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Sonntag, 1. August 2021

Flute Concertos - Clara Andrada, Frankfurt Radio Symphony Orchestra, Jaime Martin

Drei Edelsteine für die Flöte


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Drei sehr schöne Flötenkonzerte aus dem mittleren 20. Jahrhundert in höchst gelungenen Interpretationen: Clara Andrada und das hr-Symphonieorchester Frankfurt brillieren mit Nielsen, Ibert und Arnold.

Jenseits der beiden ‚Dauerbrenner‘ von Mozart ist das Repertoire an Flötenkonzerten recht überschaubar. Zwar wurden bis in die neueste Zeit viele Konzerte komponiert, doch nur sehr wenige werden regelmäßig aufgeführt. Eines davon stammt von Carl Reinecke (sein op. 283), das, obwohl im Jahr 1909 entstanden, noch ganz dem romantischen Ton verpflichtet ist. Ein anderes schrieb 1926 Carl Nielsen, es zählt nach den Symphonien des dänischen Tondichters zu seinen beliebtesten Werken. Die spanische Flötistin Clara Andrada koppelt auf dieser bei Ondine erschienenen CD das letztgenannte Stück mit zwei weiteren Konzerten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts: Demjenigen von Jacques Ibert (1934) und dem 1954 entstandenen ersten Flötenkonzert (für Flöte und Streichorchester) des Engländers Malcolm Arnold. Andrada wird vom Frankfurter hr-Symphonieorchester unter Jaime Martín begleitet, in Arnolds Konzert agiert sie in einer Doppelfunktion als Solistin und Dirigentin.

Allerhöchste Qualität

Nielsens Konzert besteht aus zwei Sätzen, verzichtet also auf den ‚klassischen‘ langsamen Satz. Das lyrisch-melodische Element kommt in dem Werk aber dennoch nicht zu kurz, trotz seines prinzipiell herben Tones. Die Flöte dominiert nach der kurzen Orchestereinleitung durchgehend, es ist also kaum angemessen, von einem ‚symphonischen‘ Konzert zu sprechen (was angesichts der Bedeutung des Symphonikers Nielsens zumindest denkbar wäre). Die Vorzüge von Andradas Flötenspiel kommen in beiden Sätzen hervorragend zur Geltung: Ob in den einleitenden Girlanden oder dem rasanten Dialog mit der Posaune, stets agiert sie glänzend und mit hoher technischer Souveränität. Nielsens transparente Orchesterschreibweise, aber auch Martíns sensibles Dirigat sorgen dafür, dass ein Zudecken der Solistin durch das Orchester unterbleibt. Die Flöte kann so gleichsam über dem Orchester schweben, es entsteht der Eindruck eines spontanen, rhapsodisch wirkenden Spiels von allerhöchster Qualität. Trotz der (in diesem Fall) recht hohen Konkurrenz kann sich Andradas Nielsen-Aufnahme in allen Punkte behaupten.

Iberts Konzert ist nicht ganz so beliebt, aber doch immerhin gelegentlich zu hören. Das Werk hat die üblichen drei Sätze und ist mit 20 Minuten Spieldauer ähnlich kompakt angelegt wie das Nielsen-Konzert. Die genannten Vorzüge von Andradas Spiel gelten auch hier ohne Einschränkungen: Sie bewältigt die technischen Herausforderungen mühelos, verfügt über eine bemerkenswerte Gestaltungskraft und muss niemals forcieren, auch nicht in den von Martín relativ flott angegangenen Ecksätzen. Die Balance zwischen Flöte und Orchester ist gut, wenn auch nicht so gut wie in Nielsens Konzert. Das eine oder andere Mal scheint mir Iberts Schreibweise doch etwas zu dicht, die ‚luftigen‘ Klangwirkungen aus dem Konzert des Dänen gelingen ihm nicht in gleicher Weise. Insgesamt ist das Werk dennoch eines der besseren Flötenkonzerte seiner Zeit, zumal wenn sich eine so exzellente Interpretin wie Andrada des Stückes annimmt.

Brillant in jeder Hinsicht

Malcolm Arnold stellt der Solistin ein reines Streichorchester gegenüber, so dass Balance-Probleme kaum entstehen können. Die relativ kurze, unproblematische Komposition des Engländers, der 2021 hundert Jahre alt geworden wäre, bietet alles, was sich ein versierte Solistin wünschen kann: Rasantes Passagenwerk, virtuose Figurationen und dazwischen ein beinahe romantisch schmachtender langsamer Satz mit lyrischen Entfaltungsmöglichkeiten. Andrada lässt sich nicht zweimal bitten und brilliert in jeder Hinsicht, so dass man sogar die oft relativ simplen Begleit-Figurationen der Streicher verschmerzen kann. Als höchst gelungenes ‚Sahnehäubchen‘ nach den beiden eher schwergewichtigen Nielsen- und Ibert-Stücken beschließt Arnolds Werk diese in mehrfacher Hinsicht erfreuliche CD. Sie ist nicht nur für Flöten-Fans empfehlenswert, sondern für jeden Hörer, der das Solokonzert ganz allgemein schätzt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Flute Concertos: Clara Andrada, Frankfurt Radio Symphony Orchestra, Jaime Martin

Label:
Anzahl Medien:
Ondine
1
Medium:
EAN:

CD
761195134023


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Arnold, Malcolm
Ibert, Jacques
Nielsen, Carl August


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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