> > > Beethoven unknown: Matthias Kirschnereit, Klavier
Dienstag, 4. August 2020

Beethoven unknown - Matthias Kirschnereit, Klavier

Poesie und Spaß im Kleinen


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wirklich unbekannt sind diese Stücke natürlich nicht, auch wenn 'Für Elise' hier durch 'Für Sarah Payne' oder 'Für Piringer' ersetzt wird. Matthias Kirschnereit folgt mit Auswahl und intelligenter Interpretation Vorbildern wie Brendel oder Buchbinder.

Für manche Klavierschüler sind diese Stücke von Ludwig van Beethoven – wie das Rondo WoO 48 des etwa Zwölfjährigen oder die durchaus zweifelhaft zugeschriebene Sonatine F-Dur – bekannter als viele der Klaviersonaten. Und die Spanne der von Matthias Kirschnereit zusammengestellten Kompositionen reicht von um 1782 bis zu den ‚two lines of music‘, die Beethoven wohl 1825 seiner britischen Besucherin Sarah Payne mit in die Heimat gab. Michael Kube kommentiert diese meist kurzen Werke im auch grafisch ansprechend gestalteten Booklet ebenso treffend, wie er in einem kurzen Interview mit Kirschnereit Motivationen und persönliche Perspektiven des Pianisten herauskitzelt. Sympathisch, wie hier Alfred Brendel als Auslöser einer frühen Begeisterung für die wahrlich herausragenden Variationen op. 34 zum Paten eines Programmes erkoren scheint, dessen Lebendigkeit und Vielseitigkeit für sich spricht.

Eine Vielzahl von Gattungen sind vertreten, neben den für ihre ‚neue Manier‘ berühmten Variationen etwa die zweite der drei frühen Bonner 'Kurfürsten-Sonaten' von 1783: Besonders das schon recht umfangreiche siebenminütige Andante ist im einfühlsamen Gesang mit seinen fein eingestreuten Aufbrüchen und Umspielungspassagen großartig getroffen, und die Dramaturgien der Ecksätze werden so überzeugend entwickelt, dass diese ‚Vorstufen‘ (auch der beiden anderen, hier fehlenden Sonaten) eigentlich vollgültig zu den testamentarischen 32 Sonaten hinzuaddiert gehören sollten.

Ein Spektrum pianistischer Gestaltungsvielfalt

Eigentlich erst nach 1800 wurde Beethoven mehr als ein komponierender Star-Pianist, wünschenswert wäre deshalb vielleicht auch einer der ihn einst bekannt machenden Bonner oder frühen Wiener Variationen-Zyklen über Fremdmaterial aus Oper und Ballett gewesen. Das Dutzend versammelter ‚kleiner Stücke‘ mit Tanz-Charakter oder fugierter Führung – wie die elegante monologische Zwiesprache im tatsächlich zu unbekannten, reifen Piringer-Stück von 1821 – ist etwas für einen feinsinnigen Klaviererzähler mit Gespür auch für musikalischen Humor. Eine Rolle, die Kirschnereit nahezu perfekt erfüllt. Einem notwendig dazu gehörenden, aufmerksam zuhörenden Publikum wird sich der Feinsinn und das mitunter schon fast Schumanneske, in der reflektierten kompositorischen wie interpretatorischen Gestik oft Selbstironische dieser Musik leicht erschließen und sicher bei jedem erneuten Hören kleine Freuden bereiten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Beethoven unknown: Matthias Kirschnereit, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
Berlin Classics
1
Medium:
EAN:

CD
885470014098


Cover vergössern

Beethoven, Ludwig van


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

  • Zur Kritik... Unterschiedlich historisch: Diese Hommage an Clara Schumann bietet voll ausgereifte Interpretationen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Schönheit im Angesicht des Todes: Die Pianistin Annika Treutler legt mit ihrer Einspielung zweier Sonaten und des Klavierkonzertes ein überzeugendes Plädoyer für den in Auschwitz ermordeten Viktor Ullmann vor. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Glanzpunkte in Gohrisch: Michail Jurowski und die Staatskapelle Dresden beeindrucken bei den Schostakowitsch-Tagen in Gohrisch. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Hartmut Hein:

  • Zur Kritik... Fast schon zu schön: In Mahlers Dritter Symphonie überwiegen die idyllischen Momente. So auch November 2017 in der Düsseldorfer Tonhalle: Ruhe und aufnahmetechnisch perfekt vermittelte klangliche Plastizität zeichnen Adam Fischers Lesart und das orchestrale Portfolio aus. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Die Bandbreite böhmischer Klassik in Wien: Mittlerweile liefern schon einige Tonträger ein gutes Bild von Leopold Kozeluch als Symphoniker. Die Serie auf dem Label Naxos erlaubt ein preiswertes, künstlerisch zufriedenstellendes Kennenlernen. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Das Solo-Klavier als dramatisches Subjekt: Weniger bekannt als das b-Moll-Klavierkonzert, sind Tschaikowskys G-Dur-Konzert und die zweisätzige Fantasie doch faszinierende Werke für einen souveränen und einfühlsamen Solisten. Eldar Nebolsin erfüllt hier die Erwartungen. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Hartmut Hein...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Einfachheit als Prinzip: Der Geist des Singens bewahrt den Menschen davor, zur Maschine zu werden - dieses Postulat bestimmt den Duktus der Werke von Zoltán Kodály für sein Lieblingsinstrument, das Cello. Julian Steckel geht diesem Phänomen auf den Grund. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Charakterzeichner: Makellos im Ansatz und Spiel, versteht sich das Saxophon-Quartett sonic.art auf zeitgenössische Musik voller Situationskomik. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Hammerklavier mal anders: Das Leipziger Streichquartett lässt mit transkribierten Raritäten aufhorchen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Leopold Kozeluch: Piano Trio P.IX:8 in A major - Allegro

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Edlira Priftuli im Portrait "Musikalisch praktizierte Ökumene"
Edlira Priftuli hat den Straßburger Wilhelmerchor zur historisch informierten Aufführungspraxis geführt

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich