> > > Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 8: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Rafael Kubelik
Donnerstag, 29. Oktober 2020

Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 8 - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Rafael Kubelik

Voller Innenspannung


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nach Eugen Jochum erweist sich auch Rafael Kubelík beim Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunk als begabter Bruckner-Dirigent.

Fast zwanzig Jahre, von 1961 bis 1979, war Rafael Kubelík Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, und wie kaum einer seiner Vorgänger und Nachfolger hat er das Profil des Orchesters geprägt. Das Orchester hatte schon unter Eugen Jochum seinen Bruckner gut kennengelernt, wenn auch die früheste veröffentlichte Aufnahme der Achten Sinfonie von 1971 unter der Leitung Karl Böhms stand, eines anderen großen Brucknerianers.

Kubelíks Bruckner ist wohlbekannt, von der Achten Sinfonie in c-Moll, die der Dirigent schon in seinen Zwanzigerjahren in Prag dirigiert hatte, gibt es sechs Einspielungen aus dem Zeitraum 1950 bis 1983. Der vorliegende Konzertmitschnitt aus dem Herkulessaal der Münchner Residenz entstand am 12. Mai 1977 und gilt als beste Aufführung des Werks durch den Dirigenten. Die Behauptung im Booklet, es werde die Fassung von 1887 gespielt, trifft nicht zu, vielmehr hören wir die übliche Fassung von 1890, deren es in reicher Menge Einspielungen auf dem Markt gibt, nicht zuletzt unter George Széll, Eugen Jochum, Otto Klemperer, Bernard Haitink, Klaus Tennstedt, Zubin Mehta, Lorin Maazel, Carlo Maria Giulini oder Sergiu Celibidache bis hin zu Mariss Jansons und Christian Thielemann – mehrere davon auch aus München.

Das richtige Tempo

Mit 78 Minuten ist Kubelíks Achte von der Spieldauer eher im Mittelfeld einzuordnen. Seine Lesart ist im Detail fein ausgearbeitet, aber mit starkem Blick auf die Gesamtarchitektur. Ein großer Vorteil ist für ihn hier das Live-Erlebnis: Die Musiker bleiben jederzeit im Fluss, behalten das Gesamtziel im Auge, lassen in der Innenspannung nicht nach. Und diese Innenspannung ist ausgesprochen dicht, verbunden mit tiefem Verständnis für die architektonischen Substrukturen und klanglichen Details. Jederzeit hat der Hörer den Eindruck, gerade das richtige Tempo zu hören. Kubelík, ein Meister des Großen wie der Detailzeichnung, betont immer wieder auch einen böhmischen Ton in der Musik und erhellt etwa die Verwandtschaft zu Janáčeks Sinfonietta, aber auch zu Dvořák. Die Raffinesse im Detail lässt den Hörer bei jedem Wiederhören der CD immer wieder neue Feinheiten entdecken, die die Musiker unter Kubelíks Leitung erkunden.

Leider ist die Aufnahmetechnik, die die Blechbläser häufig grob und dynamisch ohne große Differenziertheit wiedergibt, trotz guter Tiefenstaffelung und sorgfältiger Wiedergabe auch leiser und leisester kontrapunktischer Passagen nicht ganz so gelungen, wie wir dies nicht nur heute von Digitalaufnahmen, sondern auch von analogen Studioaufnahmen kennen. Möglicherweise hätte ein begabter Tonmeister in den komplexeren Texturen noch mehr Differenzierung herausarbeiten können. Doch bleibt die Aufführung ein packendes Erlebnis bis zum Finale, einem monumentalen Finale wahrlich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 8: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Rafael Kubelik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
25.10.2010
078:12
1977
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4035719007039
900703


Cover vergössern

Bruckner, Anton


Cover vergössern

"Rafael Kubelík und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks – dem CD- und Schallplattensammler fällt dazu zuerst die berühmte Mahler-Gesamteinspielung ein, die erste Aufnahme des vollständigen Zyklus’ mit einem deutschen Orchester. Musik tschechischer Komponisten wie Dvorák, Smetana, Janácek und Martinů zählte zu seinen Vorlieben ebenso Werke des 20. Jahrhunderts. Jedoch pflegte Kubelík in seiner Amtszeit als Chefdirigent des Orchesters von 1961 bis 1979 auch das traditionelle deutsch-romantische Repertoire, mit dem sich der Klangkörper des Bayerischen Rundfunks bereits seit den Gründungsjahren unter Eugen Jochum international einen Namen gemacht hatte. Im Mai 1977 dirigierte er ein Konzert im Münchner Herkulessaal, bei dem Bruckners Symphonie Nr. 8 c-Moll auf dem Programm stand. Der Mitschnitt dieses Konzerts liegt nun auf CD vor. Die Achte Symphonie entstand in einer Phase, in der Bruckner auf dem Höhepunkt seines Schaffens wie auch seiner öffentlichen Wertschätzung stand. Die Aufführung der Siebten war ein grandioser Erfolg gewesen, und Bruckner komponierte voll Euphorie und Selbstvertrauen seine umfangreichste Symphonie, die Achte. Zu Bruckners großer Bestürzung war das Urteil des von ihm hochgeschätzten Hermann Levi jedoch alles andere als positiv, und so geschah es zum ersten Mal in seiner Laufbahn, dass er eine seiner Symphonien unmittelbar nach der Komposition umarbeitete. Auch wenn heute die Vorzüge der ersten Fassung wieder an Gewicht gewinnen und eine fruchtbare Diskussion in Gange ist, hat sich im Konzertleben doch die Zweitfassung weitgehend durchgesetzt. "


Cover vergössern

BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BR-Klassik:

  • Zur Kritik... Requiem für Furtwängler: Ein Requiem für Wilhelm Furtwängler – eine gewiss zufällige zeitliche Koinzidenz macht diese Aufnahme der zweiten Sinfonie mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Eugen Jochum zu einer besonderen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Belcanto bei den Hunnen: Ivan Repusic und das Münchner Rundfunkorchester setzen ihren Verdi-Zyklus mit 'Attila' fort. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Musik, die zu Tränen berührt: Dvoraks Urfassung des 'Stabat mater' für Orchester, Soli und Klavierbegleitung Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle Kritiken von BR-Klassik...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Altbekanntes: Mit dem vorgestellten Repertoire tut sich die Sopranistin Eva Resch nicht unbedingt einen Gefallen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Beethovens Mandolinist: Der Italiener Bartolomeo Bortolazzi inspirierte Beethoven und Hummel zu Werken für Hammerklavier und Mandoline. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Angestaubt: Vor siebzig Jahren stand in Italien Cherubini Verdi näher als Haydn. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Tapferer Ritter mit schwächelnder Armee: Sehr gute Solisten, allerdings ein nur mittelprächtiges Orchester lassen diese Aufnahme des 'Don Quixote' von Richard Strauss insgesamt etwas blass wirken. Die Romanze für Cello und Orchester gelingt hingegen einwandfrei. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Altbekanntes: Mit dem vorgestellten Repertoire tut sich die Sopranistin Eva Resch nicht unbedingt einen Gefallen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Beethovens Mandolinist: Der Italiener Bartolomeo Bortolazzi inspirierte Beethoven und Hummel zu Werken für Hammerklavier und Mandoline. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Georg Schumann: 6 Fantasien für Klavier op. 36 - Marsch - Alla marcia

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich