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Freitag, 5. Juni 2020

Richard Strauss: Also sprach Zarathustra, Burleske - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Akribisch gefiltert


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das BRSO unter Mariss Jansons glänzt mit Richard Strauss und einem brillanten Solisten.

Beinahe jeder kennt, sei es aus Film oder TV-Werbespots, den einleitenden Abschnitt von Richard Strauss‘ Symphonischer Dichtung 'Also sprach Zarathustra' – freilich oft ohne zu wissen, um welches und in welchem Kontext stehende Werk es sich dabei handelt. Auf einer reinen Strauss-CD ist das auf Basis Friedrich Nietzsches‘ gleichnamigen philosophischen Werks entstandene Stück mit dem BRSO unter Mariss Jansons in einem Live-Mitschnitt aus dem Oktober 2017 zu hören.

Bereits besagter Anfangsteil ist prädestiniert für einen derartigen Luxus-Klangkörper, um die aus der Tiefe aufsteigenden Klangdimensionen in voller Wirkungspracht des 'Sonnenaufgangs' darzustellen. Gefragt sind im weiteren Verlauf aber nicht nur dynamisch-voluminöse Exzesse, fast kammermusikalisch geht es im zweiten Teil ('Von den Hinterweltlern') zu, in dem die individuelle Klasse der Instrumentalisten des BRSO – allen voran Solo-Violine und Oboe – ebenso wie in der fünften Episode ('Grablied') zur Geltung kommt. 'Von der großen Sehnsucht' erzählt der dritte Teil, meisterhaft versteht es Jansons, im Großen wie im Kleinen Emotionen freizusetzen und die programmatische Essenz akribisch herauszufiltern. Die Stimmführung in der Fuge des sechsten Teils ('Von der Wissenschaft') sitzt wie angegossen – der musikalisch persiflierende akademische Tonfall auch.

Pianistisches Sorgenkind

Ein veritables Klavierkonzert hat Richard Strauss nicht hinterlassen, immerhin die 'Burleske' d-Moll hat er für das ansonsten überhaupt von ihm wenig bediente Instrument in Verbindung mit Orchester geschrieben. Ursprünglich widmen wollte er sie seinem Meininger Mentor und Förderer Hans von Bülow. Selbst der, seines Zeichens damaliger Starpianist, weigerte sich aber unter Hinweis auf einen unverhältnismäßig hohen Übungsaufwand, das Stück zu spielen. Strauss selbst versuchte daraufhin, es selbst am Klavier zu spielen und gleichzeitig zu dirigieren – ein, wie er einsehen musste, Ding der Unmöglichkeit. Erst mit fünf Jahren Verzögerung kam es durch einen anderen führenden Pianisten seiner Zeit, Eugen d‘Albert, nach von diesem angeregten technischen Änderungen zur erstmaligen Aufführung. Auch in dieser Form gefiel es dem unter den Zuhörern anwesenden von Bülow übrigens nicht sonderlich. Als Widmungsträger auserkoren wurde dann schließlich d‘Albert. Strauss selbst wurde infolge der überwiegend negativen Kritik (auch Brahms, dem das Stück stellenweise stilistisch noch anhängt, war alles andere als überzeugt) mit diesem ‚Sorgenkind‘ nie wirklich warm und versah es demzufolge nicht einmal mit einer Opuszahl.

Solistische Extraklasse

Prominenter Solist in der vorliegenden Aufnahme ist Daniil Trifonov, der seine exzeptionellen technischen Fähigkeiten schon in den chromatischen Abgängen zu Beginn beweist. Er und das BRSO beleuchten alle Facetten des an sich durchaus vielseitigen und originellen Stücks. Trifonovs Extraklasse erweist sich sowohl in den warm timbrierten lyrischen Passagen als auch im virtuos herausfordernden Bereich. Mit luzidem und statisch aufgeladenem Spiel bringt er den derb-humoristischen wie den schwärmerischen Charakter gleichermaßen perfekt zum Ausdruck. Weder mit dem, was selbst besagte einstige ‚Klavierpäpste‘ ‚unpianistisch‘, nannten noch mit der immer wieder gefragten Darstellung abrupter Stimmungswechsel hat Trifonov ein Problem. Das dynamische Gefälle zwischen Klangkörper und Solopart ist mitunter recht groß – den Ausführenden gelingt es, die klangliche Balance am jeweiligen Bedarf gut auszurichten. Sehr speziell wirkte schon zu Strauss‘ Zeit der mal solistische, mal dialogisierende Einsatz der Pauke – hier ebenfalls meisterhaft vorgeführt. Ob klanglicher Pomp oder eleganter, weicher 'Rosenkavalier'-Charakter zum Ende hin im Orchester oder halsbrecherisch schwierige Kaskaden im Klavier: Hier finden die idealen Protagonisten zueinander.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Richard Strauss: Also sprach Zarathustra, Burleske: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
07.02.2020
060:51
2017
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4035719001822
900182


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Strauss, Richard


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"Um eine der bekanntesten symphonischen Dichtungen von Richard Strauss, ja: um eine der berühmtesten Tondichtungen überhaupt handelt es sich bei „Also sprach Zarathustra“ op. 30 aus dem Jahre 1896. Das markante Thema, von den Pauken begonnen und dann von mächtig anschwellenden Blechbläser-Akkorden bestimmt, war schon lange vor seiner Verwendung als Filmmusik (in Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“) bekannt. Vor fünfzig Jahren hat diese Musik die Grenzen der Klassischen Musik raumgreifend überschritten und ist zur universellen Allgemeinbildung geworden. Dabei mögen der sperrige Titel und die thematisierte Auseinandersetzung mit der gleichnamigen dichterisch-philosophischen Schrift von Friedrich Nietzsche dieser überbordenden Popularität anfangs eher im Wege gestanden zu haben. Doch sinnigerweise meinte Nietzsche selbst: „Unter welche Rubrik gehört eigentlich dieser ‚Zarathustra‘? Ich glaube beinahe, unter die ‚Symphonien‘.“ Vollkommen anders klingt die ein Jahrzehnt eher entstandenen „Burleske“ für Klavier und Orchester – 1885/86 komponiert, als der 21jährige Strauss seinen ersten Arbeitsplatz als Kapellmeister der Meininger Hofkapelle als Assistent und Vertreter Hans von Bülows versah. Das zunächst als „Scherzo“ bezeichnete Werk (in einem Brief an seine Mutter sprach Strauss auch von einem „Klavierkonzert“) widmete er seinem Mentor Bülow; 1890 wurde es mit dem Klaviersolisten Eugen d’Albert in Eisenach uraufgeführt. Heiter und „burlesk“ sind die Themen, im besten Sinne konzertieren Soloinstrument und Orchester miteinander. Die Musik zeigt Strauss in einer frühen Phase, da er kompositorisch noch nicht an Liszt und Wagner anknüpfte. Er selbst bezeichnete die „Burleske“ im Jahr der Uraufführung als ein Werk „über das ich weit hinaus bin“. Im Konzertbetrieb lange Zeit kaum vertreten, fand sie in den vergangenen zwanzig Jahren, nicht zuletzt durch Glenn Gould, wieder stärkere Beachtung. Mit Strauss’ „Burleske“ war der Starpianist Daniil Trifonov erstmals beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu Gast. Die Konzerte vom 12. und 13. Oktober 2017 im Herkulessaal der Münchner Residenz, die für die vorliegende CD von BR-KLASSIK mitgeschnitten wurden, dirigierte Mariss Jansons. Nun liegt dieses Münchner Konzertereignis vom Herbst 2017 auf CD vor."


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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