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Montag, 4. Juli 2022

Orgelwerke von Max Reger - Anton Heiller, Orgel

Wieder aufgelegt


Label/Verlag: Ambiente Audio
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label Ambiente beginnt mit seiner Anton-Heiller-Retrospektive.

Unter den österreichischen Organisten des 20. Jahrhunderts gehört Anton Heiller (1923–1979) zu den legendärsten. Nicht nur war er an der Musikhochschule Wien Lehrer u. a. von Peter Planyavsky, Michael Radulescu oder Roman Summereder, auch langjährige Lehrtätigkeit an der Haarlemer Orgelakademie machte ihn auch europaweit zu einer anerkannten Instanz. Rechtzeitig vor dem Zentenarium beginnt nun die Veröffentlichung von Heillers diskografischem Nachlass – wenn auch keineswegs mit einer CD-Premiere, wie die vorliegende CD behauptet: Die keine 45 Minuten lange Erato-Platte mit Reger-Aufnahmen von der Marcussen-Orgel des Linzer Doms vom April 1972 ist bereits in der 2016 zum Reger-Jahr von Warner Classics vorgelegten preisgünstigen Reger Centenary Collection wiederveröffentlicht worden.

Am rechten Platz

Heillers Reger ist von klassischer Klarheit, die große viermanualige Marcussen-Orgel von 1968 gehört eben nicht jenem Typ der Romantischen Orgel an, die heute wieder häufig bei Reger Verwendung findet; vielmehr verfügt das Linzer Instrument ganz zeittypisch über ausgesprochen stählerne Strahlkraft, die an passender Stelle fast überwältigend sein kann, gleichzeitig aber auch über diverse zeittypische Flötenregister. Man bewundert Heillers mirakulöse Raffinesse, mit der er etwa die Choralphantasie über 'Wachet auf, ruft uns die Stimme' op. 52 Nr. 2 mittels sukzessiver Registerzunahme erstehen lässt. Gleichzeitig wirkt die Werkgestalt unmittelbar und leicht fasslich, architektonisch ist alles ganz am rechten Platz.

Harmonischer Reichtum

In der von Reger autorisierten Fassung von Phantasie und Fuge d-Moll op. 135b spielt Heiller die harmonischen Feinheiten gekonnt aus, ist aber formtechnisch vielleicht nicht ganz so überzeugend wie in der Choralphantasie – über die eine oder andere agogische Verzögerung, die dem Werk stärker rhapsodischen Charakter gibt, könnte man diskutieren; auch nutzt er nicht ganz das dynamische Spektrum, das die Komposition hergibt. Auffallend aber ist die große Präsenz, die das Quasi-BACH-Viertonmotiv der Komposition bei ihm durchgängig besitzt. Ergänzt werden diese beiden ‚großen Brocken‘ durch zwei Stücke aus den 'Zwölf Orgelstücken' op. 59 – der kurzen Pastorale F-Dur Nr. 2 und dem Benedictus Nr. 9. In beiden Stücken kommen die architektonische Form und der harmonische und modulatorische Reichtum Regers bestens zur Geltung.

Die Unterschiede zwischen beiden Masterings von Ambiente und Warner sind insgesamt eher zu vernachlässigen und vermutlich eher subjektiv (in der Warner-Box spielt Heiller u. a. neben Lehrndorfer, Germani und Bossert). Wer also schon die Reger-Box hat, braucht die Neuveröffentlichung nicht, und der echte Heiller-Fan mag auf die Warner-Ausgabe verzichten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Orgelwerke von Max Reger: Anton Heiller, Orgel

Label:
Anzahl Medien:
Ambiente Audio
1
Medium:
EAN:

CD
4029897040018


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Reger, Max


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