> > > Bach, Johann Sebastian: Complete Concertos: Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen
Montag, 3. August 2020

Bach, Johann Sebastian: Complete Concertos - Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen

Alte Bekannte


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Concerto Copenhagen und Lars Ulrik Mortensen überzeugen mit dieser Gesamteinspielung von Bachs Cembalokonzerten.

Von 2002 bis 2013 haben sich Lars Ulrik Mortensen und sein Concerto Copenhagen für cpo mit dem Konzertschaffen Johann Sebastian Bachs befasst. Auf fünf CDs werden hier die Cembalo- und Violinkonzerte zusammengefasst. Die sieben Konzerte für ein Cembalo und Orchester spielt Mortensen mit großer Frische und feinem Stilgefühl, das in winzigen Details etwas weniger ‚dogmatisch‘ daherkommt als die Einspielung mit Ton Koopman, zum einen durch die Wahl des Instruments, aber auch durch Tempowahl und die agogische Deutung der Musik.

Genau herausgearbeitet

Mortensen, früherer Schüler Trevor Pinnocks, bei dessen Gesamteinspielung der Konzerte für mehrere Cembali für die Archiv Produktion er mitwirkte, kennt die Musik von der Pike auf und hat sich stets einen frischen Zugang zu Bachs Musik bewahrt, als Cembalist wie als Dirigent gleichermaßen. Schon bei der Erstveröffentlichung wurden die Einspielungen als im Großen wie im Detail überzeugend gepriesen, ohne überzogene Extreme in Tempowahl oder dynamischem Kontrast. Auch bei der Wiederveröffentlichung haben die Aufnahmen nichts von ihrem Reiz verloren. Da ist Kraft im Streicherkorpus, Intimität in den langsamen Sätzen, vorzügliche Virtuosität bei dem Solisten, der klar, aber nie überzogen artikuliert. Der Charakter der einzelnen Konzerte wird genau herausgearbeitet, tänzerische Aspekte ebenso berücksichtigt wie kontrapunktische Elemente. Vor allem auch bleibt der genuine ‚Bach-Ton‘ gewahrt, d. h. die Einspielung stellt sich gleichzeitig in eine Tradition und führt diese fort.

Offensichtlicher kann die Fortführung der Tradition nicht sein bei den Konzerten für Konzerten für zwei bzw. drei Cembali, bei denen Mortensen sich auf die Unterstützung seines alten Lehrers verlassen kann. Zwar ist der Klang hier insgesamt etwas kompakter als bei den Konzerten für Solocembalo, doch sind die Musiker auch hier hörbar sorgfältig aufeinander abgestimmt. Der Streicherkorpus besitzt Substanz und Farben, die Phrasierung ist mustergültig. Bei den Konzerten für drei bzw. vier Cembali spielen neben Mortensen und Pinnock Marieke Spaans und Marcus Mohlin.

Bei dem Tripelkonzert a-Moll BWV 1044 unterstützen die Flötistin Katy Bircher und Geiger Manfredo Kraemer den Cembalisten Mortensen – leider aufnahmetechnisch in nicht ganz exakt ausgezirkeltem Verhältnis (das Cembalo kommt ein wenig zu kurz). Die Intimität des langsamen Satzes, in dem die Streicher schweigen, eröffnet ein weiteres Fenster in Mortensens Bach-Interpretationen (leider hat er kaum Bach’sche Kammermusik auf Tonträger vorgelegt).

Etwas verhalten

Verschränkt mit der Gesamteinspielung der Cembalokonzerte legte Mortensen mit den Geigern Fredrik From (BWV 1041/1042), Peter Spissky und Bjarte Eike (BWV 1043) sowie Manfredo Kraemer und dem Oboisten Antoine Torunczyk (BWV 1060R) eine Platte mit Violinkonzerten vor. Warum nur ein Konzert in alternativer Fassung vorgelegt wurde, kann diskutiert werden, zumal genügend Platz auf der CD vorhanden gewesen wäre – doch hätte es sich (wie auch bei BWV 1060R) jeweils um eine Duplizierung eines Cembalokonzerts gehandelt. Die beiden Solokonzerte stehen interpretatorisch der Einspielung von Isabelle Faust mit der Akademie für Alte Musik Berlin nahe – alles ist schlank, feinnervig, hochdifferenziert, ohne Drücker, von großer Klarheit und gerade dadurch in den langsamen Sätzen durchaus von beachtlicher Expression. Natürlich muss man sich an den ‚dünnen‘ Violinton erst gewöhnen, doch haben sich seit der Erstveröffentlichung 2014 unsere Hörgewohnheiten auch in dieser Hinsicht verändert. Dem Konzert für zwei Violinen mangelt es gerade in den Solopartien etwas an Koordination und Frische, und auch das Konzert für Violine und Oboe gerät etwas verhalten (und mit zu starker Hervorhebung besonders der Oboe).

Im ansonsten vorzüglichen Booklet vermisst man die genauen Aufnahmedaten und die exakte Orchesterbesetzung – Angaben, die in den Originalveröffentlichungen enthalten waren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Complete Concertos: Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen

Label:
Anzahl Medien:
cpo
5
Medium:
EAN:

CD
761203529926


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Bach, Johann Sebastian


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Dirigent(en):Mortensen, Lars Ulrik
Orchester/Ensemble:Concerto Copenhagen


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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