> > > Florian Leopold Gassmann: Opera arias: Ania Vegry, NDR Radiophilharmonie, David Stern
Donnerstag, 9. Juli 2020

Florian Leopold Gassmann: Opera arias - Ania Vegry, NDR Radiophilharmonie, David Stern

Wechselbad der Gefühle


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die junge Sopranistin Ania Vegry setzt sich für den frühklassischen Komponisten Florian Leopold Gassmann ein.

Der Werdegang von Florian Leopold Gassmann, der 1729 in einer Kleinstadt nahe der sächsischen Grenze geboren wird, beginnt abenteuerlich. Weil der musikalisch Hochbegabte nach Willen des Vaters keinen künstlerischen Beruf ausüben darf, sondern ein Handwerk erlernen soll, flieht der dreizehnjährige Junge nach Karlsbad. Hier verdient er sich als Harfenspieler das Geld für die Weiterreise nach Italien, das damalige musikalische Zentrum. Nachdem er in Bologna vom bedeutenden Pädagogen Padre Martini seine Ausbildung vervollkommnet hat, zieht er nach Venedig, wo 1757 seine erste Oper Premiere hat. Über zwanzig weitere folgen, ernste und komische, viele davon auf ein Libretto von Goldoni.

1763 wird Gassmann als Komponist und Kapellmeister an den Wiener Hof berufen und behält diese prestigeträchtige Stellung bis zu seinem Tod 1774. In die Musikgeschichte geht er indes vor allem als Lehrer von Salieri ein, seine Kompositionen geraten hingegen, wie die von vielen anderen seinerzeit angesehenen Musikern dieser Generation, in Vergessenheit. Erst 1994 wird der Dirigent René Jacobs wieder auf Gassmann aufmerksam. Er bringt dessen Buffa 'L’Opera seria' an der Berliner Staatsoper Unter den Linden heraus und verhilft ihr zu einem unerwarteten Triumph. Seither wird diese Satire auf den Opernbetrieb vereinzelt nachgespielt, aber auch andere Musikkomödien, wie die ehemals berühmte 'La Contessina'.

Jugendfrische und Klarheit

Die ernsten Werke aber bleiben in der Versenkung. Insofern ist das neue Solo-Album der aufstrebenden Sopranistin Ania Vegry zu begrüßen. Sie hat im Gassmann-Archiv gestöbert und nicht nur komische, sondern auch dramatische Nummern zu Tage gefördert und diese gleich selbst verlegt. Jede der ausgewählten Arien, die meisten in Dacapo-Form, charakterisiert individuelle Affekte und Stimmungen. Sie geben Ania Vegry, die sich momentan auf das lyrische Opernfach, auf leichtere Mozart- und Koloraturpartien konzentriert, aber auch im Konzertsaal zu Hause ist, Gelegenheit, ihre stimmlichen Vorzüge zu demonstrieren, die da sind: Jugendfrische und Klarheit, Höhenstärke und blitzsaubere Koloraturen, dazu eine geschmackvolle Phrasierung. Nur der Ausdruck könnte variabler sein, wodurch die Arien, ungeachtet des Gefühlszustands der Figuren, ähnlich klingen. Dafür setzt die NDR Radiophilharmonie unter der befeuernden Leitung von David Stern instrumentale Akzente, spielt kontrastreich und farbig und wird so zum gleichberechtigten Partner der Solistin.

Das Booklet bietet alles, was nötig ist: eine gute Einführung, Biographien der Mitwirkenden und die Texte der Arien. Das technisch einwandfreie Album gibt einen gelungenen Einblick in die Opernwelt des Florian Leopold Gassmann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Florian Leopold Gassmann: Opera arias: Ania Vegry, NDR Radiophilharmonie, David Stern

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203505722


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Gaßmann, Florian Leopold
 - Opera Arias -
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Dirigent(en):Stern, David
Orchester/Ensemble:NDR Radiophilharmonie
Interpret(en):Vegry, Ania


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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