> > > J.S.Bach: Matthäus-Passion: Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki
Donnerstag, 28. Januar 2021

J.S.Bach: Matthäus-Passion - Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki

Dunkler Sog


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine große Passion, in Substanz und Faktur wie in Deutung und künstlerischer Ambition. Masaaki Suzuki und sein Bach Collegium Japan mit einem veritablen Lebenszeichen.

Vor ziemlich genau 20 Jahren haben Masaaki Suzuki und sein Bach Collegium Japan schon einmal eine Bachsche Matthäus-Passion vorgelegt, mit Gerd Türk in Evangelisten-Hochform und einem insgesamt inspirierten Ensemble. Jetzt hat sich Suzuki, nach dem Ende aller Kantaten-Reihen, eine neue Matthäus-Passion ‚gegönnt‘ und beim Label BIS vorgelegt. Der Eingangschor weist den Weg, lyrisch dicht, voll dunkler Energie, in der dräuenden Basssphäre alles andere als überartikuliert. Alles Raue und Eckige fehlt, vor allem die hochsensible Gestaltung des dynamischen Gepräges beeindruckt. Suzuki geht es weniger um eine vordergründig-dramatische Geschichte als um das sorgfältig ausgebreitete Panorama einer ewig großen Erzählung. Was nicht heißt, dass zum Beispiel der Chor nicht zu hochdramatischen, plastisch gesprochenen Turbachören in der Lage sich zeigt: Die Kreuzige-Chöre oder die nachfolgenden Szenen bis zur Kreuzigung selbst werden in sich schlüssig und entschieden angepackt. Suzuki und das Bach Collegium Japan entfalten einen dunklen Sog, der primär musikalisch wohlig umfängt, aber auch unfassbar traurig und gefährlich drohend wirken kann – ein facettenreiches Bild.

Famose Solisten-Riege

Maßgeblich geprägt wird es von den großen Protagonisten jeder Bach-Passion. Benjamin Bruns gibt einen in jeder Hinsicht souveränen Evangelisten. Mit seiner wunderbaren linearen Kunst und der klugen Disposition seiner üppigen Mittel verschafft er sich Autorität. Jede Phrase ist bedacht und empfunden, klar gefasst und zu einem inneren Ende geführt. Bruns ist sprachmächtig, ist dramatisch und verhalten, zupackend und sensibel. Er gibt dem Geschehen mühelos und jederzeit frisch tönende Impulse, bringt Energie ein. Christian Immlers Christus klingt nobel, voller Würde und natürlicher Größe. Er wirkt dennoch berührbar, verletzlich gar, im Verlauf ungemein beteiligt und bewegt. Vieles erreicht Immler über seine natürlich wirkende und doch ungemein kunstfertige Diktion. Neben den Christus-Worten ist er der Protagonist arios gewichtiger Anteile – allein schon das Paar aus Rezitativ und Arie 'Am Abend, da es kühle war' und 'Mache dich, mein Herze, rein' ist beglückend.

Hervorzuheben ist auch der zweite Bass Toru Kaku, der vor allem als Pilatus sehr viel mehr als nur rollendeckend agiert. Er erweist sich als veritable Größe und stimmliche Autorität, als wandlungsfähig und stimmlich unangefochten. Sein rezitativisch-arioses Parade-Doppel ist aus dem ersten Teil der Passion: Mit seiner Deutung von 'Der Heiland fällt vor seinem Vater nieder' und 'Gerne will ich mich bequemen' steht er qualitativ den hochrangigsten Präsentationen des Fachs nicht nach. Kaku gehört ebenso wie die solistisch zu erlebende Sopranistin Aki Matsui und der Tenor Makoto Sakurada zu jenen Künstlern, die Masaaki Suzuki mit der langjährigen Arbeit seines Bach Collegium Japan gefördert und mitgeformt hat – Bach als unzweifelhaft in heutiger Praxis auch japanisches und weltweites Phänomen, das kulturelle Grenzen schon vor langer Zeit mühelos übersprungen hat. Daneben sind weitere exzellente Könner mit weltweitem Renommee zu hören, die Sopranistin Carolyn Sampson mit ätherischer Stimmschönheit, dazu der Altus Damien Guillon und der junge Tenor Zachary Wilder. Einzig der zweite Altus Clint van der Linde fällt qualitativ ab, mit säuerlichem, gefährlich flackernden Timbre.

Chor und Orchester sind echte Größen

Der von den Solisten verstärkte, in seinen beiden Teilen je dreizehnstimmige Chor agiert gelenkig, plastisch und energisch. Die Register sind sehr gut modelliert, sie packen präzise zu und liefern in den Chorälen genauso überzeugend atmosphärisch dichte Stimmungsporträts – allein damit eine eigenständige musikalische Kunstform bei Bach betonend. Das Orchester erweist sich als die profilierte, ungemein versierte Größe im Bach-Kosmos, zu der Suzuki es im Lauf der Jahrzehnte geformt hat. Für das Continuo hat er sich – man muss sich das leisten können, aber das Ergebnis lohnt sich rundherum – von Marc Garnier eine eigene Orgel bauen lassen, transportabel, leicht aufzubauen, aber größer und in den Registern besser ausgestattet, als jede Truhe es ein könnte: die Orgel als prägende Größe, mit Gewicht und etlicher Farbigkeit. Noch ein anmerkenswertes Detail: Mit den die Christus-Worte umspielenden Streichern schafft Suzuki magisch-stimmungsvolle Momente – die Gethsemane-Szene ist in dieser Hinsicht herausragend.

Insgesamt lässt er das riesige Opus in natürlich mannigfaltigen, in jedem Fall Raum zum Ausmusizieren gewährenden Tempi singen und spielen. Intonatorisch sind 160 Minuten reinster Genuss zu verzeichnen. Artikuliert wird im besten Sinn aus der Sprache heraus: Deren Gestalt und Sinn sind Kern und Zentralmotivation des gesamten Musizierens. Die Akteure gewinnen aus dieser konsequenten Haltung ein großes Portfolio an explizierenden Gesten, an schlüssig-zutreffendem Bach-Geist. Das Klangbild ist maximal strukturklar: Linien und Gewebe werden perfekt nachvollziehbar gemacht, ohne das Gesamtbild zu skelettieren; dazu ist die Szene stimmungsvoll erwärmt.

Eine große Passion, in Substanz und Faktur wie in Deutung und künstlerischer Ambition. Masaaki Suzuki und sein Bach Collegium Japan mit einem veritablen Lebenszeichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    J.S.Bach: Matthäus-Passion: Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599925004


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Bach, Johann Sebastian


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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