> > > Georg Friedrich Händel: Opera Arias: Christophe Dumaux, Festspielorchester Göttingen, Laurence Cummings
Samstag, 25. September 2021

Georg Friedrich Händel: Opera Arias - Christophe Dumaux, Festspielorchester Göttingen, Laurence Cummings

Im Sog der Affekte


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit einem Ausnahmekünstler wie Christophe Dumaux und dem dynamischen FestspielOrchester Göttingen unter Laurence Cummings macht so ein Händel-Arien-Konzert durchweg Freude.

Händel-Alben mit Best-Of-Arien gibt es zuhauf für nahezu jede Stimmlage. Das Repertoire ist eigentlich breit genug, um nicht jedes Mal dieselben Nummern auf den Solo-Recitals vorzufinden, und doch muss man sich letztlich damit abfinden, immer wieder beispielsweise 'Lascia ch‘io pianga' oder 'Ombra mai fu' als Zugpferde hinzunehmen. Erfreulich, wenn es einem Album gelingt, ebenso kraftvolle und doch unerhörtere Wege zu beschreiten. Ein solches Album ist dem Countertenor Christophe Dumaux gemeinsam mit dem FestspielOrchester Göttingen unter der Leitung von Laurence Cummings beim Label Accent gelungen. Es handelt sich um einen Konzertmitschnitt vom 24. Mai 2019 bei den Festspielen in Göttingen, der tontechnisch überzeugend eingefangen ist und neben all der musikalischen Raffinesse auch den Nervenkitzel des Unmittelbaren und Unwiederholbaren atmet.

Zwiespältige Figuren

Das Programm überzeugt auf ganzer Linie: Nicht die großen Händel-Schlager stehen im Mittelpunkt, sondern nicht minder starken Arien und Szenen der Anti-Helden, Widersacher oder Mitstreiter aus 'Orlando', 'Rinaldo', 'Ariodante' und 'Teseo', ergänzt durch zwei große Primo-uomo-Nummern aus 'Rodelinda' und 'Giulio Cesare'. Christophe Dumaux ist seit vielen Jahren in 'Ariodante' der Polinesso vom Dienst, hat ungemein viel Rollenerfahrung als Tolomeo in 'Giulio Cesare' und versteht sich überhaupt auf die etwas düsteren, zwiespältigen Figuren in Händels Opern. Die üppige Klangschönheit seines Countertenors sorgt gerade als Polinesso für eine wirkungsvolle Prise Irritation, weil man sich leicht verführen lässt, Ariodantes Widersacher nicht unerhebliche Sympathie entgegenzubringen. So beginnt dieses Händel-Album mit Polinessos 'Dover, giustizia, amor' als programmatische Kampfansage aus dem Schatten der strahlenden Helden heraus. Und sofort ist man gefangen von Dumaux‘ Gestaltung, seiner Phrasierung, den leuchtenden Höhen, der textlichen Durchdringung. Der Sänger verlässt sich nicht auf pure Stimmakrobatik, sondern formt ein leidenschaftliches Porträt. Welche emotionale Tiefe er gleichfalls zu gestalten in der Lage ist, zeigt das darauffolgende Kontrastprogramm: Bertaridos 'Dove sei, amato bene?' aus 'Rodelinda'. Was Dumaux an dunkel schimmerndem Timbre für diese Arie zu fehlen scheint, macht er durch die Intimität und Wahrhaftigkeit seines Vortrags wett. In keinem Moment wünscht man sich einen anderen Interpreten herbei. Aus dem Secondo uomo ist in Sekundenschnelle ein wahrer Primo uomo geworden.

Affekt-Kaleidoskop

Mit bemerkenswerter Wandlungsfähigkeit, perlenden Koloraturen, mühelosen Sprüngen und langem Atem geht es weiter durch das Affekt-Kaleidoskop. In 'Rinaldo' schlüpft Dumaux in die Rolle des Kreuzritter-Politikers Goffredo und hält dem Zuhörer vor Ohren, was so alles in 'Sorge, nel petto' steckt. Höhepunkte von Dumaux Gestaltungskunst sind die drei Arien des emotional durchgeschüttelten Titelhelden aus 'Orlando', deren unterschiedliche Formen und Affekte von Sänger und Dirigent mit viel Liebe zum Detail herausgearbeitet sind. In Giulio Cesares 'Aure, deh, per pietà' wechselt Dumaux vom so oft und unnachahmlich verkörperten Tolomeo zum Titelhelden und macht eine durchweg gute Figur – allein schon sein effektvolles Messa di voce ist betörend. Nach einer weiteren Polinesso-Arie und Egeos 'Voglio stragi, e voglio morte' aus 'Teseo' endet das Konzert mit Rinaldos 'Cor ingrato', wieder ein interpretatorisch erhellender Wechsel zur Titelfigur.

In all den unterschiedlichen Arien ist das FestspielOrchester Göttingen unter Laurence Cummings dem Solisten ein unterstützender und anfeuernder Partner. Cummings setzt auf Eleganz und Durchsichtigkeit, aber ebenso auf dramatisch theatrales Feuer, das nicht im Schönklang steckenbleibt. Wie herrlich das FestspielOrchester klingt, wenn es selbst zum Protagonisten wird, verdeutlicht das im Zentrum des Albums platzierte Concerto grosso Nr. 8, HWV 326, dessen Adagio mit seiner motivisch-melodischen Verwandtschaft zu Cleopatras 'Piangerò la sorte mia' aus 'Giulio Cesare' klug zur darauffolgenden Cesare-Arie überleitet. So macht ein Händel-Arien-Konzert durchweg Freude.

Interpretation:
Klangqualität:
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Booklet:





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    Georg Friedrich Händel: Opera Arias: Christophe Dumaux, Festspielorchester Göttingen, Laurence Cummings

Label:
Anzahl Medien:
Accent
1
Medium:
EAN:

CD
4015023264137


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Händel, Georg Friedrich


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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