> > > Mieczyslaw Weinberg: Voices in the wilderness: Raphael Wallfisch, Kristiansand Symphony Orchestra, Lukasz Borowicz
Freitag, 10. Juli 2020

Mieczyslaw Weinberg: Voices in the wilderness - Raphael Wallfisch, Kristiansand Symphony Orchestra, Lukasz Borowicz

Cello-Klagegesänge


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese drei Werke für Violoncello und Orchester aus der Feder von Mieczyslaw Weinberg befinden sich bei Raphael Wallfisch und Lukasz Borowicz in den besten Händen.

Mit Staunen blickt der geneigte Musikfreund auf das gigantische Repertoire von Raphael Wallfisch. Der englische Cellist hat Konzerte (vor allem) des 19. und 20. Jahrhunderts eingespielt, von deren Existenz oft nicht einmal Fachleute etwas wussten. Karl Weigl, Berthold Goldschmidt, Paul Ben-Haim, Hans Gal... die Liste kann unmöglich vollständig sein. Viele dieser Tondichter sind beinahe oder vollkommen in Vergessenheit geraten. Etwas besser sieht es da mit der Rezeption desjenigen Komponisten aus, dem Wallfischs neues CD gewidmet ist: Mieczysław Weinberg. Der 1919 geborene und 1996 verstorbene Pole hat vor allem im vergangenen Jahr, in dem er 100 Jahre alt geworden wäre, viel Aufmerksamkeit erfahren. Fast alle seine Symphonien und Streichquartette – jeweils ein beachtlicher Korpus – und seine Instrumentalkonzerte sind mittlerweile auf Tonträger erhältlich. Für Violoncello und Orchester schrieb Weinberg ein (klein besetztes) Concertino, das (deutlich größer dimensionierte) Konzert op. 43 und die Fantasie op. 52. In allen drei Werken wird Wallfisch vom Kristiansand Symphony Orchestra unter Łukasz Borowicz begleitet.

Lyrische Entfaltungskraft

Vor allem im zu Lebzeiten nicht aufgeführten Concertino (daher auch die Opus-Nummer 43bis) ist das Streichorchester tatsächlich nur ein Begleiter des Solisten, der fast pausenlos im Vordergrund steht und in erster Linie seine kantablen Fähigkeiten präsentieren kann. Wie bei Wallfisch kaum anders zu erwarten, entspricht er diesen Anforderungen vollauf; seine lyrische Entfaltungskraft ist so groß und vielfältig, dass er die gewisse Gleichförmigkeit zwischen den ersten beiden Sätzen mühelos überspielen kann. Das Adagio an erster Stelle wirkt eher wie eine Einleitung zum folgenden 'Moderato espressivo', ein ‚klassischer‘ Kopfsatz scheint zu fehlen; beschlossen wird das Concertino von einem fulminanten 'Allegro vivace'. Die in diesem Werk wirklich nicht besonders virtuosen Begleit-Aufgaben werden von den Orchestermusikern routiniert absolviert, der Fokus – auch der des Klangbildes – liegt klar auf Wallfisch. Eine kluge Entscheidung, denn so klar wie hier steht ein Solist nur selten im Vordergrund. Technische Klasse und enorme Gestaltungskraft des Solisten bilden die wesentlichen Bausteine für eine gelungene Interpretation eines – im Vergleich zu den beiden anderen hier zu hörenden Stücken – allerdings eher mittelprächtigen Stückes. Dies mag auch daran liegen, dass das Concertino (wie Danuta Gwizdalanka im Beiheft schreibt) ursprünglich wohl eher ‚für die Schublade‘ komponiert und erst 2017 uraufgeführt wurde.

Technisches Feuerwerk

Von gänzlich anderem Zuschnitt – großes Orchester, höherer virtuoser Anspruch, längere Dauer – ist das Konzert op. 43, das 1957 von Rostropowitsch aus der Taufe gehoben wurde. Muss man sonst bei Vergleichen zwischen Weinberg und seinem Freund und Mentor Schostakowitsch vorsichtig sein, so liegen die Parallelen in diesem Fall wirklich auf der Hand. Die viersätzige Form mit einem langsamen Adagio zu Beginn erinnert ähnlich deutlich an Schostakowitschs Violinkonzert wie die vertrackte Kadenz vor dem Finalsatz. Auf diese Punkte hat schon David Fanning in seiner nach wie vor unübertroffenen Biographie über den Komponisten hingewiesen. Wallfisch, der seine cellistischen Fähigkeiten hier deutlich besser als im Concertino präsentieren kann, lässt sich nicht zweimal bitten und entfaltet – vor allem in den letzten beiden Sätzen – ein wahres technisches Feuerwerk, während in den ersten beiden Abschnitten auch viel Platz für jenen oft klagend-resignativen Gesang bleibt, der in vielen Werken des Komponisten zu finden ist. Das nun deutlich intensiver beschäftigte Orchester schließt nahtlos an dieses hohe Niveau an und scheint auch klanglich eine Spur weiter nach vorne gezogen worden zu sein; insgesamt dominiert aber immer noch Wallfischs nobel-elegischer Ton. Es ist so eine großartige Interpretation eines erstklassigen Cellokonzertes entstanden, das es verdient hätte, ähnlich oft wie die beiden Schostakowitsch-Konzerte gespielt zu werden.

Und die Fantasie? Ursprünglich für Violoncello und Klavier komponiert, hält sie über weite Strecken das hohe Niveau des Konzertes, auch wenn der streckenweise fast heitere Tonfall gegenüber dem tiefen Ernst des Konzertes einen deutlichen Kontrast darstellt. Wallfisch und Borowicz erweisen sich auch hier als eingespieltes Team und nutzen die bisweilen den populären Ton streifenden Melodien als Vehikel für ihr eminentes musikalisches Können. Angesichts einer Dauer von 17 Minuten mag man da auch die eine oder andere Länge verzeihen. In jedem Fall bildet die Fantasie den gelungenen Abschluss einer Weinberg-CD, mit der Wallfisch an das hohe Niveau seiner ersten Veröffentlichung mit Cellomusik jüdischer Komponisten anknüpft, die von den Nazis ins Exil gezwungen wurden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mieczyslaw Weinberg: Voices in the wilderness: Raphael Wallfisch, Kristiansand Symphony Orchestra, Lukasz Borowicz

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203523429


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Weinberg, Mieczyslaw
 - Cello Concerto op.43 - Adagio
 - Cello Concerto op.43 - Moderato
 - Cello Concerto op.43 - Allegro
 - Cello Concerto op.43 - Allegro
 - Fantasy op.52 -
 - Concertino op.42 bis - Adagio
 - Concertino op.42 bis - Moderato espressivo
 - Concertino op.42 bis - Allegro vivace


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Dirigent(en):Borowicz, Lukasz
Orchester/Ensemble:Kristiansand Symphony Orchestra
Interpret(en):Wallfisch, Raphael


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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