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Montag, 6. April 2020

Nikolai Tcherepnin: Narcisse et Echo op.40 - Bamberger Symphoniker, Lukasz Borowicz

Impressionistischer Ballettzauber


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lukasz Borowicz und die Bamberger Symphoniker entdecken mit Nicolai Tcherepnins 'Narcisse et Echo' ein Ballettjuwel abseits des Standardrepertoires.

Als die legendären Ballets russes 1909 erstmals in Paris auftraten und dort wie eine Bombe einschlugen, gehörte der Einakter 'Le Pavillon d’Armide' von Nikolai Tcherepnin zum Eröffnungsprogramm der Truppe. Der Erfolg war so groß, dass der Impresario Serge Diaghilev bei dem Komponisten ein weiteres Werk für die Balletttruppe in Auftrag gab. 1911 fand in Monte Carlo die Premiere von 'Narcisse et Echo' statt, die Choreographie kreierte Michail Fokin, den Narcisse tanzte der Superstar Nijinsky. Und auch dieses Ballett geriet zum Triumph und wurde bei den Gastspielen der Ballets russes weltweit gezeigt.

Beide Male stand Tcherepnin selbst am Pult. Überhaupt war der 1873 in St. Petersburg geborene Schüler von Nikolai Rimsky-Korsakov, der seine Karriere als Opern- und Konzertdirigent begonnen hatte und auch als Lehrer, unter anderem von Sergei Prokofiev, wirkte, einer der prägenden Künstler in der Anfangszeit des Tanzensembles, ganz abgesehen von seiner persönlichen Verflechtung: er heiratete die Tochter des Ausstatters Alexandre Benois.

Doch dann kam Stravinsky und im Vergleich mit dessen bahnbrechender Trilogie 'Der Feuervogel', 'Petruschka' und vor allem 'Le Sacre du Printemps' gerieten Tcherepnins Partituren ins Hintertreffen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Was sich auch auf dem Tonträger-Markt widerspiegelt. Das umfangreiche Gesamtwerk des Komponisten ist nur ansatzweise dokumentiert, es existieren aber immerhin Aufnahmen von den beiden Balletten, von 'Narcisse et Echo' seit kurzem sogar zwei.

Wunderwerk an Klangfarben

Den Auftakt der aktuellen Einspielung bildet das symphonische Präludium 'La Princesse Lointaine' aus dem Jahr 1896, ein an- und wieder abschwellender melodischer Strom, der noch ganz von Rimski-Korsakovs russischer Klangopulenz beeinflusst ist. 'Narcisse et Echo' hingegen orientiert sich stilistisch am französischen Impressionismus und nimmt in vielerlei Hinsicht Maurice Ravels 'Daphnis et Chloé' aus dem Jahr 1912 vorweg. Das Ballett basiert auf der antiken Sage, die von der unerfüllten Liebe der Nymphe Echo zu dem in sein eigenes Spiegelbild verliebten Halbgott Narziss handelt. Tcherepnins Musik dazu ist ein Wunderwerk an exquisiten Klangfarben, die durch ein kleines Vokalensemble noch ergänzt werden, an instrumentaler Finesse und an raffinierten Harmonien.

Łukasz Borowicz, der polnische Dirigent mit Hingabe für vernachlässigtes Repertoire, dirigiert beide Partituren mit einer Delikatesse und Subtilität, die bezaubert. Die Bamberger Symphoniker spielen famos: fein abgestimmt, manchmal wie hingetupft, alle Schattierungen ausreizend und mit einer dynamischen Bandbreite, die bis ins kaum wahrnehmbare Pianissimo reicht. Die klangtechnisch hervorragende Einspielung, der ein fundierter Einführungstext mit viel Wissenswertem zu Biographie und Werk beigegeben ist, ist eine musikalische Entdeckung auf hohem interpretatorischem Niveau und unbedingt zu empfehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Nikolai Tcherepnin: Narcisse et Echo op.40: Bamberger Symphoniker, Lukasz Borowicz

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203525027


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Tscherepnin, Nikolaj
 - La Princesse Lointaine op.4 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
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 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -
 - Narcisse et Echo op.40 -


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Dirigent(en):Borowicz, Lukasz
Orchester/Ensemble:Bamberger Symphoniker


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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