> > > Hellinck / Lupi: Motetten, Te Deum, Missa Surrexit pastor bonus: The Brabant Ensemble, Stephen Rice
Sonntag, 31. Mai 2020

Hellinck / Lupi: Motetten, Te Deum, Missa Surrexit pastor bonus - The Brabant Ensemble, Stephen Rice

Unbekannte Stimmen


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein starkes Plädoyer für kaum bekannte Komponisten des frühen 16. Jahrhunderts: Stephen Rice und das Brabant Ensemble folgen einem guten Weg.

Auf ihrer aktuell bei Hyperion erschienenen Platte haben Stephen Rice und sein Brabant Ensemble zwei weithin unbekannten Komponisten eine Stimme gegeben: Zu hören sind die 'Missa Surrexit pastor bonus' von Lupus Hellinck (1493/94-1541), dazu Motetten und ein großes Te Deum von Johannes Lupi (ca. 1506-1539). Beide Namen sind vielleicht selbst interessierten Hörerinnen und Hörern kaum vertraut. Doch muss man sich von dem Gedanken frei machen, dass es in der Blüte der Renaissancemusik, eben zum Beispiel in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, nur eine überschaubare Zahl an gewichtigen Komponisten gegeben hat: Dem war nicht so. Zahlreiche weltliche und geistliche Zentren, die mächtig waren und nach repräsentativer Musik verlangten, hatten einen entsprechenden Bedarf. Neben den strahlenden Fixpunkten der Zeit gab es auch viele regionale Schwerpunkte, die transeuropäisch vielleicht weniger bedeutsam wurden. Dazu war es bei all der erstaunlichen Mobilität jener Tage auch möglich, als praktischer Musiker von Format eine regional verankerte Karriere zu machen.

Erratische Überlieferung

Noch etwas trübt unser Bild: Die Überlieferung, in der Regel lückenhaft oder gar erratisch, kann trügen; mancher Name von eigentlicher Größe scheint uns kleiner, weil nicht genug Werke und Wegmarken überliefert und bekannt sind. Wenn man dann noch die größere Zahl anonym überlieferter Werke dazurechnet und an allfällige Namensverwechslungen – bei der häufigen Übertragung von der einen in die andere Sprache konnte das leicht passieren und war manchem Künstler ein fortgesetztes Ärgernis – denkt, hat man ein ungemein heterogenes Gesamtbild, das nicht mehr viel Raum für die von manchem geliebte Musikgeschichte der Helden übriglässt.

Im Fall unserer beiden ‚kleineren‘ Helden Hellinck und Lupi haben wir es mit Lebensläufen mit wesentlichen Schwerpunkten in Cambrai und Brügge zu tun. Und ausweislich ihrer Musik müssen sie Könner gewesen sein: Es sind sicher gesetzte Kompositionen von klarer Wirkung, mühelos in ihre Zeit und die relevanten Kontexte gestellt. Die Messe ist mit über einer halben Stunde Dauer ausgreifend gebaut und reich binnendifferenziert. Voller und noch wirksamer im Satz scheinen die Motetten, besonders das zweiteilige 'Salve celeberrima virgo' von Johannes Lupi ist ein wahres Meisterwerk. Auch das üppig dimensionierte Te Deum beansprucht Rang.

Vokale Kunst

Das Licht ihrer vokalen Kunst wie ihres musikologischen Vermögens in viele Bereiche der Renaissancemusik zu richten – das ist eins der großen, dauerhaft relevanten Verdienste des Brabant Ensembles und seines Leiters Stephen Rice. Wie tiefgehend informiert hier Repertoire erschlossen wird, wissenschaftlich gerüstet, aber zugleich wahrhaft künstlerisch inspiriert – das ist vorbildlich. Die fünf Damen und vier Herren der Formation lassen die Linien fließen, mit klaren Konturen, auf der Basis plastischer, charakteristischer Register. Dynamisch zeigt sich das Brabant Ensemble – wie alle englischen Pendants in diesem Repertoire – unbedingt bereit und in der Lage, forsche Akzente zu setzen. Doch steht den Vokalisten auch geschmackvolle Kontrolle zu Gebote, mit feinen, durchaus schattigen Wirkungen. Gesungen wird in frischen, alles andere als statischen Tempi; die Intonation gerät unangestrengt auch in affektiv avancierter Geste. Basis der Artikulation sind gut gegliederte, strukturbewusst ausgespannte Linien, die auf die reiche Expertise der Protagonisten verweisen. Das Klangbild trägt das genau richtige Maß von Expansion und Konzentration in sich; der schöne Raumanteil nimmt die Energie des Ensembles überzeugend auf, gibt auch Nuancen die Chance zur Entfaltung. Ein starkes Plädoyer für kaum bekannte Komponisten des frühen 16. Jahrhunderts: Stephen Rice und das Brabant Ensemble folgen einem guten Weg.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Hellinck / Lupi: Motetten, Te Deum, Missa Surrexit pastor bonus: The Brabant Ensemble, Stephen Rice

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571283043


Cover vergössern

Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... Expressivität mit gewissen Balance-Problemen: Piers Lane trumpft in den beiden Klavierquintetten von Bartók und Korngold etwas zu sehr auf, so dass eine nur leicht überdurchschnittliche Interpretation entstanden ist. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Das Beste neben Beethoven: Piers Lane und das Orchestra Now zeigen sich hier nicht nur mit Temperament und Lust an Brillanz als Interpreten erster Güte, sondern rehabilitieren zudem die beiden späten Konzerte von Ferdinand Ries als lange unterschätzte Meisterwerke. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Klagegesänge: Palestrina ist mit seinen Lamentationen für die Karwoche bei Cinquecento in idealen Kehlen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Frisch und kundig: Auch die 30. Folge der Reihe fügt sich würdig ein – möge das schon jetzt hochverdienstvolle Projekt von Rudolf Lutz künstlerisch so inspiriert und durchdacht weitergeführt werden. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Auftakt: Die aktuellen King's Singers singen das kleine Programm frisch, lebendig, leicht und beweglich. Die neuen Arrangements fügen sich nahtlos in die Reihe der Klassiker ein, perlend und süffig. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Höhenmarke: Die zweite Version von Bibers gewaltigem Sonatenwerk, von Gunar Letzbor und Ars Antiqua Austria auf höchstem interpretatorischen Niveau gespielt, reif, reflektiert und gerundet. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Kennst Du Fauré?: Liedbearbeitungen für eine Chorbesetzung ermöglichen Zugang zu unbekanntem Repertoire. Denis Rouger gibt damit nicht nur Vergessenen eine Plattform. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Begegnung mit Fanny und Felix: Auch Folge 10 der hörbiographischen Reihe von BR-Klassik unterstreicht den hohen Wert des bewährten Formats. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Spätromantische Musik neu entdeckt: Das Künstlerduo Ingolffsson-Stoupel gibt einen sehr gelungenen Einblick in das noch nicht so bekannte französische Repertoire aus der Zeit der Belle Epoque. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2020) herunterladen (3000 KByte) Class aktuell (1/2020) herunterladen (4180 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Johann Christoph Graupner: Choral

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich