> > > Sinfonien von Schumann und Schubert: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Freitag, 30. September 2022

Sinfonien von Schumann und Schubert - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Rehabilitiert


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mariss Jansons und das BRSO rücken Schubert und Schumann ins rechte symphonische Licht.

Als Symphoniker waren beide lange Zeit nicht wirklich anerkannt – Franz Schuberts ebenso wie Robert Schumanns Errungenschaften auf diesem Gebiet wurde sowohl zu ihren Lebzeiten als auch posthum bis weit ins 20. Jahrhundert hinein teils nicht unbedingt hohe Wertschätzung entgegengebracht. Sicherlich einer der Gründe dafür: Die mächtigen Schatten, die Beethovens auf diesem Gebiet hoch gelegte Messlatte geworfen hatte. Nicht nur etwa Brahms und Wagner waren der Auffassung, dass danach nicht mehr viel kommen könne – eben auch Schubert und Schumann hatten mit dahingehenden Komplexen zu kämpfen. Überhaupt keine von Schuberts Symphonien wurde zu dessen Lebzeiten aufgeführt, tatsächlich wiederum Schumann war es paradoxerweise, der (im Einvernehmen mit Mendelssohn) nach Schuberts Tod immerhin dessen 'Große' Symphonie C-Dur D 944 aus der Versenkung hervorholte. An Schumanns eigenen Symphonien hingegen meinte sogar Jahrzehnte später noch Gustav Mahler ‚herumdoktern‘ zu müssen, bis heute haben sie eher zögerlich Eingang ins breite Konzertrepertoire gefunden.

Schlanke Eleganz

Einen Beitrag dazu, derlei negative Vorurteile zu entkräften, leistet das vorliegende, bei BR-Klassik erschienene Album, auf dem das BRSO unter seinem Chefdirigenten Mariss Jansons mit Live-Mitschnitten aus den Jahren 2015 und 2018 zu hören ist. Den Anfang macht Schuberts Symphonie Nr. 3 D-Dur D 200. Nachdem immerhin die oben genannte 'Große' wie auch die 'Unvollendete' nach und nach erfolgreich in den Konzertbetrieb integriert worden waren, gingen die Meinungen in der Rezeption seiner symphonischen Frühwerke weiterhin auseinander. Kein wohlwollendes Zeugnis stellte ihnen etwa Johannes Brahms aus, zu sehr dem Gestern, dem Geiste Haydns und Mozarts seien sie noch verhaftet. Eine weit höhere Meinung von ihnen hatte hingegen Antonín Dvořák, der sie für ihre zunehmende Eigenständigkeit und ihren Ideenreichtum lobte. Dieser Ansicht möchte man spontan eher folgen, hört man die vorliegend kraftvolle, statisch aufgeladene Einleitung des Kopfsatzes. Ein fein gewobenes Holzbläser-Netz wirft das BRSO unter Jansons schon hier wie im weiteren Verlauf nach der Introduktion aus. Schlank formulierende Eleganz dominiert das 'Allegretto'. Rhythmisch straff, durchsetzt von einem weich federnden Trio gelingt der Menuett-Satz, mit quirligem Elan perlt das 'Presto vivace' vorüber, sein hörbar italienisch gefärbter Charakter wird mit geistreich artikulierendem Ton transportiert.

Rhythmische Spannkraft

Schumanns sogenannte 'Frühlingssymphonie' B-Dur op. 38 gehört zu den eher seltenen Fällen, in denen die Nomenklatur tatsächlich auf den Komponisten zurückgeht. Bei ihrer Uraufführung tatsächlich ein Erfolg, verstehen Jansons und das BRSO es auch hier, dem Anfangssatz nach der eindringlich gestalteten Introduktion ein frisches, romantisch schwärmerisches Timbre zu verleihen. Im 'Larghetto' herrscht hohe kantable Intensität. Im 'Scherzo' setzt Jansons die Sforzato-Akzente auf der signifikant punktierten halben Note des Hauptmotivs und kreiert dadurch ein hohes Maß an rhythmischer Spannkraft. Der Schlusssatz 'Presto vivace' besitzt agogisches Temperament, mit gewohnt homogenem Klang setzt das BRSO romantisch berauschte Energien frei. Dass Schumann hier teils satztechnische Defizite angekreidet wurden, lässt sich angesichts einer so fulminanten Aufführung kaum vorstellen. Seine jugendlich beschwingte Sturm-und-Drang-Attitüde wirkt hier wie aus einem Guss. Anders gesagt: Wie zuvor Schubert, rehabilitieren Mariss Jansons und das BRSO auch ihn als Symphoniker.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sinfonien von Schumann und Schubert: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
17.05.2019
058:11
2015
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001761
900176


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Schubert, Franz
Schumann, Robert


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"Zwei Orchesterwerke sind auf der neuen CD von BR Klassik zu hören, mit denen sich ihre Urheber, die beiden später so bedeutenden romantischen Komponisten Franz Schubert und Robert Schumann, als Symphoniker ausprobierten: In seiner dritten Symphonie in D-Dur D 200, entstanden im Frühsommer 1815 und vermutlich in einem Liebhaberkonzert aufgeführt, emanzipierte sich der achtzehnjährige Schubert von den Stilkopien seiner ersten und zweiten Symphonie und fand zu einem eigenen musikalischen Ausdruck. Keine seiner Symphonien sollte jedoch noch zu seinen Lebzeiten eine öffentliche Aufführung erleben; die dritte wurde erst 1881 in London vorgestellt und sogleich enthusiastisch aufgenommen. Schumanns erste Symphonie B-Dur op. 38 (nach einer unvollendeten Jugendsymphonie) war ein großer Wurf und gleichzeitig ein eindrucksvoller Erfolg für den 31jährigen Komponisten: das Werk wurde zwei Monate nach seiner Vollendung im Januar 1841 von Felix Mendelssohn im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt und vom Publikum bestens aufgenommen. Beide Werke strahlen jugendliche Frische und eine zutiefst positive Haltung aus: wie Robert Schumanns „Frühlingssymphonie“, die in vier Tagen „in feuriger Stunde geboren“ wurde, hätten die Zeitgenossen auch Franz Schuberts dritte Symphonie, die in neun Tagen entstanden ist und ganz von tänzerisch-volksliedhafter und sprudelnder Bewegung lebt, mit einem ähnlichen Beinamen versehen können. Die ausgezeichneten Aufnahmen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Mariss Jansons stammen aus Konzerten, die vom 26. bis 30. Januar 2015 (Schubert) und am 21. und 22. März 2018 (Schumann) im Herkulessaal der Münchner Residenz mitgeschnitten wurden. "


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BR-Klassik

BR-KLASSIK, das Label des Bayerischen Rundfunks (BR), veröffentlicht herausragende Live-Konzerte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO), des Chors des Bayerischen Rundfunks, des Münchner Rundfunkorchesters sowie der Konzertreihe musica viva. Dabei ist es ein wesentliches Ziel des Senders, über seine Radio- und TV-Programme hinaus auch digital sowie via CD und DVD allen Musikfreunden weltweit Zugang zu besonderen Aufnahmen zu bieten und auf diese Weise auch jenes Publikum zu erreichen, welches keine Möglichkeit hat, die Konzerte der internationalen Tourneen selbst vor Ort live zu erleben.

Neben den jeweiligen Chefdirigenten wie beispielsweise Mariss Jansons oder Sir Simon Rattle finden sich großartige Künstlerpersönlichkeiten wie Daniel Barenboim, Herbert Blomstedt, Bernard Haitink und viele andere mehr.

Die Reihe BR-KLASSIK WISSEN liefert unterhaltsame und kurzweilige Hörbiografien von Jörg Handstein mit vielen Hintergrundinformationen und Musikbeispielen auf jeweils 4 CDs, erzählt von Udo Wachtveitl sowie spannende Werkeinführungen in bedeutende Kompositionen der Musikgeschichte.

Durch die Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE werden historische Aufnahmen des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks wieder verfügbar. Beispielsweise die legendäre Aufführung des Verdi-Requiems unter der Leitung Ricardo Mutis mit Jessye Norman, Agnes Baltsa, José Carreras und Jewgenij Nesterenko und dem Chor des BR im Jahr 1981 oder etwa denkwürdige Konzertabende mit der Pianistin Martha Argerich: 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr.1 unter Seiji Ozawa.

Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 200 Aufnahmen und hat bereits mehr als 50 renommierte und internationale Auszeichnungen erhalten, darunter den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, den Diapason d’or, den BBC Music Magazine Award und den ICMA.

BR-KLASSIK wird weltweit durch NAXOS vertrieben. Selbstverständlich gehören hierzu auch digitale Portale wie Spotify, Apple, amazon u.v.a.. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK. 


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