> > > Günter Raphael: Streichquartette: Acacia Quartet
Dienstag, 21. September 2021

Günter Raphael: Streichquartette - Acacia Quartet

Zu wenig extrovertiert


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Streichquartette von Günter Raphael sind allemal eine Erkundung wert.

Nicht alle Folgen der Günter-Raphael-Edition sind von gleich hoher Qualität, ungeachtet der kompositorischen Qualitäten. In Folge 7 liegt nun die Einspielung der Streichquartette 1, 2 und 6 vor. Die beiden ersten Gattungsbeiträge entstanden 1924 bzw. 1925, als Raphael, noch Anfangszwanziger, am Beginn seiner Karriere stand. Das erste Quartett op. 5 in e-Moll ist zweisätzig (ein umfangreicher, auch formal nicht unkomplexer Sonatensatz gefolgt von einem Variationensatz mit Fuge) und zeigt den jungen Komponisten ganz als Mensch seiner Zeit: Die Harmonik entspricht den jüngsten Entwicklungen, ohne der Tonalität den Rücken zu kehren. Die Verbindung zu den Zeitgenossen ist offenkundig – weniger zu Hindemith oder Krenek vielleicht, aber zu Joseph Haas, Hermann Grabner und der ‚Reger-Schule‘.

Lyrische Auseinandersetzung

Von stärker expressiver Kraft ist das zweite Quartett in C-Dur op. 9 – auch dieses sichtlich in der Reger-Nachfolge (die ersten beiden Sätze sind Präludium und Fuge), doch auch harmonisch von spannender Zuspitzung. Das australische Acacia Quartet widmet sich Rafaels Musik mit hörbarer Hingabe, wenn auch manche Passagen fast zu weich gespielt werden. Die Kompositionen vertragen einen kraftvolleren, expressiveren Zugriff, eine stärkere Zuspitzung, fordern sie nicht selten sogar geradezu heraus. So bleiben die Musiker der Musik denn doch einiges schuldig. Ihre besonderen Stärken sind offenbar die kontrapunktische Ausarbeitung und die lyrische Auseinandersetzung mit der Musik. Das Scherzo des zweiten Quartetts bleibt zu sauber, zu wenig sarkastisch zugespitzt musiziert. Der spezifische Humor der ‚Roaring Twenties‘ bleibt so verborgen und fehlt der Musik offenkundig.

1946 – Raphael war von den Nazis verfemt worden und in die innere Emigration gegangen – entstand das sechste Streichquartett in F-Dur op. 54. Die Komposition ist dreisätzig und ganz auf den expressiven Klang ausgerichtet. Hier scheinen sich nun die Interpreten deutlich wohler zu fühlen – auch weil alle oberflächlichen Emotionen von dem Komponisten abgefallen sind. Zwar könnte man sich auch hier (gerade bei den Passagen mit punktierten Notenwerten) eine noch schärfere Profilierung wünschen, doch die feinen Farbvaleurs, die die Musik weit stärker auszeichnen, werden vorzüglich herausgearbeitet. Leider lenkt das Vibrato mancher Solopartien der Bratsche ein wenig von Raphaels klarer linearer Melodiegestaltung ab.

Während die Aufnahmequalität nicht zu beanstanden ist – alle Instrumente kommen in guter Balance sehr natürlich zu ihrem Recht, zeichnet sich das Booklet durch allzu wenig Informationen aus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Günter Raphael: Streichquartette: Acacia Quartet

Label:
Anzahl Medien:
Querstand
1
Medium:
EAN:

CD
4025796019063


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Raphael, Günter


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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