> > > Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 5: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Bernard Haitink
Montag, 3. Oktober 2022

Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 5 - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Bernard Haitink

Dynamische Dimensionen


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Altmeister Bernard Haitink und das BRSO stellen ihre gemeinsam geballte Bruckner-Kompetenz unter Beweis.

Im Jahr 2010 entstand diese beim hauseigenen Label BR-Klassik erschienene Aufzeichnung aus der Philharmonie im Münchner Gasteig. Bruckners Symphonie Nr. 5 B-Dur WAB 105 spielt das BRSO unter Leitung von Altmeister Bernard Haitink. Eine zentrale Rolle in diesem Werk spielt die polyphone Komponente, er selbst bezeichnete es als sein ‚kontrapunktisches Meisterwerk‘. Eine Besonderheit weist schon der Kopfsatz auf: In keiner anderen seiner Symphonien hat Bruckner dem Hauptteil eine langsame Einleitung vorangestellt. Sauber geführte, von sonorem choralen Blech gefolgte Unisono-Bewegungen ebnen den Weg dorthin. Von fein gezeichneten Streicherlinien schwingt sich das 'Allegro' in voluminöse Sphären mit markanten Blech-Fanfaren auf. Das kontrapunktische Stimmengeflecht der Durchführung wird präzise enthüllt.

Elastische Spannung

Schon hier beherrscht Haitink die Kunst, mit Bruckners zahlreichen Pausen umzugehen, und füllt diese Momente der Stille (nur scheinbar widersprüchlich) mit musikalischem Leben. Glänzend vorgetragen wird das Oboen-Solo des 'Adagio', sanfte Streicherwärme breitet sich in dessen weiterem Verlauf aus, klangliche Noblesse ziert die ausgefeilte Phrasierung. Das Eingangsmotiv des 'Scherzo' ist thematisch mit dem vorangegangenen Satz verknüpft und wird wie das Ländler-artige zweite Thema rhythmisch pointiert dargestellt, durchzuckt von grellen dynamischen Blitzen. Elastische Spannung kreiert das BRSO in den durchlaufenden dreifachen Achtelgruppen der Basslinie. Hell und unbeschwert lässt Haitink den Trio-Abschnitt erstrahlen. Schlüssig geht Haitink in diesem Satz mit den notierten Tempowechseln um. Im Finale weist das Klarinetten-Solo die individuelle Klasse der Orchestermitglieder aus. Wo Bruckner in seinen Spielanweisungen explizit das Hervortreten von Stimmen verlangt, treten diese scharf konturiert in Erscheinung. Über die gesamte Distanz des Werks – auch hier wieder mit Bezug zum Kopfsatz – erscheinende Marcato-Akzente werden mit impulsivem, nicht stilisiert wirkendem Nachdruck gesetzt. Dreifaches Piano und Forte sind in der Partitur ohnehin an der Tagesordnung, Haitink und das BRSO haben keine Mühe, diese dynamischen Dimensionen darzustellen.

Plastische Stimmführung

Hohe orchestrale Ansprüche stellen Fugato und erst recht die gewaltige Doppelfuge, der bayerische Edelklangkörper ist jederzeit in der Lage, der Stimmführung plastisch durchhörbar zu folgen. Dazwischen erhalten zarte melodische Passagen lyrisch-ästhetischen Hochglanz und subtil ineinanderfließende Linien. Mehrfach hat Haitink im Lauf seiner langen Karriere Bruckners Symphonien aufgenommen – diese Einspielung reflektiert seine geballte Kompetenz. Bruckner selbst hat seine Fünfte niemals zu hören bekommen, die Uraufführung fand zwar zu seinen Lebzeiten statt, der Meister war jedoch krankheitsbedingt verhindert. Man kann sich aber ziemlich sicher sein: Hätte er die Möglichkeit gehabt, einer so überzeugenden Aufführung beizuwohnen – er wäre begeistert gewesen. Einen kompetenter, von einem der Mit-Herausgeber der Bruckner-Gesamtausgabe Wien verfasster Booklet-Beitrag rundet die Veröffentlichung ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 5: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Bernard Haitink

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
25.10.2010
075:43
2010
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001099
900109


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Bruckner, Anton


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"Wenn von den Bruckner’schen „Kathedralbauten“ die Rede ist, so trifft diese Bezeichnung am ehesten auf seine 5. Symphonie zu. Bei ihr handelt es sich um ein Musterbeispiel komplexester Polyphonie und gleichzeitig um ein bewegendes Glaubensbekenntnis. Die Sehnsucht nach dem göttlichen Licht, nach Hoffnung durch den Glauben – diese Ideen vermitteln sich in der Musik und berühren den Hörer unmittelbar. Das hier vorliegende Konzertdokument stammt vom Januar 2010, als mit Bernard Haitink, einer der weltweit renommiertesten Dirigenten beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gastierte. "


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BR-Klassik

BR-KLASSIK, das Label des Bayerischen Rundfunks (BR), veröffentlicht herausragende Live-Konzerte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO), des Chors des Bayerischen Rundfunks, des Münchner Rundfunkorchesters sowie der Konzertreihe musica viva. Dabei ist es ein wesentliches Ziel des Senders, über seine Radio- und TV-Programme hinaus auch digital sowie via CD und DVD allen Musikfreunden weltweit Zugang zu besonderen Aufnahmen zu bieten und auf diese Weise auch jenes Publikum zu erreichen, welches keine Möglichkeit hat, die Konzerte der internationalen Tourneen selbst vor Ort live zu erleben.

Neben den jeweiligen Chefdirigenten wie beispielsweise Mariss Jansons oder Sir Simon Rattle finden sich großartige Künstlerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Herbert Blomstedt, Bernard Haitink und viele andere mehr.

Die Reihe BR-KLASSIK WISSEN liefert unterhaltsame und kurzweilige Hörbiografien von Jörg Handstein mit vielen Hintergrundinformationen und Musikbeispielen auf jeweils 4 CDs, erzählt von Udo Wachtveitl sowie spannende Werkeinführungen in bedeutende Kompositionen der Musikgeschichte.

Durch die Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE werden historische Aufnahmen des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wieder verfügbar. Beispielsweise die legendäre Aufführung des Verdi-Requiems unter der Leitung Ricardo Mutis mit Jessye Norman, Agnes Baltsa, José Carreras und Jewgenij Nesterenko und dem Chor des BR im Jahr 1981 oder etwa denkwürdige Konzertabende mit der Pianistin Martha Argerich: 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr.1 unter Seiji Ozawa.

Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 200 Aufnahmen und hat bereits mehr als 50 renommierte und internationale Auszeichnungen erhalten, darunter den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, den Diapason d’or, den BBC Music Magazine Award und den ICMA.

BR-KLASSIK wird weltweit durch NAXOS vertrieben. Selbstverständlich gehören hierzu auch digitale Portale wie Spotify, Apple, amazon u.v.a.. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK. 


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