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Samstag, 28. Mai 2022

Sweelinck - Der Organistenmacher

Back to the Roots


Label/Verlag: Raumklang
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Alte Orgeln kennen ihre eigenen Gesetze. So mutet die Intonation des 1998er Nachbaus der Orgel der Kirche St. Jaques zu Lüttich in Belgien zunächst verwunderlich an. Beschäftigt man sich aber eingehender mit den Stimmungen der Orgeln der Renaissancezeit, wird schnell klar, dass damals (um 1600) nicht temperiert, sondern mitteltönig intoniert wurde. So erklären sich mal größere, mal geringere intonatorische Spannungen bzw. Abweichungen vom Mittelwert. Das ist schon im ersten Werk der Platte (Praeambulum 6 von Heinrich Scheidemann [1]) hörbar, die Léon Berben beim audiophilen Label Raumklang herausgebracht hat.
Léon Berben – ansonsten Cembalist im Ensemble von Musica Antiqua Köln – beschäftigt sich auf dieser CD mit dem niederländischen Orgelmeister Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621) und seinen musikalischen Erben und führt so zu den Wurzeln der europäischen Orgelmusikkultur. Ich nenne Sweelinck bewusst einen ‘Orgelmeister’, weil die damaligen Komponisten immer zugleich die erstrangigen Interpreten und Lehrer ihrer Zunft waren.

Léon Berbens Spiel gefällt außerordentlich. Seine flüssige Motorik, sein Spürsinn für musikalische Zusammenhänge und der tendenziell geistliche programmatische Inhalt dieser Platte lassen ‘Sweelinck - Der Organistenmacher’ zum idealen Begleiter an einem Sonntag Vormittag werden. Mit seiner repräsentativen Werkauswahl von der Toccata XX [5] über den Psalm XXIII [6] (‘Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen’) mit drei Variationen, bis hin zur Fantasia II. verschafft Berben einen nachhaltigen Einblick in das Schaffen dieses größten niederländischen Orgelmusikkomponisten, dessen Werk über seine Schüler Heinrich Scheidemann und Jacob Praetorius nach Deutschland hineinragte. Von Scheidemann hören wir die Praeambuli 6,8, & 14 sowie ‘Mio cor, sei vera salamandra’. Von Jacob Praetorius ist leider nichts eingespielt.
Musikalischer Gipfel der Aufnahme ist Sweelincks Fantasia II [9]. Sie verknüpft kraftvolle harmonische Rückungen und glänzendes organistisches Rankwerk. Im Zusammenwirken mit der dramatischen Musizierhaltung des Interpreten wird aus dieser Komposition ein unvergessliches Kunstwerk. Schildts Variationen ‘Gleichwie das Feuer’ & drei Variationen [10] (mit wunderbarem Schallmey- oder Zink- (?) Register) nehmen sich danach erheiternd kontrastreich aus.

Léon Berben, der mit erkennbar persönlichem Engagement auch den Booklet-Text verfasste, hat leider versäumt, Informationen über Melchior Schildt und Paul Siefert (‘Paduana’ [11] zu liefern. Trotzdem ist diese Aufnahme eine editorische Pioniertat für die der Interpret höchstes Lob verdient.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Sweelinck: Der Organistenmacher

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Raumklang
1
15.10.2003
67:32
2002
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4018767022056
RK 2205


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Interpret(en):Berben, Léon (Orgel)


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Raumklang

Das Label RAUMKLANG wurde 1993 von Sebastian Pank in Leipzig gegründet. Nach wie vor steht der Name Raumklang für ein authentisches Klangerlebnis. Die Aufnahmen entstehen überwiegend mit nur einem Stereo-Kugelflächen-Mikrophon (One-Point-Recording).
Den Schwerpunkt aller RAUMKLANG-Veröffentlichungen bildet die Alte Musik. In jüngster Zeit ergänzt neben experimenteller/zeitgenössischer Musik eine Reihe mit Weltmusik das RAUMKLANG-Programm. Für seine aufwendig produzierten und anspruchsvoll gestalteten CDs mit ausführlichem Begleitheft erhielt RAUMKLANG bereits zahlreiche begehrte Auszeichnungen, darunter "Grand Prix de l'Académie Charles Cros" und den "Diapason 5".
Seit 1998 liegt der Hauptsitz des Labels auf Schloss Goseck in Sachsen Anhalt, auf dem sich in den letzten Jahren das "Europäsiche Musik- und Kulturzentrum" sowie ein Zentrum für Archäologie (7000 Jahre altes Sonnenobservatorium) etabliert haben. Nicht zuletzt aus dieser Verknüpfung ergeben sich zahlreiche Kontakte zu renommierten Künstlern der Alten Musik im In- und Ausland.
Seit 2003 veröffentlicht RAUMKLANG verschiedene Editionen. Jede Edition wird von einem anderen Produzenten herausgegeben und erweitert damit die Vielfalt des Labelrepertoires. So erscheint neben edition raumklang von Sebastian Pank (Schloss Goseck) die marc aurel edition in Köln, gegründet von Aurelius Donath. Aus der Zusammenarbeit mit der berühmten Schola Cantorum Basiliensis (SCB) in Basel hat sich die schola cantorum basiliensis edition ergeben. In dieser Reihe stellt der Produzent Thomas Drescher (stellv. Direktor der SCB) viel versprechende Absolventen aus Basel vor. 2005 entstand aus den engen Kontakten zur Musikstadt Leipzig eine weitere neue Edition: Unter dem Namen edition apollon veröffentlicht nun das international bekannte Vokalesemble "amarcord" seine CDs.


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