> > > Richard Wagner: Die Walküre: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Simon Rattle
Donnerstag, 6. August 2020

Richard Wagner: Die Walküre - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Simon Rattle

Rattle entfesselt die 'Walküre'


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Unerhörtes bietet diese 'Walküre' kaum. Aber sie bringt vornehmlich die Großen ihres Fachs zusammen und entfesselt einen Opernabend, der ein Nachhören definitiv lohnt.

Diese 'Walküre' überrollt einen förmlich. Schon das Vorspiel lässt dem Hörer keine Chance, unbeteiligt zuzuhören, und bis zum 'Feuerzauber' wächst der Wunsch, es möge nie aufhören. Was Sir Simon Rattle und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks da an Wagnerscher Wucht, kammermusikalischer Finesse und theatraler Energie entstehen lassen, fesselt und überzeugt auf ganzer Linie. Das ist alles nicht zwingend neu, aber außerordentlich und schlicht brillant. Allein dieser Umstand erklärt, weshalb diese klanglich ebenfalls hervorragende Livemontage vom Februar 2019 aus dem Münchner Herkulessaal beim hauseigenen Label des Bayerischen Rundfunks auf CD erscheinen musste. An 'Ring'-Einspielungen ist der Markt ja nicht gerade arm – nun folgt also offenbar der BR-'Ring' unter Rattle, dessen zweiter Teil mit der 'Walküre' vorliegt.

Stimmstark

Zwiespältig erscheint bei allem orchestralen Glanz aber die Sängerwahl. Nicht, dass hier alles entscheidende Mängel zu beklagen wären, aber so wenig Neues Rattles Lesart offenbaren mag, so wenig unerhört ist ein Großteil der Solisten in eben diesen Partien. Zweifelsfrei liefern Eva-Maria Westbroek und Stuart Skelton als Wälsungenpaar große Momente und stimmstarke Interpretationen, aber all das ist auf Ton- und Bildträger zur Genüge dokumentiert. Westbroek darf getrost als Sieglinde vom Dienst gelten: auf CD 2010 aus Frankfurt erhältlich, auf DVD gleich zweimal, nämlich 2007 in Valencia und 2011 aus der Metropolitan Opera. Überaus versiert zeichnet Westbroek ihr umjubeltes Rollenporträt mit vibrierend dunklem Schimmer, manchmal nur knapp erreichten Spitzentönen, aber einem umwerfenden Verständnis von Text und Musik. Nicht umsonst wird die Künstlerin allerorts als Sieglinde gebucht und gefeiert.

Ähnliches gilt für Stuart Skelton. Sein Siegmund war schon 2008 auf dem Mitschnitt aus Hamburg ein Erlebnis, der lyrische Schmelz in Verbindung mit heldischem Zugriff und prachtvollem Material. Er hat keinerlei Probleme, gegen die Klanggewalt des BR Symphonieorchesters anzusingen, verfügt über endlose Kraftreserven und schafft es immer wieder, zarte Phrasen zu zaubern, den Beweis anzutreten, dass man Wagner eben nicht durchbrüllen muss, sondern mit der richtigen Einteilung und Technik dynamisch raffiniert und farbenreich zu Werke gehen kann. Seine 'Winterstürme' sind von anfänglicher Zartheit und wahrhaftiger Glut – das ist ungemein klug und schön gestaltet.

Irène Theorin kann ebenfalls auf eine langjährige Erfahrung als Brünnhilde zurückblicken und immerhin ist ihre Interpretation noch nicht inflationär auf Tonträger greifbar. Theorins beeindruckender Sopran verfügt über blitzende Höhen mit viel Metall, die Mittellage ist überraschend schwächlich. Die Sängerin kompensiert das aber durch Unerschrockenheit und einen fulminanten Einsatz, der ihre ‚Hojotoho‘-Rufe ebenso glaubwürdig macht wie die tiefe Emotionalität des dritten Aufzugs. Einzig an ihrer Artikulation könnte Irène Theorin als so erfahrene Wagner-Sängerin noch arbeiten – man versteht kaum ein Wort, was angesichts der wunderbaren Diktion ihrer Mitstreiter besonders auffällt.

Vollmundiger Wotan

James Rutherford stattet den Wotan mit balsamischen Tönen und stattlich sonorem Bassbariton aus. Das klingt gesund und teilweise elegant, aber auch ein wenig pauschal, was ihn einiges an Charisma einbüßen lässt. Er schlägt sich (als Einspringer für Michael Volle) aber beachtlich und ist mitnichten eine Schwachstelle, sondern ein souveräner und vollmundiger Wotan, dessen Abschied allein durch die Schönheit des Vortrags zu Herzen geht. Der heimliche Star des Abends ist Elisabeth Kulman als Fricka. Sie präsentiert die Göttergattin mit einer so fein abgewogenen Divenallüre, die den Hörer staunen lässt. Ihrem edlen Mezzosopran entlockt sie einen wahren Farbenkosmos: Da wird gelauert, umgarnt, geflüstert, umschmeichelt und auch mal scharf geschossen, jedoch fernab von keifender Hysterie. Bei Kulman fasziniert immer wieder die Einheit von Wort und Ton, die große Kunst des Liedgesangs, die sie so selbstverständlich auf das Musikdrama anzuwenden versteht. Der Hunding von Eric Halfvarson ist schlicht eine Zumutung. Der verdienstvolle Bassist hat bereits einen wesentlich besseren Hunding bei Thielemann auf CD vorgelegt. Hier quält er sich und den Zuhörer mit den Resten seiner einst so eindrucksvollen Stimme.

Es sei noch einmal gesagt: Unerhörtes bietet diese 'Walküre' kaum. Aber sie bringt vornehmlich die Großen ihres Fachs zusammen und entfesselt einen Opernabend, der ein Nachhören definitiv lohnt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Richard Wagner: Die Walküre: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Simon Rattle

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
4
03.04.2020
217:50
2019
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001778
900177


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Wagner, Richard


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"RICHARD WAGNER: DIE WALKÜRE Nach der im November 2015 veröffentlichten Aufnahme von „Das Rheingold“ – dem Vorabend von Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ – bringt BR-KLASSIK nun als Fortsetzung „Die Walküre“ heraus, aufgezeichnet am 8. und 10. Februar 2019 bei konzertanten Aufführungen im Herkulessaal der Münchner Residenz. Bereits mit dem „Rheingold“ hatte Sir Simon Rattle entschieden die lange kursierende Behauptung widerlegt, er und Wagner, das ginge nicht zusammen. Nun beweist die nächste Zusammenarbeit des ebenso weißen wie weisen britischen Lockenkopfs (wie er sich auf dem Cover selbstbewusst in Szene zu setzten weiß) mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und einer Riege erster und bester Wagnersänger erneut, wie gut Rattle die Musik Wagners versteht und zu interpretieren vermag. Wenige Monate nach dem Live-Ereignis wird das ebenso gewaltige wie beim Publikum ungemein beliebte Musikdrama auf vier bestens ausgestatteten CDs erstveröffentlicht. Dass „Die Walküre“ zum populärsten Teil der Tetralogie werden konnte, verdankt sie den herzergreifenden Begegnungen des Wälsungenpaars Siegmund und Sieglinde, den allzu menschlichen Göttern – und natürlich den musikalischen Hits wie Siegmunds „Winterstürme“-Monolog, dem Walkürenritt oder „Wotans Abschied und Feuerzauber“. Der englische Bassbariton James Rutherford gibt Göttervater Wotan. Elisabeth Kulman ist wieder als seine streitbare Gattin Fricka mit dabei. Eric Halvarson, der in Rattles „Rheingold“ den Riesen Fafner verkörperte, gibt diesmal den Unhold Hunding. Neu im hochkarätig besetzten Solisten-Ensemble sind Iréne Theorin als Wotans Lieblingstochter Brünnhilde sowie Stuart Skelton und Eva-Maria Westbroek als inzestuöses Zwillingspaar Siegmund und Sieglinde. Rattles „Walküre“ wurde vom Münchner Konzertpublikum wie der Fachpresse enthusiastisch aufgenommen. Im neuen Münchner Konzerthaus soll sich Rattles konzertanter „Ring“ mit „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ schließen. Stuart Skelton (Siegmund) Eric Halfvarson (Hunding) James Rutherford (Wotan) Eva Maria Westbroek (Sieglinde) Iréne Theorin (Brünnhilde) Elisabeth Kulman (Fricka) Alwyn Mellor (Gerhilde) Anna Gabler (Ortlinde) Jennifer Johnston (Waltraute) Claudia Huckle (Schwertleite) Katherine Broderick (Helmwige) Eva Vogel (Siegrune) Anna Lapkovskaja (Grimgerde) Simone Schröder (Rossweiße) SYMPHONIEORCHESTER DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS SIR SIMON RATTLE, Leitung Ebenfalls erhältlich: Richard Wagner: „Das Rheingold“ BR-KLASSIK 2CD 900133 "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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