> > > Gaetano Donizetti: Don Pasquale: Fritz Wunderlich, Erika Köth, Kurt Böhme, Raimund Grumbach
Freitag, 3. Juli 2020

Gaetano Donizetti: Don Pasquale - Fritz Wunderlich, Erika Köth, Kurt Böhme, Raimund Grumbach

Sensationeller Archivfund


Label/Verlag: Profil - Edition Günter Hänssler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser Archivfund einer kompletten 'Don Pasquale'-Vorstellung im Münchner Prinzregententheater vom 18. Januar 1962 darf als kleine Sensation gelten.

Aus der viel zu kurzen Karriere von Fritz Wunderlich sind glücklicherweise zahlreiche Tondokumente erhalten geblieben – und leider gelten einige seiner erfolgreichen Bühnenpartien als für die Nachwelt verloren. Allein vor diesem Hintergrund darf der Archivfund einer kompletten 'Don Pasquale'-Vorstellung im Münchner Prinzregententheater vom 18. Januar 1962 als kleine Sensation gelten. Wer hätte gehofft, dass Wunderlichs Ernesto doch noch einmal in Gänze nachzuhören sei?

Was bei Profil Edition Günter Hänssler nun auf zwei CDs erschienen ist, scheint ein Privatmitschnitt des technikaffinen Wunderlich zu sein, der bei der Fritz-Wunderlich-Gesellschaft in Kusel im Archiv lagerte. Die Originalbänder wurden höchst anhörbar restauriert – ohnehin stört keinen Freund älterer Aufnahmen und Mitschnitte eine teils eingeschränkte Klangqualität, schon gar nicht, wenn es sich um einen solchen Raritätenschatz handelt. Da freut man sich schlicht, dass man ganz nah dran sitzen und eine quicklebendige Vorstellung von Donizettis Musikkomödie verfolgen darf. Denn genau das ist dieser Abend im Prinzregententheater: eine spielfreudige, charmante und vor Energie sprühende Repertoirevorstellung mit einem perfekt aufeinander abgestimmten Ensemble.

Schönheit und Kraft

Wie damals noch üblich, wird dieser 'Don Pasquale' in deutscher Sprache gesungen. Und man muss es mit Nachdruck erwähnen: Man versteht jedes Wort. Da wären Übertitel jedweder Art unnötig, die Textdeutlichkeit aller Mitwirkenden hat offenbar Vorrang, ohne dass die Gesangsqualität beträchtliche Einbußen hinnehmen müsste. Das Publikum dankt es den Sängern, indem es bei jeder Pointe auflacht, spontan applaudiert und hörbar gefesselt ist vom komischen, bisweilen satirischen Treiben. Vokal überstrahlt der schlanke, helle Tenor von Wunderlich alle. Verschwenderisch in Schönheit und Kraft, aber auch mit Fiorituren und traumwandlerischer Wendigkeit liefert er einen Ernesto, der geschickt zwischen unselbständigem Waschlappen und jugendlich feurigem Liebhaber wechselt. Der Spaß, mit dem der Tenor hier gestalterisch agiert, ist mehr als ohrenfällig.

Neben der Möglichkeit, Wunderlichs Ernesto zu erleben, bietet dieser Mitschnitt eine Begegnung mit dem urkomischen Kurt Böhme in der Titelpartie – ebenfalls eine Rolle, die mit dem oftmals seriösen Bassisten noch nicht dokumentiert ist. Hier zeigt sich sowohl in sprachlicher Gewandtheit wie in der uneitlen Art des Gesangs, dass Böhme Lortzing-Erfahrung aufzuweisen hat und ja auch ein raffinierter Baron Ochs im 'Rosenkavalier' war. Bei Böhme wird offenkundig, was das gesamte Ensemble antreibt: Es geht nicht um belcanteske Stimmschau, sondern um das theatrale Gesamtpaket, in dem Sprache, Vokallinie und Farbenkunst zusammenfallen. Das Spieltempo ist hoch, was auch von Meinhard von Zallinger am Pult des Bayerischen Staatsorchesters souverän befeuert wird.

Illustre Solistenriege

Raimund Grumbach mag nicht über das edelste Timbre verfügen und nicht die verschmitzte Verführung eines Hermann Prey beherrschen, aber sein tadellos gesungener und artikulierter Malatesta fügt sich bestens ins Gesamtbild dieser illustren Solistenriege. Als Norina ist Erika Köth zu erleben, die ihr Rollenporträt mit großen Szenen für die EMI bereits 1957 festgehalten und 1959 beim WDR einen kompletten 'Don Pasquale' hinterlassen hat. In dieser Liveaufführung dreht sie aber noch einmal ordentlich auf, weil sie sich nicht auf vokale Makellosigkeit konzentriert. Da wird gegirrt, gegluckst, gezetert und gesäuselt, dass sich die Balken biegen. Das flirrende Timbre der Köth muss man freilich mögen – aber wenn, dann ist diese Norina in ihrer Schonungslosigkeit und den furchtlosen Koloraturen, Höhenflügen und spontaner Komik ein wirkliches Großereignis. Hans Hermann Nissen komplettiert als Notar das Ensemble.

Für das Bergen dieses Schatzes und dessen Veröffentlichung gilt dem Label ausdrücklicher Dank. Nun sind Hoffnungen geweckt. Mag doch noch irgendwo Wunderlichs kompletter Ferrando in Mozarts 'Così fan tutte' – eine seiner meistgesungenen Partien – schlummern? Wer weiß…

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gaetano Donizetti: Don Pasquale: Fritz Wunderlich, Erika Köth, Kurt Böhme, Raimund Grumbach

Label:
Anzahl Medien:
Profil - Edition Günter Hänssler
2
Medium:
EAN:

CD
881488190755


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Donizetti, Gaetano


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Profil - Edition Günter Hänssler

Profil - The fine art of classical music
EDITION GÜNTER HÄNSSLER - EIN LABEL MIT "PROFIL"
Bei der Gründung seiner "EDITION GÜNTER HÄNSSLER" und dem neuen Label "PROFIL" betrat Produzent Günter Hänssler, der ehemalige Chef des erfolgreichen Labels Hänssler Classics, mit einer ganz klaren Philosophie und Zielsetzung den Klassik-Markt:
"Nur ein Label mit einem klaren PROFIL, mit einem eindeutigen Wiedererkennungseffekt hat heute noch eine Chance auf dem heiß umkämpften CD-Markt - um die Liebhaber klassischer Musik heute mit einem Produkt zu überzeugen braucht man Originalität, Innovation und optimierte Vertriebswege."
Der Name PROFIL ist Programm. Günter Hänssler denkt in Serien. Nur groß angelegte Projekte haben heute noch eine Chance, sich nachhaltig auf dem Markt wiederzufinden. So entstanden international hoch gepriesene und mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Editionen wie die EDITION STAATSKAPELLE DRESDEN oder die GÜNTER WAND EDITION.
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Ergänzt wird das Repertoire durch ausgewählte, digital aufwendig restaurierte historische Aufnahmen, Interpretationen von legendärem Ruf in neuer, bisher nicht gekannter digitaler Klangqualität. Auf diese Weise schlägt PROFIL die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und versteht sich so auch als Bewahrer musikalischer Traditionen.
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