> > > Franz Liszt: The Complete Songs: Julia Kleiter, Julius Drake
Mittwoch, 12. August 2020

Franz Liszt: The Complete Songs - Julia Kleiter, Julius Drake

Loreleys Klangzauber


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schöner und inniger als Julia Kleiter kann man diese Lieder kaum singen – inhaltlich ist aber noch deutlich Luft nach oben.

Das große Liszt-Projekt beim Label Hyperion mit der Einspielung sämtlicher Lieder des Komponisten geht in die sechste Runde – diesmal mit der deutschen Sopranistin Julia Kleiter, die vom routinierten Julius Drake bei fünfzehn ausgewählten Liedern in deutscher und französischer Sprache begleitet wird. Noch immer findet das Liedschaffen Franz Liszts in seiner Bandbreite erstaunlich wenig Popularität, von ein paar wenigen Dauerbrennern wie 'Oh! quand je dors' einmal abgesehen.

Liszt-Lieder

Bei Hyperion sollen nun also alle Lieder auf Tonträger verewigt werden, parallel verfolgt auch das Label Avi-Music ein ähnliches Ziel. Während letzteres die verschiedenen Fassungen von Liszt-Liedern einander gegenüberstellt und somit direkte Vergleiche ermöglicht und Entwicklungen sinnfällig macht, setzt man bei Hyperion auf eine attraktive Mischung verschiedener Lieder. Die Querverweise zu anderen Fassungen – ein Umstand, der besonders bei Liszt ins Gewicht fällt – entnimmt man dem Beiheft, die Hörvergleiche bleiben dem Käufer überlassen, indem er zwischen verschiedenen Alben hin- und herspringen kann. Vielleicht ist das auch eine kluge Marketingstrategie, denn beim Lesen des detaillierten Artikels im Booklet befällt einen immer wieder die Neugier, eben jene andere Klavierbegleitung oder Ausformung von ganzen Phrasen und Teilen hören zu wollen. Momentan bleibt da nur das Zufriedengeben mit der vorliegenden Einspielung und der offen bleibenden Frage, weshalb man sich hier nun für diese und nicht für eine andere Fassung entschieden hat.

Um es vorweg zu nehmen: Klangschöner und betörender gesungen kann man sich diese Liszt-Lieder kaum vorstellen. Julia Kleiter vereint alle Tugenden einer lyrischen Sopranstimme mit vorbildlichem Legato, einer perfekten Registerverblendung und sinnlichem Schimmer. Das überaus sparsam eingesetzte Vibrato hat an vielen Punkten eine fast instrumentale Stimmführung zur Folge, deren Genauigkeit und Schlichtheit beeindruckend ist. Kleiters Höhenpiani veredeln zahlreiche Momente, wie beispielsweise das Ende der Schiller-Vertonung 'Der Fischerknabe' oder ihr atemberaubendes Diminuendo am Ende von 'Oh! quand je dors'. Überhaupt fällt auf, welche Kraft in den leisen Tönen von Kleiters Gesang steckt. Wie sie 'Kling leise, mein Lied' mit zarter Textur in der Schwebe hält, ist entwaffnend und ebenso die vier Victor-Hugo-Vertonungen leben von der Intimität des Klangs. In Kleiters Gesangskultur zeigt sich absolute Kontrolle der Stimme, die größtmögliche Konzentration der Mittel.

Unentschlossene Artikulation

Was man vermissen kann, sind die expressiveren Töne. Auch Kleiters Farbspektrum ist kleiner als man vermuten möchte, was auch zu einer gefährlichen Eintönigkeit des eigentlich schönen und kunstvollen Albums führt. Dass die Sängerin durchaus in der Lage ist, ihr Ausdrucksspektrum zu vergrößern, hört man in 'Mignons Lied'. Da öffnen sich plötzlich neue Türen, während Kleiter ihre Stilmittel ansonsten eher an der Unterkante dosiert. Viel enervierender ist aber die Unentschlossenheit in der Artikulation. Mal versteht man jedes Wort, dann wieder verliert sich plötzlich jede Kontur im betörenden Klangnirwana. Das hat noch nicht einmal mit den geforderten Lagen zu tun, und dass die hohen Passagen gemeinhin schlechter zu verstehen wären. Das ist hier nicht der Fall. Immer wieder beweist die Künstlerin, dass sie in allen Lagen Inhalt und Text zu transportieren imstande wäre, sie tut es nur nicht durchgehend. Ihre Konsonanten sind mal hart, dann wieder butterweich bis zur Unkenntlichkeit verwischt. Oft weiß man nicht, ob hier gerade ein Lied in deutscher oder französischer Sprache erklingt. Das mag alles bewusst gesetzt sein, aber es verärgert beim Hören, weil man sich inhaltlich viel zu oft ausgeladen fühlt. Das fällt bei der in jeder Hinsicht großdimensionierten 'Macht der Musik' besonders ins Gewicht, weil sowohl Sopranistin als auch Pianist sich mit Verve und Fulminanz ins Zeug legen, aber Kleiter kommunikativ hinterherhinkt.

Am Klavier ist Julius Drake ein in jeder Hinsicht souveräner Partner. Unter seinen Fingern perlen die schwierigsten Läufe, da klingen Glöckchen und manchmal weht nur ein zarter Akkordhauch herüber. Im 'Alpenjäger' fährt Drake gar ein ganzes Orchester auf. Um es noch einmal zu betonen: Schöner und inniger als Julia Kleiter kann man diese Lieder kaum singen – das reicht aber nicht allein, um Liszts Vertonungen von Heine, Goethe, Rellstab, Hugo oder Schiller überzeugend zu transportieren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Franz Liszt: The Complete Songs: Julia Kleiter, Julius Drake

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571282350


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Liszt, Franz


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Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


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