> > > Detlev Glanert: Oceane: Deutsche Oper Berlin, Donald Runnicles
Montag, 21. September 2020

Detlev Glanert: Oceane - Deutsche Oper Berlin, Donald Runnicles

Aus Gischt und Wellen


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hoffentlich finden sich einige Opernhäuser, die 'Oceane' zeitnah auf den Spielplan setzen. Es lohnt sich.

Die Opern Detlev Glanerts erreichen ihr Publikum, und das seit vielen Jahren. Sie erleben in der Regel mehr Produktionen als nur ihre Uraufführung, überzeugen durch starke Libretti und Glanerts fantasievolle Musiksprache, die sich der großen Operntradition nicht verschließt, sie vielmehr selbstbewusst fortführt. Glanert ist auch ein wahrer Theaterpraktiker, der um die Gesetzmäßigkeiten der Bühne beziehungsweise des gesamten Theaterapparates weiß. Seine aktuellste Opern-Uraufführung gab es im April 2019 an der Deutschen Oper Berlin zu bestaunen: 'Oceane' – auf einen Text von Hans-Ulrich Treischel nach der unvollendeten Novelle von Theodor Fontane.

In gleicher Weise, wie sich die Deutsche Oper Berlin um zeitgenössisches Musiktheater bemüht, zeigt das Label Oehms, wo eine Livemontage der 'Oceane' als Doppel-CD erschienen ist, Flagge und veröffentlicht mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit einige der neuesten Opern auf Tonträger. Das Risiko, dass diese Veröffentlichungen vielleicht nicht die größten Verkaufsschlager werden dürften, geht das Label ein. Auf diese Weise mischen sich endlich einmal Opern von Scartazzini, Glanert, Reimann und anderen mit einer Regelmäßigkeit unter die zahlreichen Wiederauflagen und Dauerbrenner, dass es dem interessierten Käufer bereits auffallen muss. Und Oehms steht für Qualität – das schafft Vertrauen. Und so liegt hoffentlich auch bald Glanerts 'Oceane' zwischen dem 'Bohème'-Gelegenheitskauf und einer historischen 'Zauberflöte' auf dem Ladentresen.

Herrliche Musik

Denn 'Oceane' ist eine kraftvolle Oper, suggestiv, emotional, voll von herrlicher Musik und starken Partien für ein typisches Ensemble. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau namens Oceane, deren Herkunft im Dunkeln bleibt, die unfähig ist, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Auf der anderen Seite hat die engstirnige Gesellschaft nur Unverständnis für die geheimnisvolle Frau übrig. Viele Elemente der Erzählung erinnern an die romantischen Melusinen-, Rusalken- und Meerjungfrauen-Themen und zugleich kommt dem Zuhörer Benjamin Brittens 'Peter Grimes' ins Gedächtnis, jener Außenseiter, der sein Schicksal schließlich im Meer findet.

Wie auch Britten macht Detlev Glanert das Meer zu einem musikalischen Protagonisten. Hier hört man die Gischt, die Wellen, das abgrundtief Schwarze kristallisiert zu Klang, der Sog zieht den Hörer mit sich fort. Schon der Beginn ist ein effektvoll genialer Kunstgriff: Aus dem Nichts erklingt eine Sopranstimme – Oceane – die wortlos lockend im Nichts zu schweben scheint. Langsam mischt sich ein anschwellender Chorsatz hinzu, das romantisch instrumentierte Orchester steigert die Meeresmusik zu einem ersten Höhepunkt. In anderer Reihenfolge wird die Oper enden: Oceane verklingt im Meer.

Berührend und befremdlich

Maria Bengtsson wirft sich mit Leidenschaft und kristallinem Sopran in die Gestaltung der rätselhaften Titelfigur. Ihrem Sopran entlockt sie dabei kühle, entseelte Töne, aber ebenso warm glühende Passagen, die bei aller Befremdlichkeit zutiefst berühren. An ihrer Seite hat Nikolai Schukoff eine Paraderolle als Martin von Dircksen gefunden. Als unbeholfen Liebender besitzt er die passgenaue Mischung aus kernigem Timbre und einer Eleganz, die nichts Säuselndes hat. Die glasklare Artikulation beider Protagonisten macht ein Mitlesen des abgedruckten Librettos nahezu unnötig. Ebenso stark sind Madame Louise und Pastor Baltzer mit einer vokal bestens disponierten Doris Soffel und Albert Pesendorfer besetzt. Soffel ist ein Stimmwunder, eine Charakterdarstellerin, die mit einem einzigen Satz den Kosmos ihrer Bühnenfigur entstehen lassen kann. Das unverwechselbare Timbre und ihr Umgang mit Sprache und Komposition machen ihre Madame Louise zu einem Kabinettstück. Albert Pesendorfer trumpft bassgewaltig als seelisch rabenschwarzer Pastor auf – ein effektvolles Gegenstück zur lichten und nicht greifbaren Oceane.

Den Georg gibt Stephen Bronk mit stimmstarken Akzenten. Nicole Haslett ist eine herrlich soubrettige und Intervallsprung-sichere Kristina, während Christoph Pohl mit ausgeglichenem Bariton für geerdete und ruhigere Momente sorgt. Der Chor der Deutschen Oper Berlin in der Einstudierung von Jeremy Bines ist schlicht hinreißend. Am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin erweist sich Donald Runnicles als genau der Richtige, um Glanerts Stilzitate, Klanggewalten und vielschichtige Schönheiten in ihrer Architektur und Emotionalität erfahrbar zu machen. Hoffentlich finden sich einige Opernhäuser, die 'Oceane' zeitnah auf den Spielplan setzen. Es lohnt sich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Detlev Glanert: Oceane: Deutsche Oper Berlin, Donald Runnicles

Label:
Anzahl Medien:
OehmsClassics
2
Medium:
EAN:

CD
4260034869851


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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