> > > Schtschedrin, Rodion: Carmen-Suite: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Donnerstag, 6. August 2020

Schtschedrin, Rodion: Carmen-Suite - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Russische Carmen und römische Impressionen


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die erste CD-Veröffentlichung nach dem Tod von Mariss Jansons bietet zwei orchestrale Leckerbissen auf höchstem Niveau.

Ein bisschen Wehmut überkommt einen beim Anhören dieser CD, auf der Mariss Jansons mit seinem Symphonischen Orchester des Bayerischen Rundfunks Werke von Rodion Schtschedrin (*1932) und Ottorino Respighi (1879-1936) dirigiert. Denn es ist die erste nach dem Tod des weltweit verehrten Maestros am 30. November 2019. Veröffentlicht wurde sie von BR-Klassik inmitten der Feierlichkeiten rund um den 10. Geburtstag des Labels, dessen Zugpferd Jansons auch war. Weitere sind noch angekündigt, darunter die von ihm besonders geliebten 'Vier letzten Lieder' von Richard Strauss mit Diana Damrau. Die besprochene Aufnahme kombiniert zwei Münchner Konzertmitschnitte. Schtschedrins 'Carmen-Suite' dirigierte Jansons anlässlich des 85. Geburtstags des Komponisten im November 2017, Respighis 'Pini di Roma' im Mai 2019.

Verfremdung

Die 'Carmen-Suite' komponierte Schtschedrin 1967 nach Motiven aus Bizets Oper für seine Frau, die Primaballerina Maja Plissezkaja. Sie kreierte das Ballett am Bolschoi-Theater Moskau, wo es wegen der angeblichen Sexualisierung der Titelfigur und der Verunglimpfung der Originalpartitur sofort nach der Uraufführung abgesetzt wurde. Einen weltweiten Erfolg konnte die sowjetische Kulturbehörde damit nicht verhindern; die Carmen wurde zu einer der wichtigsten Partien der Plissezkaja, die sie noch mit über 60 Jahren tanzte. Das 45-minütige Ballett destilliert vorwiegend Themen aus 'Carmen', hinzu kommt Musik Bizets aus der zweiten 'L’Arlésienne-Suite' und 'La jolie fille de Perth'. Die Melodien sind bekannt, doch verfremdet Schtschedrin sie durch eine ungewöhnliche Orchestrierung, die nur aus Streichern und 47 Schlaginstrumenten besteht, und durch veränderte Rhythmen. In dieser Form erscheint 'Carmen' in einem völlig neuen Licht.

Die darauffolgende sinfonische Dichtung 'Pini di Roma' von Ottorino Respighi, dem Mittelstück aus dem Zyklus 'Römische Trilogie', bildet einen starken Kontrast zur Ballett-Suite. Der italienische Komponist fährt in dem monumentalen Orchesterwerk von 1924 ein Kaleidoskop an Klangfarben und Effekten auf, das unterschiedliche Plätze in der von Pinien geprägten italienischen Metropole naturalistisch ausmalt.

Präzision und Hingabe

Jansons Interpretation beider Stücke zeigt nochmals eindringlich seine Kunst, Präzisionsarbeit mit musikalischer Hingabe zu vereinen. Bei Schtschedrin verbindet er instrumentale Finesse mit rhythmischer Schärfe und tänzerischer Energie. Bei Respighi entsteht unter seinen Händen ein musikalisches Breitwandgemälde, das sich unaufhaltsam und in nicht nachlassender Intensität bis zur opulenten Apotheose steigert. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks reagiert mit spielerischer Brillanz auf die Vorgaben seines Chefdirigenten.

Die technisch makellose Aufnahme, der zwei informative Werkanalysen beigegeben sind, reiht sich in die zahlreichen meisterlichen Tondokumente von Mariss Jansons würdig ein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schtschedrin, Rodion: Carmen-Suite: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
31.12.2019
066:09
2017
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001839
900183


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Respighi, Ottorino
Schtschedrin, Rodion


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"RODION SCHTSCHEDRIN: CARMEN-SUITE OTTORINO RESPIGHI: PINI DI ROMA Zwei berühmte Orchesterwerke, die im 20. Jahrhundert entstanden sind, aber jeweils den Geist der Musik des 19. Jahrhunderts atmen, sind auf dieser neuen CD von BR-KLASSIK zu hören: die 1968 von Rodion Schtschedrin meisterhaft arrangierte und weiterentwickelte Ballettmusik „Carmen-Suite“ nach den berühmten Melodien aus George Bizets gleichnamiger Oper und Ottorino Respighis bekannte symphonische Dichtung „Pini di Roma“ (Die Pinien von Rom) von 1924. Der russische Komponist und Pianist Rodion Schtschedrin war sein Leben lang eifrig und kreativ tätig (der 1932 geborene Musiker lebt und arbeitet hochbetagt in seiner Vaterstadt Moskau); er schuf mehrere Opern und Ballette, Orchesterwerke, Konzerte und Klaviermusik. In Russland ist er und sind seine Werke bestens bekannt; im Westen wird sein Name mit der seit ihrer Uraufführung ungemein beliebten „Carmen-Suite“ verbunden, die sich im Konzertsaal ebenso wie auf der Ballettbühne fest etablieren konnte. Die dreizehn Sätze der Ballettmusik für Streichorchester und Schlaginstrumente nehmen die Bizetschen Opernmelodien aus dem Jahre 1875 als Grundlage und geleiten sie behutsam in die musikalische Sprache unserer Zeit. Nachdem Schtschedrins Ehefrau Maja Plissezkaja, langjährige Primaballerina des Moskauer Bolschoi-Theaters, vergeblich bei Schostakowitsch und Chatschaturjan wegen eines ihr auf den Leib geschriebenen „Carmen“-Balletts angefragt hatte, machte sich ihr Mann daran – eine Entscheidung, die der internationale Erfolg belohnte. Die mitreißende Musik klingt in Schtschedrins Deutung wohlbekannt – und gleichzeitig so, als würde man sie zum allerersten Mal hören! Ottorino Respighi war ein angesehener italienischer Komponist, der Opern, Ballette und Instrumentalmusik schuf, der aber stets ein wenig darunter litt, dass er zwar uneingeschränkt als meisterhafter Orchestrator und Instrumentator geschätzt wurde, dass seine Kompositionen aber nicht jene größere Popularität erreichten, die ihnen zustehen sollte. Die symphonischen Dichtungen seiner „Römischen Trilogie“, die sich mit den Brunnen, Pinien und Festlichkeiten seiner Wahlheimat Rom beschäftigen, wurden jedoch weltbekannt und haben seinen Namen unsterblich gemacht. Nach den plätschernden „Fontane die Roma“ von 1916 beschreibt Respighi in seinen acht Jahre später entstandenen „Pinien“ vier Orte der Ewigen Stadt – und zwar vor verschiedenem historischem Hintergrund: Unter den Pinien der Villa Borghese spielen Kinder; aus einer Katakombe dringt ein feierlicher Hymnus; auf dem Janiculum wiegen die Pinien in klarer Vollmondnacht ihre Wipfel und in den Zweigen singt eine Nachtigall; aus dem Morgennebel an der Via Appia schließlich ist der Rhythmus zahlloser Schritte zu hören: ein Konsul naht mit seinem Heer, um im Triumph aufs Kapitol zu ziehen. Die Aufnahmen der beiden Orchesterwerke mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung deines Chefdirigenten Mariss Jansons wurden bei Konzerten im November 2017 in der Philharmonie im Gasteig (Schtschedrin) und ganz aktuell in Mai 2019 im Herkulessaal der Münchner Residenz (Respighi) mitgeschnitten. Rodion Schtschedrin: Carmen-Suite Ballettmusik für Streichorchester und Schlaginstrumente Live-Aufnahme: München, Philharmonie im Gasteig, 3.–17.11.2017 Ottorino Respighi: Pini di Roma Symphonische Dichtung für Orchester Live-Aufnahme: München, Herkulessaal der Residenz, 15.–17.05.2019 Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Mariss Jansons, Dirigent "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 150 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm konnte der Bayerische Rundfunk einen erfolgreichen, externen Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Spotify u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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