> > > Sinfonien von Schumann und Schubert: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Donnerstag, 1. Oktober 2020

Sinfonien von Schumann und Schubert - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Rehabilitiert


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mariss Jansons und das BRSO rücken Schubert und Schumann ins rechte symphonische Licht.

Als Symphoniker waren beide lange Zeit nicht wirklich anerkannt – Franz Schuberts ebenso wie Robert Schumanns Errungenschaften auf diesem Gebiet wurde sowohl zu ihren Lebzeiten als auch posthum bis weit ins 20. Jahrhundert hinein teils nicht unbedingt hohe Wertschätzung entgegengebracht. Sicherlich einer der Gründe dafür: Die mächtigen Schatten, die Beethovens auf diesem Gebiet hoch gelegte Messlatte geworfen hatte. Nicht nur etwa Brahms und Wagner waren der Auffassung, dass danach nicht mehr viel kommen könne – eben auch Schubert und Schumann hatten mit dahingehenden Komplexen zu kämpfen. Überhaupt keine von Schuberts Symphonien wurde zu dessen Lebzeiten aufgeführt, tatsächlich wiederum Schumann war es paradoxerweise, der (im Einvernehmen mit Mendelssohn) nach Schuberts Tod immerhin dessen 'Große' Symphonie C-Dur D 944 aus der Versenkung hervorholte. An Schumanns eigenen Symphonien hingegen meinte sogar Jahrzehnte später noch Gustav Mahler ‚herumdoktern‘ zu müssen, bis heute haben sie eher zögerlich Eingang ins breite Konzertrepertoire gefunden.

Schlanke Eleganz

Einen Beitrag dazu, derlei negative Vorurteile zu entkräften, leistet das vorliegende, bei BR-Klassik erschienene Album, auf dem das BRSO unter seinem Chefdirigenten Mariss Jansons mit Live-Mitschnitten aus den Jahren 2015 und 2018 zu hören ist. Den Anfang macht Schuberts Symphonie Nr. 3 D-Dur D 200. Nachdem immerhin die oben genannte 'Große' wie auch die 'Unvollendete' nach und nach erfolgreich in den Konzertbetrieb integriert worden waren, gingen die Meinungen in der Rezeption seiner symphonischen Frühwerke weiterhin auseinander. Kein wohlwollendes Zeugnis stellte ihnen etwa Johannes Brahms aus, zu sehr dem Gestern, dem Geiste Haydns und Mozarts seien sie noch verhaftet. Eine weit höhere Meinung von ihnen hatte hingegen Antonín Dvořák, der sie für ihre zunehmende Eigenständigkeit und ihren Ideenreichtum lobte. Dieser Ansicht möchte man spontan eher folgen, hört man die vorliegend kraftvolle, statisch aufgeladene Einleitung des Kopfsatzes. Ein fein gewobenes Holzbläser-Netz wirft das BRSO unter Jansons schon hier wie im weiteren Verlauf nach der Introduktion aus. Schlank formulierende Eleganz dominiert das 'Allegretto'. Rhythmisch straff, durchsetzt von einem weich federnden Trio gelingt der Menuett-Satz, mit quirligem Elan perlt das 'Presto vivace' vorüber, sein hörbar italienisch gefärbter Charakter wird mit geistreich artikulierendem Ton transportiert.

Rhythmische Spannkraft

Schumanns sogenannte 'Frühlingssymphonie' B-Dur op. 38 gehört zu den eher seltenen Fällen, in denen die Nomenklatur tatsächlich auf den Komponisten zurückgeht. Bei ihrer Uraufführung tatsächlich ein Erfolg, verstehen Jansons und das BRSO es auch hier, dem Anfangssatz nach der eindringlich gestalteten Introduktion ein frisches, romantisch schwärmerisches Timbre zu verleihen. Im 'Larghetto' herrscht hohe kantable Intensität. Im 'Scherzo' setzt Jansons die Sforzato-Akzente auf der signifikant punktierten halben Note des Hauptmotivs und kreiert dadurch ein hohes Maß an rhythmischer Spannkraft. Der Schlusssatz 'Presto vivace' besitzt agogisches Temperament, mit gewohnt homogenem Klang setzt das BRSO romantisch berauschte Energien frei. Dass Schumann hier teils satztechnische Defizite angekreidet wurden, lässt sich angesichts einer so fulminanten Aufführung kaum vorstellen. Seine jugendlich beschwingte Sturm-und-Drang-Attitüde wirkt hier wie aus einem Guss. Anders gesagt: Wie zuvor Schubert, rehabilitieren Mariss Jansons und das BRSO auch ihn als Symphoniker.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Sinfonien von Schumann und Schubert: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
17.05.2019
058:11
2015
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001761
900176


Cover vergössern

Schubert, Franz
Schumann, Robert


Cover vergössern

"Zwei Orchesterwerke sind auf der neuen CD von BR Klassik zu hören, mit denen sich ihre Urheber, die beiden später so bedeutenden romantischen Komponisten Franz Schubert und Robert Schumann, als Symphoniker ausprobierten: In seiner dritten Symphonie in D-Dur D 200, entstanden im Frühsommer 1815 und vermutlich in einem Liebhaberkonzert aufgeführt, emanzipierte sich der achtzehnjährige Schubert von den Stilkopien seiner ersten und zweiten Symphonie und fand zu einem eigenen musikalischen Ausdruck. Keine seiner Symphonien sollte jedoch noch zu seinen Lebzeiten eine öffentliche Aufführung erleben; die dritte wurde erst 1881 in London vorgestellt und sogleich enthusiastisch aufgenommen. Schumanns erste Symphonie B-Dur op. 38 (nach einer unvollendeten Jugendsymphonie) war ein großer Wurf und gleichzeitig ein eindrucksvoller Erfolg für den 31jährigen Komponisten: das Werk wurde zwei Monate nach seiner Vollendung im Januar 1841 von Felix Mendelssohn im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt und vom Publikum bestens aufgenommen. Beide Werke strahlen jugendliche Frische und eine zutiefst positive Haltung aus: wie Robert Schumanns „Frühlingssymphonie“, die in vier Tagen „in feuriger Stunde geboren“ wurde, hätten die Zeitgenossen auch Franz Schuberts dritte Symphonie, die in neun Tagen entstanden ist und ganz von tänzerisch-volksliedhafter und sprudelnder Bewegung lebt, mit einem ähnlichen Beinamen versehen können. Die ausgezeichneten Aufnahmen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Mariss Jansons stammen aus Konzerten, die vom 26. bis 30. Januar 2015 (Schubert) und am 21. und 22. März 2018 (Schumann) im Herkulessaal der Münchner Residenz mitgeschnitten wurden. "


Cover vergössern

BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BR-Klassik:

  • Zur Kritik... Requiem für Furtwängler: Ein Requiem für Wilhelm Furtwängler – eine gewiss zufällige zeitliche Koinzidenz macht diese Aufnahme der zweiten Sinfonie mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und Eugen Jochum zu einer besonderen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Belcanto bei den Hunnen: Ivan Repusic und das Münchner Rundfunkorchester setzen ihren Verdi-Zyklus mit 'Attila' fort. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Musik, die zu Tränen berührt: Dvoraks Urfassung des 'Stabat mater' für Orchester, Soli und Klavierbegleitung Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle Kritiken von BR-Klassik...

Weitere CD-Besprechungen von Thomas Gehrig:

blättern

Alle Kritiken von Thomas Gehrig...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Düstere Beschwörungen: Pianist Frank Peters und Mezzosopranistin Ekaterina Levental beginnen eine Gesamteinspielung der ziemlich individuellen Lieder des Russen Nikolaj Medtner. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Klänge des 21. Jahrhunderts: Das London Symphony Orchestra bietet zwölf jungen Komponistinnen und Komponisten eine freie Spielfläche. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zwischen klassischem Klavierkonzert und Filmwalzer: Der Pianist Oliver Triendl und der Dirigent Ernst Theis werben auf einer schönen CD für die klassische Seite des Operettenkomponisten Oscar Straus. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Jupiter

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich