheint verpönt. Introvertierte Charaktere wie der Siciliano (BWV 1053) und das Larghetto (BWV 1055) werden verfehlt. Rhythmisches Einerlei enerviert – egal, in welchen Tempi.

Kinder ihrer Zeit

Die Kehrseite rhythmischer Starre: An Höhe- und Schlusspunkten wird der Bogen überspannt – dicke Doppelpunkte, ostentatives Zögern. Als wolle man prüfen, wie lang Fermaten gedehnt werden können – so lange nicht. Diesem Musizieren fehlt die Mitte – meist ist es überakkurat, mal allzu lax. Die rhythmische Belebung aus dem Inneren fehlt. Kein Vorwurf an die talentierten jungen Musiker. Sie sind Kinder ihrer Zeit. So musiziert man heutzutage – technisch tadellos, im Geist der Metronome. Besonders schmerzlich: Es fehlt an Plastizität der Phrasierung. Flacher geht’s nicht. Klangrede nirgends – das mag man verschmerzen. Dass der Gesang verstummt, selbst in langsamen Sätzen, bleibt zu bedauern. Fatal: Die tonale Gravitation ist aufgehoben. Kein Drang zur Tonika, keine Dominanten-Spannung. Alles perlt belanglos, ohne Ziel und Richtung, vor sich hin.

Diese Platte ist in Toblach eingespielt worden. Der Saal ist dem Genius loci geweiht, Gustav Mahler – ausgerechnet. Mehr Mahler in Bach, mehr Schmalz hätte gutgetan. Jean-Daniel Noir gibt den Toningenieur, durchaus erfolgreich: Hall ohne Wabern, überdurchschnittliche Durchhörbarkeit, unaufdringliche Präsenz aller Akteure. Ein knappes Dutzend Musiker auf selbst verordneter Diät klingt saftig wie ein kleines Orchester. Dabei macht Noir keine Anstalten, das Live-Erlebnis nachzubilden. Der Hörer sitzt nicht vor den Musikern, nicht darüber oder darunter – ein ehrlich synthetisches Klangbild. Das Cover ist nicht geschmacklos. Jason Stells Essay 'The first true harpsichord concertos' ist kurz und knapp geraten, aber nicht ohne Substanz: nach heutigen Maßstäben eine beachtliche Leistung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Harpsichord Concertos: Francesco Corti, Il pomo d'oro

Label:
Anzahl Medien:
Pentatone Classics
1
Medium:
EAN:

CD
827949083761


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Bach, Johann Sebastian


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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