> > > Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 8: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Freitag, 5. Juni 2020

Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 8 - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Perfekte Proportionen


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Mariss Jansons überzeugen mit Bruckners Achter Symphonie.

Gewidmet ist Bruckners Symphonie Nr. 8 c-Moll Kaiser Franz Joseph I. von Österreich, der wiederum hatte ihm zuvor in Ansehung des großen Erfolgs der Siebten Symphonie den Franz-Joseph-Orden verliehen. In ihrer Entstehung war sie – wieder mal, muss man sagen – eine schwere dreijährige Geburt und ein Fall für aufwendige Umarbeitungen. Nachdem sein Freund und Förderer, der Dirigent Hermann Levi, die ursprüngliche Version scharf kritisiert und die erhoffte Aufführung abgelehnt hatte, nahm Bruckner diverse Eingriffe an der Partitur vor. Ironie der Musikgeschichte: Levi dirigierte am Ende freilich doch nicht, Hans Richter stand stattdessen bei der Uraufführung am Pult der Wiener Philharmoniker, die ihrerseits Jahre zuvor noch gar nicht gut auf Bruckner zu sprechen gewesen waren.

Imposante ‚Blechlawinen‘

In der überwiegend gespielten zweiten Fassung von 1890 ist das Werk hier mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Mariss Jansons in einem Live-Mitschnitt aus dem Münchner Gasteig vom November 2017 zu hören. Die Klasse dieses Klangkörpers und seiner Zusammenarbeit mit Jansons ist unbestritten, meisterhaft lassen die Ausführenden schon die aus leisen Tiefen anschwellenden Anfangstakte sich erheben und in warm timbrierte Streicherfülle übergehen. Schon kurz darauf werden die ersten imposanten Bruckner‘schen ‚Blechlawinen‘ losgetreten. Formal auffallend weicht Bruckner in der Anlage vom klassischen Schema ab, das 'Scherzo' folgt an zweiter Stelle. Erstmals in diesem Satz – und überhaupt sonst in keiner seiner Symphonien – verwendet Bruckner Harfen, deren sphärisch untermalende Klänge kommen in perfekten Proportionen zum Tragen. Es folgt mit dem 'Adagio# der längste Satz in Bruckners symphonischem Œuvre (in seiner nebenbei von allen auch längsten Symphonie), noch einmal dürfen hier mit viel klanglichem Charisma die Harfen ran. Schwerelos schweben lässt Jansons die Kantilenen, der warme, emotionsgeladene Tonfall ‚seines‘ Orchesters ist – wohlgemerkt ohne Kitsch-Faktor – einfach zum spätromantischen Dahinschmelzen.

Scharf umrissen

Im 'Finale' werden langgezogene – aber auf diesem Level nie langatmig wirkende – ausladend crescendierende Bögen gespannt, bevor alle dynamischen und emotionalen Dämme brechen, deren klanggewaltige Entladungen das BRSO mitreißend und stimmlich scharf umrissen kanalisiert. Um etliches länger als Jansons und das BRSO braucht für dieselbe Fassung beispielsweise der als Bruckner-Koryphäe geschätzte Sergiu Celibidache in seiner fast schon legendären Interpretation mit den Münchner Philharmonikern. Darin entstehen unterm Strich allerdings doch einige gefühlte Längen, das ist bei Jansons nicht der Fall. Musikalisch zielgerichteter und entschlossener wirkt sein Ansatz. das Gefühl, dass Jansons deswegen über lyrische Passagen und Pausen hinwegspielen und sich nicht die nötige Zeit nehmen würde, kommt nicht auf. Im Gegenteil: Diese Deutung überzeugt ohne Abstriche. Die Uraufführung geriet, darf man Hugo Wolf als anwesendem Zeitzeugen glauben, zum vollkommenen Triumph, dem nicht einmal die obligatorisch vernichtende Kritik Eduard Hanslicks etwas anhaben konnte. Auch hier werden die Ausführenden am Ende zu Recht vom Publikum gefeiert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 8: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
01.06.2018
080:07
2017
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001655
900165


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Bruckner, Anton


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"Auf die Entstehung von Anton Bruckners achter Symphonie dürfte der plötzlich erwachende Ruhm eingewirkt haben, der das stets labile Selbstbewusstsein des Komponisten stärkte: der berühmte Dirigent Hermann Levi hatte ihn nach der Aufführung seiner siebten Symphonie zum „größten Symphoniker nach Beethovens Tod“ ausgerufen, in München wurde der in Wien oft belächelte Bruckner endlich ernst genommen, seine Bedeutung anerkannt, und der Kaiser von Österreich hatte ihn mit dem Franz-Joseph-Orden ausgezeichnet, was Bruckner mit besonderem Stolz erfüllte. Im Sommer 1884 machte er sich an die Arbeit. Mit c-Moll kehrte er zur Tonart seiner beiden ersten Symphonien zurück – einer Tonart, die durch Beethovens Fünfte besonders vorgeprägt war und ihn geradezu dazu herausforderte, „per aspera ad astra“, durch die Nacht zum Licht zu schreiten. Er wollte die größte instrumentale Symphonie aller Zeiten schaffen; ihre Ausdehnung wuchs ins Gigantische, der Anspruch an Interpreten und Hörer stieg gewaltig. Das unvergleichlich kühn entworfene Finale ist der längste und gewagteste Sonatensatz, der wohl je komponiert wurde: „der bedeutendste Satz meines Lebens“, meinte Bruckner. Wo gegen Ende die Hauptthemen aller vier Sätze gleichzeitig erklingen, schrieb er in seinen Entwurf ein euphorisches „Halleluja!“ Im August 1887 war die Symphonie nach dreijähriger Arbeit fertig, wegen energischer Einwände Levis kam es aber vorerst zu keiner Aufführung. Bruckner überarbeitete sein Werk zwischen Oktober 1887 und März 1890 gründlich; die Uraufführung der achten Symphonie in ihrer Neufassung fand schließlich am 18. Dezember 1892 durch die Wiener Philharmoniker unter Leitung von Hans Richter statt – sie wurde ein außerordentlicher Erfolg. Hugo Wolf berichtete: „Es war ein vollständiger Sieg des Lichtes über die Finsternis, und wie mit elementarer Gewalt brach der Sturm der Begeisterung aus. Kurz, es war ein Triumph, wie ihn sich ein römischer Imperator nicht schöner wünschen könnte.“ Bruckners achte Symphonie ist seitdem fester Bestandteil des symphonischen Repertoires, aber sie fordert die Interpreten nach wie vor in stärkstem Maße. Mariss Jansons und die Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks sind den außerordentlichen Anforderungen dieses Meisterwerks mehr als gewachsen. Der Mitschnitt des Münchener Konzertereignisses vom November 2017 erscheint nun bereits bei BR Klassik als CD: die mustergültige Interpretation einer der wesentlichsten Kompositionen des symphonischen Repertoires der Spätromantik in ihrer Fassung von 1890. "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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