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Montag, 21. September 2020

In nomine II - Fretwork

Voll im Leben


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fretwork blicken in dieser Veröffentlichung zurück und in die Zukunft.

'In Nomine' – das ist ein feststehender Topos, der von John Taverner im frühen 16. Jahrhundert in der 'Missa Gloria tibi trinitas' begründet wurde, aber auch umfangreich in die Instrumentalmusik, gerade auch jene für Instrumentalensemble, Eingang fand. Die kunstvolle kontrapunktische Ausarbeitung von Taverners 'Cantus firmus' hat seither Tradition, die im 20. und frühen 21. Jahrhundert wieder aufgegriffen und weitergeführt worden ist.

'In Nomine', so hieß auch vor dreißig Jahren die erste Schallplatte, die das Ensemble Fretwork auf den Markt brachte. Die neue Veröffentlichung nimmt offen auf die frühere Bezug, ohne aber unmittelbare Anknüpfung, ‚Revision‘ oder Gegendarstellung sein zu wollen. Die neue Veröffentlichung enthält sechzehn Kompositionen von neun Meistern – vornehmlich aus dem 16., wenige aus dem 17. Jahrhundert, nur zwei aus dem 20. oder 21. Jahrhundert (Gavin Bryars, Nico Muhly). Die drei ‚Ausnahmen‘ umrahmen die ‚Klassiker‘, zeigen, dass ein historisch informiertes Violenkonsort voll im gegenwärtigen Leben stehen kann. Muhlys und Bryars‘ substanzielle fünfstimmige Beiträge von 2015 bzw. 1995 lassen sich als postmoderne Kompositionen ganz unterschiedlicher Art bezeichnen, in denen das 'In Nomine' zwar Basis bleibt, die Musik aber konsequent in der eigenen Klangsprache entwickelt wird.

Vielfältiger Kontrapunkt

Die dreizehn Beiträge von Robert Parsons, John Bull, John Baldwin, Alfonso Ferrabosco, John Ward und Christopher Tye spiegeln ganz unterschiedliche Vorgehensweisen und Verarbeitungstechniken. Bulls Beitrag etwa ist im 11/4-Takt, harmonisch sind dem Fantasieren über den Cantus ebenso wenig Grenzen gesetzt wie von der Komplexität. Die Besetzung variiert zwischen Vier- und Siebenstimmigkeit. Die Vielfalt der kontrapunktischen Techniken beeindruckt ebenso wie die harmonische ‚Modernität‘. Purcells siebenstimmiger Beitrag zeugt von der Auseinandersetzung mit der Tradition des 'In Nomine' bis weit ins späte 17. Jahrhundert, auch von dem intimen Verständnis dieser Musik über viele Dekaden hinweg.

Dieses intime Verständnis, diese intime Kenntnis des Repertoires der Zeiten besitzen auch Fretwork, die die Musik in vorbildlicher Weise realisieren. Die kontrapunktischen Strukturen sind jederzeit klar offenkundig, und wenn ein Beitrag von John Baldwin (1560–1615) harmonisch ebenso modern klingt wie jener von Bryars, zeugt das von der Zeitlosigkeit sowohl des zugrunde liegenden Materials als auch der einzelnen Beiträge. Jedes Stück behält in den Händen von Fretwork jeweils seinen eigenen Charakter, gleichzeitig sogar scharf abgegrenzt von anderen Kompositionen desselben Komponisten. Vorbildliche Tontechnik vermittelt dem Hörer fast den Eindruck, den Aufnahmesitzungen in Sherborne (Gloucestershire) persönlich beizuwohnen. Der kenntnisreiche Booklettext (nur auf Englisch) hätte gerne noch ein wenig ausführlicher sein dürfen und etwa die verwendeten Quellen noch etwas umfänglicher vorstellen können. Fürs ‚Firmenjubiläum‘ aber ein winziger Einwand angesichts so tiefen Verständnisses für die Musik.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    In nomine II: Fretwork

Label:
Anzahl Medien:
signum classics
1
Medium:
EAN:

CD
635212057629


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signum classics

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