> > > Olga Neuwirth: ...miramondo multiplo...: Hakan Hardenberger, ORF Radio-Symphonieorchester, Wiener Philharmoniker
Montag, 23. Mai 2022

Olga Neuwirth: ...miramondo multiplo... - Hakan Hardenberger, ORF Radio-Symphonieorchester, Wiener Philharmoniker

Menschenton


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vorbildliche Aufführungen dreier Orchesterwerke der wichtigen österreichischen Komponistin Olga Neuwirth.

Die suggestive Kraft und technische Ausgereiftheit der Kompositionen Olga Neuwirths hat der Österreicherin zwar viele Auszeichnungen eingebracht, aber nur ausgewählte Aufführungen ihrer Musik an ausgewählten Orten (vornehmlich in Österreich und gelegentlich in Deutschland). Dabei darf Neuwirth zu den stärksten Komponist*innen unserer Zeit überhaupt gezählt werden.

Poetische Tiefe

Die vorliegende CD fasst drei zentrale Orchesterwerke Neuwirths zusammen, das Trompetenkonzert '...miramondo multiplo...' (2006), die 'Remnants of Songs ... An Amphigory' für Viola und Orchester (2009) sowie das den Wiener Philharmonikern gewidmete 'Masaot/Clocks without Hands' (2013). Der ‚tief in uns liegende „Menschenton‘ (Neuwirth) ist zentraler Aspekt ihrer kompositorischen Tätigkeit, die alle möglichen Aspekte, von der Collage bis zum Jazzanklang, integriert. Die Dichte und Vielschichtigkeit ihrer Kompositionen, ihre poetische Tiefe und ethisch-philosophische Dimension, ihre existenzielle Bedeutung und ihre technische Souveränität werden im vorzüglichen Booklettext von Therese Muxeneder ebenso offenkundig wie ihre Persönlichkeit – ein rarer Fall der Verbindung von persönlicher Bekanntschaft und wissenschaftlicher Durchdringung der Materie.

Von ihren Soloinstrumenten fordert Neuwirth eine große Vielfalt an Klangvaleurs, ohne aber die Natur der Instrumente zu vergewaltigen; es gibt Momente überwältigender Wärme und Klangschönheit, aber auch krasse oder unterschwellige Übergänge zum Brutal-Existenziellen oder zurück. Die besonderen Qualitäten der Uraufführungsinterpreten werden offenkundig ‚einkomponiert‘, so dass die Kompositionen zum ‚signature piece‘ dieser Interpreten werden.

Von '...miramondo multiplo...' liegen bereits mehrere Einspielungen vor, auch eine Studioproduktion mit dem Uraufführungsinterpreten Håkan Hardenberger. Der vorliegende ORF-Mitschnitt aus dem Wiener Musikverein unter Ingo Metzmacher mit dem Gustav Mahler Jugendorchester ist von großer Frische und hoher Professionalität. Die besondere Qualität des Live-Erlebnisses ist auch bei der Aufführung von 'Remnants of Songs ... An Amphigory' aus dem Wiener Konzerthaus mit Antoine Tamestit und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien (die beide bei der Uraufführung mitwirkten) unter Susanna Mälkki zu hören – die Spannung der Aufführung wirkt sich spürbar auf die Intensität der Wiedergabe aus.

In Höchstform

Auch 'Masaot/Clocks without Hands' mit den Wiener Philharmonikern unter Daniel Harding (drei Tage nach der Kölner Uraufführung im Wiener Konzerthaus mitgeschnitten) zeugen von unleugbarer Autorität. Die starke Identifikation der Musiker mit dem Werk zeigt die Wiener Philharmoniker in Höchstform. Während bei den beiden konzertanten Kompositionen der ORF-Aufnahmeklang als nahezu optimal bezeichnet werden kann – ein wenig hätte man sich Surroundsound gewünscht, der die orchestralen Facetten noch klarer hätte abbilden können –, ist die Aufnahmetechnik bei 'Masaot' deutlich dichter am Orchester, wodurch zwar die klangliche Durchdringung vorbildlich ist, nicht aber die räumliche Staffelung des Klanges. Ein gleichwohl kaum trübender Einwand.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Olga Neuwirth: ...miramondo multiplo...: Hakan Hardenberger, ORF Radio-Symphonieorchester, Wiener Philharmoniker

Label:
Anzahl Medien:
Kairos
1
Medium:
EAN:

CD
9120040735104


Cover vergössern

Neuwirth, Olga


Cover vergössern

Kairos

Der unwiderstehliche Klang der Neuen Musik.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Kairos:

  • Zur Kritik... Make sound great again: Mit der CD 'Gravity's Rainbow' mit Kompositionen des Schweizers Michael Pelzel legt der Kairos-Verlag eine interessante, klangvolle Aufnahme vor, die am Ende viele Fragen offenlässt. Weiter...
    (Jonas Springer, )
  • Zur Kritik... Kontrast und Komplement: Diese Doppel-CD dokumentiert die Künstlerfreundschaft des Amerikaners Roger Reynolds mit dem legendären Irvine Arditti. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Palimpsestische Ideen: Reinhard Fuchs' Musik ist eine vielschichtige Angelegenheit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Kairos...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Ein Leben für die Oper: Würdigung eines immer noch nicht hinreichend wertgeschätzten Meisters der Barockoper. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Wieder da: Die Gesamteinspielung der Sinfonien von Josef Tal mit der NDR Radiophilharmonie Hannover unter Israel Yinon hat nach fast zwanzig Jahren nichts von ihrer Faszination verloren. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Intereuropäischer Austausch: Nach vielen Jahren endlich wieder einmal eine Orgelproduktion aus der St Paul’s Cathedral London. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ein hohes Maß an Perfektion: Jean-Jacques und Alexandre Kantorow schließen nahtlos an die herausragende Qualität ihrer ersten Saint-Saëns-CD an – diesmal mit den ersten beiden Konzerten und vier weiteren Stücken für Klavier und Orchester. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Ein Leben für die Oper: Würdigung eines immer noch nicht hinreichend wertgeschätzten Meisters der Barockoper. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Nostalgische Kunst-Folklore: Magdalena Kožená macht mit 'Nostalgia' auf zwei viel zu selten gespielte Liederzyklen von Bartók und Mussorgsky aufmerksam. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2022) herunterladen (2400 KByte) Class aktuell (4/2021) herunterladen (7000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich