> > > Paul Moravec: Sanctuary Road: Oratorio Society of New York, Kent Tritle
Donnerstag, 29. Oktober 2020

Paul Moravec: Sanctuary Road - Oratorio Society of New York, Kent Tritle

Ein Oratorium in Gedenken an die Sklaverei


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Paul Moravecs Oratorium 'Sanctuary Road' zeichnet musikalisch die Fluchtschicksale von Sklaven nach.

Der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Komponist Paul Moravec, 1957 in Buffalo geboren, setzt sich auf seiner zweiten CD mit der Geschichte der Afroamerikaner in den USA auseinander (in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Mark Campbell). 'Sanctuary Road' basiert auf William Stilles 'The Underground Railroad', Texte, die dokumentieren, wie Sklaven Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts über Geheimrouten und -verstecke nach Kanada oder andere freie Staaten flüchteten. Dass Moravec diesen Aspekt der Sklavengeschichte als Oratorium präsentiert, erhöht die Fakten ins Religiös-Spirituelle. Entstanden ist ein hochdramatisches Chorwerk mit fünf SolistInnen, die in ihren Partituren exemplarisch Mut und Entschlossenheit, Todes- und Freiheitskämpfe einzelner Sklaven lebendig werden lassen, wobei durch den afroamerikanischen Hintergrund der SängerInnen die Authentizität dieser Sklavensaga noch verstärkt wird.

Laquita Mitchell (Sopran), Raechann Bryce-Davis (Mezzosopran), Joshua Blue (Tenor), Malcolm J. Merriweather (Bariton) und Dashon Burton (Bassbariton) ergänzen sich stimmlich in den unterschiedlichen Tonlagen vorzüglich, was den insgesamt harmonischen Charakter von Moravecs Musik zusätzlich unterstreicht. ‚Ich versuche immer, schöne Dinge zu machen‘, sagt er selbst über sein künstlerisches Schaffen, das bereits über 100 Werke quer durch unterschiedlichste Genres zählt, von der Kammermusik über Filmmusik bis zur Oper und jetzt zum Oratorium. Den Solisten und dem Chor und Orchester des Oratorio Society of New York gelingt unter dem Dirigat von Kent Tritle eine überaus spannungsvolle Interpretation von Moraves Oratorium, aufgenommen bei der Uraufführung in der Carnegie Hall.

Das Leid der Sklaven

'Sanctuary Road' ist in 10 nahtlos ineinander übergehende Kapitel gegliedert, in denen die Flucht kein Verweilen kennt. Der Appell 'Run' wird zum Leitmotiv. Dazwischen leuchten einzelne Lebenswege auf. 'Write it' mahnt der Autor William Still immer wieder mit warm durchglühter Stimme als Sprecher, verwoben mit den Solisten und Chor, die in weich fließenden Melodien das Leid der Sklaven beklagen und durch ihre sehr warm durchglühten Timbres dieses Leid emotional nachfühlen lassen. Im Forte des Chores und der Schlagwerke wird das rasante Tempo von 'The Same Train' hörbar. Mezzosopranistin Raehann Bryce-Davis singt zwischen Angst und Hoffnung die Rolle einer Sklavin als weiß verkleideter Gentleman in dem Wissen, dass sie den Mann, den sie liebt und in einem anderen Abteil mitreist, bald in Freiheit heiraten wird.

Düster wirken dazwischen die 'Interview'-Passagen William Stills über die schlechte Behandlung der Sklaven, gesungen von Bariton Malcolm J. Merriweather. In 'This Side Up' nimmt ein Sklave lieber in einer Kiste 26 Stunden lang versteckt das Risiko des Todes auf sich, als auf die Chance auf Freiheit zu verzichten. 'I Waited' macht alle Hoffnung zunichte und verweist mit himmlischen Chorgesang auf Erlösung durch Gott. Und wieder heißt es
'Run' und dokumentiert ein weiteres 'Interview' das Leid einer Sklavin. Sopran und Mezzosopran erzählen hochdramatisch das Schicksal der toten Tante Abdigail, vom vibrierenden Impuls der Bläser und Geiger spannungsreich intensiviert. Immer schneller, bedrohlicher, apokalyptischer wird der Appell 'Run' durch die zunehmende Wucht der orchestralen Instrumentierung und tenorale und chorische Vehemenz. Es gilt nach vorne, auf die Helfer zu schauen, die von den Solisten im 'Interview III' in schönen Klangfarben gesungen, untermalt von Flöten und Geigen, die Hoffnung geben. In glühenden Höhen, langgezogenen Tönen, mit umschmeichelndem Orchesterklang wird nahende Freiheit im Schatten der Nacht in 'Rain' als visionäres Happy-End spürbar, um dann doch durch ein orchestrales 'Interlude' in den düstersten Farben unterzutauchen. Wieder wird die Hoffnung zu Grabe getragen. Erst im 'Finale' erheben sich im Gedenken der schrecklichen Sklavenschicksale die Stimmen der Überlebenden zusammen mit dem Chor zu einem feierlich getragenen Jubelgesang der Freiheit.

Dass dann noch eine Collage von Interviews folgt, die im Anschluss die Fakten rund um das Thema 'Underground Railway' reflektiert, holt das eindrucksvolle Oratorium auf den Boden eines alltäglichen Features. Das ist realistisch, nimmt aber dem Oratorium die spirituelle Aura.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Paul Moravec: Sanctuary Road: Oratorio Society of New York, Kent Tritle

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
636943988428


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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