> > > Johann Nepomuk Hummel: Piano Concertos vol.2: Alessandro Commellato, La Galante, Milano Classics, Didier Talpain
Mittwoch, 15. Juli 2020

Johann Nepomuk Hummel: Piano Concertos vol.2 - Alessandro Commellato, La Galante, Milano Classics, Didier Talpain

Würdiger Erbe


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das lange Warten auf die zweite Folge von Hummels Klavierkonzerten unter Didier Talpain hat sich leider nicht vollumfänglich gelohnt.

Sieben lange Jahre mussten vergehen, ehe Didier Talpain seine Reihe der Hummel-Klavierkonzerte fortgesetzt hat (die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Ensemble Solamente Naturali hat offenbar ein Ende gefunden). Für die hier vorliegenden Konzerte für Klavier A-Dur WoO 24a (1791) sowie für Klavier und Violine G-Dur op. 17 (1805) wurden zwei unterschiedliche italienische Orchester gewonnen – La Galante (benannt nach Hummels Rondo?) und Milano Classica – und der Pianist Alessandro Commellato, der schon in Talpains bisherigen Hummel-Einspielungen mitgewirkt hatte und hier auf einem Wiener Joseph-Böhm-Hammerflügel von 1825 zu hören ist. Als Violinsolist spielt Stefano Barneschi (zeitweise u. a. Mitglied von La Gaia Scienza) auf eine Santagiuliana-Geige von 1830.

Würdiger Erbe

Dass hier keines der fünf kanonischen Klavierkonzerte Hummels eingespielt wird, erhöht den Entdeckungswert der Veröffentlichung. Hummel, der Mozarts Klavierkonzerte nachgerade ‚rückwärts‘ kannte und für sechs von ihnen auch eigenen Kadenzen schrieb, erweist sich als mehr als würdiger Erbe des Frühverstorben – gerade auch mit dem A-Dur-Konzert aus Mozarts Todesjahr. Commellato spielt mit viel Feingefühl und großem Verständnis für die Musik, nutzt sämtliche Möglichkeiten des ihm zur Verfügung stehenden Instruments, über das man im leider nur einsprachigen Booklet leider nichts erfährt.

La Galante ist ein insgesamt hinreichender Partner, von einigen wenigen Intonationstrübungen abgesehen, bedingt offenbar durch uneinheitliche Stimmung zwischen Hammerflügel und Orchesterinstrumenten. Überzeugender ist da Milano Classica in dem ‚moderneren‘ Orchestersatz des Doppelkonzerts, das aufnahmetechnisch aufgrund deutlich unglücklicherer Mikrofonierung leider nicht ganz mit dem Klavierkonzert mithalten kann.

Bis zum letzten Moment überraschend

Wie wir wissen, hat Mozart sein Konzert für Violine, Klavier und Orchester nie vollendet (KV Anh. 56) – Hummel entwickelt Mozarts Stil nahtlos und behutsam ins frühe 19. Jahrhundert, ganz ohne radikal den Bruch zu suchen wie sein kurzzeitiger Lehrer Beethoven. Sowohl was die Klangfarbigkeit Hummels als auch was seinen thematischen und harmonischen Einfallsreichtum angeht, ist diese Musik ernst zu nehmen; im Variationensatz treten zu Klavier und Violine andere Instrumente konzertierend hinzu, in fast kammermusikalischer Verbindung etwa vergleichbar den Septetten. Bis zum letzten Moment überrascht der Komponist und die Produktion lässt darauf hoffen, dass die Hummel-Klavierkonzert-Reihe nun in möglichst erhöhter Frequenz fortgeführt wird, am besten mit einem rundum erfolgreichen Tonmeister, der auch auf exakte Intonationsabstimmung zwischen Soloinstrument und Orchester achtet. Commellato und Talpain sind ein Erfolgsteam, denen dieses schöne Projekt rundum zu wünschen wäre.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Johann Nepomuk Hummel: Piano Concertos vol.2: Alessandro Commellato, La Galante, Milano Classics, Didier Talpain

Label:
Anzahl Medien:
Brilliant classics
1
Medium:
EAN:

CD
5028421958941


Cover vergössern

Hummel, Johann Nepomuk


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Von Dr. Jürgen Schaarwächter zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Korrektur der Musikgeschichte: Vorliegende Folge von Johann Nepomuk Hummels Klavierkonzerten gibt den Startschuss für eine Reihe, die, sollte sie sich auf dem hier vorgebenen hohen Niveau weiterbewegen, erhebliches diskographisches Gewicht haben wird. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 16.11.2012)
  • Zur Kritik... Ein Ensemble ? zwei Welten: Die beiden Klavierseptette von Johann Nepomuk Hummel verdienen Beachtung. Das zweite ist eines der seltenen Kammermusikwerke mit Trompete. Seltsam janusköpfige Interpretationen und Aufnahmen ? erstmals auf historischen Instrumenten. Weiter...
    (Christian Vitalis, 27.05.2010)
  • Zur Kritik... Klangerlebnisse: In drei Cellosonaten von Ries, Hummel und Moscheles gelingen den Musikern Momente stupendester Schönheit. Das Gesamtbild wird aber durch einige Schwächen des Cellisten etwas getrübt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, 09.09.2016)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Mozarts Vorbilder und Zeitgenossen : Mozarts Klavierkonzerte dominieren unsere Sicht auf diese Gattung zwischen 1770 und 1790. Diese drei CDs mit Concerti seiner hier überwiegend italienischen Zeitgenossen bieten kompakt eine breitere Perspektive in solider interpretatorischer Wiedergabe. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Resoluter Impressionismus: Auf ihrer neuen CD mit Violinsonaten französischer Komponisten präsentieren Klára Würtz und Kristóf Baráti drei wenig ausschweifende, aber doch unverwechselbare Interpretationen. Weiter...
    (Susanna Morper, )
  • Zur Kritik... Leicht verdaulich: Der Opernkomponist Francesco Cilea zeigt sich auf dieser Einspielung als Meister nicht allzu anspruchsvoller Klaviermusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Jürgen Schaarwächter:

  • Zur Kritik... Zwischen Haydn und Mozart: Der Kontrabassist Johannes Matthias Sperger war auch ein beachtlicher Sinfoniker. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Teamarbeit: Die Gesamtleistung der Musiker von Il gardellino überzeugt in zwei großen geistlichen Chorwerken von Niccolò Jommelli ebenso wie ihre Einzelleistungen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Unterschiedlich historisch: Diese Hommage an Clara Schumann bietet voll ausgereifte Interpretationen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Jürgen Schaarwächter...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Loreleys Klangzauber: Schöner und inniger als Julia Kleiter kann man diese Lieder kaum singen – inhaltlich ist aber noch deutlich Luft nach oben. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Rhythmisches Einerlei: Francesco Corti und Il pomo d'oro widmen sich Bachs Cembalo-Konzerten. Weiter...
    (Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Teamarbeit: Die Gesamtleistung der Musiker von Il gardellino überzeugt in zwei großen geistlichen Chorwerken von Niccolò Jommelli ebenso wie ihre Einzelleistungen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Carl Reinecke: Symphony No.3 op. 227 in G minor - Scherzo. Allegro vivace - Trio I & II

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich