> > > Schostakowitsch: Symphonie Nr. 10: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Sonntag, 19. September 2021

Schostakowitsch: Symphonie Nr. 10 - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Musikalisches Porträt des Diktators Stalin


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In der Reihe der Schostakowitsch-Aufnahmen des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks liegt nun auch eine Live-Aufnahme der 10. Symphonie aus München vor, Mariss Jansons dirigiert.

Im Booklet zu dieser Neuaufnahme der 10. Symphonie wird explizit darauf hingewiesen, dass Schostakowitsch behauptet habe, das Werk sei ein Porträt Stalins. Es wurde im Dezember 1953 mit dem Leningrader Philharmonischen Orchester uraufgeführt, ein halbes Jahr nach dem Tod des großen Diktators, der Schostakowitsch mit seinen ‚antiformalistischen‘ Säuberungen als Symphoniker zum Verstummen gebracht hatte. Schostakowitsch hatte nach 1945 keine Symphonie mehr geschrieben und war seiner Lehrämter in Moskau und Leningrad enthoben worden. Nun also die musikalische Abrechnung?

Das Porträt Stalins findet sich speziell im 2. Satz (‚Allegro‘) und ist verblüffend. Denn wer denkt, das personifizierte Böse würde irgendwie bedrohlich wie Darth Vader in den ‚Star Wars‘-Filmen klingen, wird feststellen, dass die Maschinerie des Terrors bei Schostakowitsch komplett anders klingt. Er skizziert ein emsiges Treiben, bei dem immer wieder brutale Tutti-Schläge – fast wie Peitschenhiebe – dazwischenfahren. Das hat etwas Beklemmendes, wenn man sich die historischen Hintergründe vor Augen führt. Es ist ein Blick in die Schaltzentrale der Macht, die an Kafka erinnert und bei der es scheint, es gäbe kein Entrinnen.

Fabelhafte Klangkultur

In der Interpretation von Mariss Jansons hat dieses Scherzo allerdings absolut nichts Gespenstisches oder Surreales, geschweige denn Beängstigendes. Bei Jansons und dem fabelhaft aufgelegten Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks klingt dieses ‚Allegro‘ einfach nur nach bewegter Musik. Nicht mehr und auch nicht weniger. Das Manische, das darin durchaus angelegt ist, arbeitet der Dirigent nicht heraus. Damit entzieht er der Zehnten eine Dimension, die das Werk außergewöhnlich spannend macht, auch für Nachgeborene, die nicht selbst unter Stalin leiden mussten und hier eine Ahnung bekommen, was dieses System einst ausmachte – und welche Gefühle es bei jenen auslöste, die darunter leiden mussten, darin gefangen waren, ohne Ausweg.

Auch sonst wird auf dieser Aufnahme mit beeindruckender Klangkultur gespielt. Der Sound des Orchesters – von den Technikern des BR ideal eingefangen – ist imposant. Aber ohne die Brutalität, die wie ein Damoklesschwert über der Partitur schwebt, fehlt mir für dieses Werk eine Dimension, die diesem Opus 93 in e-Moll die zeitgeschichtliche Relevanz gibt. Das Kafkaeske möchte ich in einer idealen Interpretation nicht missen. Und es sollte auch die anderen drei Sätze durchdringen, finde ich. Hier ist das bei 53 Minuten Gesamtspielzeit nicht der Fall, so dass es eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, ob es einem reicht, nur leidenschaftlich musizierte Klänge zu hören. Angesichts der Vielzahl einzigartiger Schostakowitsch-Interpretationen, die auf dem CD-Markt verfügbar sind, haben es Jansons und seine BR-Musiker schwer, sich hiermit im Top-Segment einzusortieren für die Ewigkeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch: Symphonie Nr. 10: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
25.10.2019
053:48
2010
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001853
900185


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Schostakowitsch, Dimitri


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"Schostakowitschs 10. Symphonie subsummiert die Auseinandersetzung des Künstlers mit Stalin und den Stalin-Jahren, auch wenn sich die Fachleute uneins darüber sind, wie dies zu interpretieren sein mag. Trotz oder wegen des gewonnenen Kriegs wurde das Leben in der Sowjetunion auch nach 1945 nicht einfacher; unter den Repressalien von Stalins Terrorregime hatte auch Dmitrij Schostakowitsch zu leiden. Der Vorwurf des Formalismus wurde ihm seit 1936 gemacht; seine 4. Symphonie etwa hatte er deshalb zurückziehen müssen. Die nach dem Sieg über Nazideutschland von ihm erwartete Triumphmusik blieb er schuldig: seine groteske 9. Symphonie war weit davon entfernt und enthielt außerdem versteckte, aber deutliche kritische Anspielungen an Stalin. Nach den Demütigungen in Zuge der „antiformalistischen“ Säuberungen von 1948, bei der er seiner Lehrämter enthoben wurde, zog sich Schostakowitsch zurück. Gleich nach Stalins Tod am 5. März 1953 konnte er dann eine erhebliche Anzahl ernsthafter Werke aus seinen Schubladen hervorziehen, die entweder auf ihre Uraufführung oder ihre Rehabilitierung warteten. Seine 10. Symphonie – zwischen Juli und Oktober 1953 komponiert – wurde am 17. Dezember 1953 vom Leningrader Philharmonischen Orchester unter Leitung von Jewgeni Mrawinski uraufgeführt; es war seine erste symphonische Arbeit seit 1945. Für Mariss Jansons gilt Dmitrij Schostakowitsch als einer der ernsthaftesten und aufrichtigsten Komponisten überhaupt. Insbesondere die fünfzehn Symphonien berühren und fesseln den Dirigenten; deren Musik ist wie kaum eine andere erschütterndes Zeitzeugnis einer politisch düsteren Epoche und zugleich zeitloser Ausdruck existenzieller menschlicher Empfindungen und Erfahrungen. Innerhalb von siebzehn Jahren hat Jansons alle Symphonien eingespielt – jeweils mit dem Orchester, dem er zum damaligen Zeitpunkt künstlerisch verbunden war; sechs davon mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Der Zyklus war 2006 rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Komponisten vollendet; die Aufnahme der 13. Symphonie wurde mit einen Grammy in der Kategorie „Beste Orchesterleistung“ ausgezeichnet. Die Konzertaufzeichnung der 10. Symphonie wurde am 4. März 2010 im Herkulessaal der Münchner Residenz mitgeschnitten. Unter Jansons Dirigat interpretieren die Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks Schostakowitschs 10. Symphonie als Bekenntniswerk: die Abrechnung mit dem Diktator Stalin und seinem Terrorregime, unter dem auch Schostakowitsch gelitten hatte. Der Live-Mitschnitt jenes Konzerts, der bei BR KLASSIK auf CD erscheint, bietet die mustergültige Interpretation eines der wesentlichsten symphonischen Werke des 20. Jahrhunderts. "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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