> > > Mirabile Mysterium: Sächsisches Vokalensemble, Matthias Jung
Samstag, 25. Januar 2020

Mirabile Mysterium - Sächsisches Vokalensemble, Matthias Jung

Weihnachtswunder


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein stilistisch weiter, sehr schön gesungener weihnachtlicher Bogen, der viel vom wunderbaren Geheimnis dieses Fests mitteilt und die illustre Diskografie des Sächsischen Vokalensembles ganz sicher bereichert.

'Mirabile Mysterium' – so hat das Sächsische Vocalensemble seine Weihnachtsplatte genannt, die es beim Label cpo mit seinem Leiter Matthias Jung vorgelegt hat. Und was da an vokalen Kostbarkeiten zu hören ist, kann wirklich als wunderbares Geheimnis gelten, bietet es doch eine Annäherung an das Weihnachtswunder aus vielen stilistischen Richtungen, ohne seinen inneren Kompass zu verlieren.

Der Rahmen ragt mit Heinrich Isaac und Johann Eccard edel und erhaben aus der Geschichte hervor; im Zentrum gibt Jacobus Gallus mit der Motette 'Mirabile Mysterium' und fein versponnener Linearität, die in ihren schillernden Effekten selbst Wunder ist, einen starken Kern. Andreas Hammerschmidt und Heinrich Schütz repräsentieren das 17. Jahrhundert, mit Claudio Monteverdi als Seitenweg. Josef Gabriel Rheinberger, Max Reger, Günter Raphael, dazu Carl Thiel und Felix Woyrsch sind im fließenden Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert erfreulich stark vertreten, mit einer faszinierenden Bearbeitung von 'Maria durch ein‘ Dornwald ging' aus der Feder Raphaels, die mehr als nur Alternative zu Gängigem sein sollte.

Als weiterer inhaltlicher Akzent deuten Herbert Howells und John Rutter einen Weg an; schließlich stehen Jan Sandström mit seiner wunderbaren Bearbeitung von Praetorius‘ 'Es ist ein Ros‘ entsprungen' sowie die heute beinahe unvermeidlichen Eric Whitacre und Morten Lauridsen für einen wesentlichen Teil gängigen Repertoires der Gegenwart. Das alles vollzieht sich in einer knappen Stunde und fasst ausschließlich attraktive und relevante Sätze zusammen; eine gewisse programmatische Konzentration hätte möglicherweise dennoch gutgetan. Umso mehr ist das Ensemble gefordert, stilistisch flexibel und in jeder ästhetischen Konstellation kenntlich zu sein.

Feine Ensembleleistung

Das gelingt sehr überzeugend und ist angesichts der durchaus vielgestaltigen und kaum auf einen eindeutigen Repertoireweg festgelegten Diskografie der Formation auch keine Überraschung: Schütz als wesentliches Element mit der adventlichen Doppelmotette aus der Geistlichen Chormusik 'O lieber Herre Gott' und 'Tröstet, tröstet mein Volk' gelingt überaus beredt, mit fein ausgeleuchtetem Gewebe als Ergebnis. Diese Sprachmacht und Klarheit bewahrt sich der Kammerchor auch für andere Teile des Programms, so dass die romantischer gezeichneten Sätze stimmungsvoll, aber ohne künstliches Gewölk geboten werden. Das bekommt auch der harmonischen Erweiterung von Praetorius durch Sandström ausgesprochen gut – fast gespinsthaft leicht und fasslich wirkt das klingende Ergebnis.

Beglückende Effeke

Bei Whitacre und Lauridsen lassen die 24 Vokalisten mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit sogar eine beeindruckende romantische Pranke hören, mit weiten, schlüssig substantiierten Bögen und wachem Bewusstsein für die sphärische Harmonik der Sätze. Intoniert wird – nicht nur hier – ohne Problem und mit beglückenden Effekten. Artikulatorisch bleibt die Sprachmacht der älteren Musik auch in der mäßig avancierten Moderne das entscheidende Maß, geeignet, auch der Fläche, dem üppig fließenden Klang Kontur und Raum zu geben. Das Klangbild ist technisch gut balanciert und garantiert ein stimmiges Abbild, vielleicht nicht in allerletzter Plastizität. Und: In der schnellen Abfolge der Sätze hätten minimal erweiterte Pausen zwischen den einzelnen Takes dem Umstand entgegenwirken können, dass die enge Taktung gelegentlich etwas umstandslos und geheimnisraubend wirkt. Das aber sind keine gravierenden Einwände: ein stilistisch weiter, sehr schön gesungener weihnachtlicher Bogen, der viel vom wunderbaren Geheimnis dieses Fests mitteilt und die illustre Diskografie des Sächsischen Vokalensembles ganz sicher bereichert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mirabile Mysterium: Sächsisches Vokalensemble, Matthias Jung

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203531820


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Eccard, Johannes
 - Nun komm der Heiden Heiland -
Gallus, Jacobus
 - Mirabilis mysterium -
Hammerschmidt, Andreas
 - Machet die Tore weit -
Howells, Herbert
 - A spotless rose -
Isaac, Heinrich
 - Ecce virgo concipiet -
Lauridsen, Morten
Monteverdi, Claudio
 - Ave maris stella -
Raphael, Günter
 - Maria durch ein Dornwald ging -
Reger, Max
 - Unser lieben Frauen Traum -
Rheinberger, Joseph
 - Ave Maria -
Rutter, John
 - I wonder as I wonder -
Schütz, Heinrich
 - O lieber Herre Gott -
 - Tröstet mein Volk -
Thiel, Carl
 - In dulci jubilo -
Whitacre, Eric
 - Lux aurumque -
Woyrsch, Felix
 - Auf dem Berge, da geht der Wind -


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Dirigent(en):Jung, Matthias


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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