> > > Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 4: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Donnerstag, 1. Oktober 2020

Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 4 - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Explosive Impulse


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das BRSO und Mariss Jansons erreichen mit dieser frühen Interpretation noch nicht ganz die Durchdringungstiefe späterer Bruckner-Aufnahmen.

Aus dem Jahr 2008 in der Philharmonie im Münchner Gasteig datiert der vorliegend beim Label BR-Klassik erschienene Mitschnitt von Bruckners Symphonie Nr. 4 Es-Dur mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons. Als einer der eher seltenen Fälle in der Musikgeschichte geht der Beiname 'Romantische' auf den Komponisten selbst zurück. Ein derartig eingefärbter Klang ist normalerweise eine der (vielen) Stärken des BRSO, vielfach hat es – gerade auch unter Jansons – großartige Bruckner-Aufnahmen vorgelegt (klassik.com berichtete). Etwas überrascht ist man daher, dass sich das von diesem Klangkörper sonst so stilsicher beherrschte spätromantische Flair vom Beginn des Kopfsatzes an nicht mit voller Überzeugungskraft einstellen will.

Glänzende Fähigkeiten

Vergleichsweise langsam und zurückhaltend nimmt Jansons dessen Tempo, das Anfangsmotiv zieht er etwas in die Breite, die Dynamik wirkt nicht so vielschichtig aufgefächert wie sonst. Auch das zweite Thema lässt ein wenig die emotionale Durchdringungstiefe vermissen. Erst etwas zeitversetzt findet Jansons‘ Diktion zu gewohnt brillant leuchtendem Blech-mensuriertem Glanz, die dramaturgische Gestik trifft er aber auch im weiteren Verlauf dieses Satzes nicht überall. Gemessen an besonders gelungenen Deutungen etwa von Paavo Järvi oder Herbert Blomstedt, entwickeln sich die klanglich anrollenden Wellen nicht ganz so mitreißend. Themen werden nicht mit so viel Nachdruck und Charisma vorgestellt und ausmusiziert, wie Jansons das sonst so oft so genial umzusetzen vermochte. Ihre glänzenden Fähigkeiten zeigen die Instrumentalisten freilich auch hier, exemplarisch das Horn-Solo schon im ersten, dann auch im weitaus überzeugenderen zweiten Satz, ebenso wie die dortigen Violoncello-Stimmen. Eine ästhetisch klangschöne Aura verleiht Jansons dem Choral-Thema.

Qual der Wahl

Mit musikalischer Umsicht behandelt Jansons die eindringlichen Pausen, die Kantilenen entfalten sich mit lyrischer Klangpracht. Mit durchaus zupackender Energie baut sich das 'Scherzo' auf, die polternd eingestreuten Blech-Fanfaren zünden aber nicht immer so recht, auch wenn Jansons auch hier stellenweise explosive Impulse setzt. Zarte luftige Linien zeichnet er im Trio, gut gelingt der Aufbau der Steigerungen im Finale über dessen gesamte Distanz hinweg. Alle dynamischen Feinheiten holt er allerdings auch hier nicht heraus. Keine Frage: Über eine großartige klangliche Bandbreite verfügte das BRSO schon damals, die Bruckner-Früchte der späteren gemeinsamen Arbeit wirken aber reifer. Ob das am verhältnismäßigen Anfang der Zusammenarbeit lag oder ganz einfach nur an der Tagesform dieser Aufführung, lässt sich nicht sagen. Starke lokale Konkurrenz haben die Ausführenden jedenfalls auch in der Einspielung der Münchner Philharmoniker im Rahmen des jüngst unter Valery Gergiev abgeschlossenen Bruckner-Zyklus oder deren Interpretation unter ‚Bruckner-Papst‘ Sergiu Celibidache. Spannend sind allein schon diese Vergleiche untereinander – und so hat der Hörer die Qual der subjektiven Wahl, welchem ‚Münchner‘ Bruckner er am Ende den Zuschlag gibt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 4: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
03.04.2020
072:10
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001877
900187


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Bruckner, Anton


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"ANTON BRUCKNER SYMPHONIE NR. 4 „Romantische“ An der Grenze zwischen Hoch- und Spätromantik, an der sich der Zeitstil wandeln und schließlich auflösen sollte, beschwor Anton Bruckner mit seiner vierten Symphonie noch einmal die Ursprünglichkeit der romantischen Geisteshaltung. Er selbst verlieh seinem Werk den bis heute populären Titel „Romantische“; dieser Beiname findet sich in vielen seiner Mitteilungen. – Diese „Romantische“ beschwört eine ideale Welt in hellen, ungebrochenen Farben, sie blickt zurück in eine heile Vergangenheit. Die durchweg gelöste, positive Grundstimmung der Symphonie erscheint umso erstaunlicher, führt man sich die verwickelte Geschichte ihrer Entstehung vor Augen: Die Erstfassung von 1874, einem Jahr beruflicher Niederlagen, verwarf Bruckner nach mehreren gescheiterten Uraufführungsplänen; er nannte sie in schonungsloser Selbstkritik „überladen“ und „zu unruhig“. 1878 machte er sich dann an eine tiefgreifende Umarbeitung, in deren Verlauf unter anderem ein völlig neuer dritter Satz – das Jagd-Scherzo – entstand. Auch die anderen Sätze werden grundlegend revidiert, teils gekürzt und verdichtet; noch bis 1880 nahm Bruckner Eingriffe am Schlusssatz vor, dem innerhalb des symphonischen Werkaufbaus immer stärker die Funktion eines krönenden, letzte Widersprüche auflösenden Finales zuwuchs. In dieser Fassung von 1878/1880, die auch der vorliegenden Aufnahme zugrunde liegt, erlebte die vierte Symphonie ihre Uraufführung am 20. Februar 1881 in Wien, musiziert von den Wiener Philharmonikern unter Leitung des Wagner-Getreuen Hans Richter. Die Aufführung wurde zu einem wahren Triumph und bewirkte eine entscheidende Wende in der Rezeption von Bruckners Schaffen: Die „Romantische“ war das Werk seines Durchbruchs, nachdem sein symphonisches Schaffen bis dato überwiegend auf Ablehnung gestoßen war. Der Erfolg ist der Vierten bis heute treu geblieben – sie gehört neben der Siebten unangefochten zu Bruckners meistgespielten Werken. Ihre ungebrochene Beliebtheit unterstreicht das zeitlose Verständnis, das Bruckners Werk erfüllt: jene zutiefst menschliche Sehnsucht nach dem Romantischen, die bis heute Keinen unberührt lässt. Mariss Jansons am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks interpretierte sein Ideal der „Romantischen“ in Konzerten Ende November 2008 in der Philharmonie im Münchner Gasteig. Der Live-Mitschnitt jenes Konzertereignisses erscheint nun bei BR Klassik als CD: die mustergültige Interpretation einer der wesentlichsten Kompositionen des symphonischen Repertoires der Spätromantik. SYMPHONIEORCHESTER DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS MARISS JANSONS, Leitung "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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