> > > Olivier Messiaen: Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi
Freitag, 4. Dezember 2020

Olivier Messiaen - Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi

Vielfältig schillernde Orchestersprache


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Paavo Järvi und das Tonhalle-Orchester Zürich engagieren sich auf höchstem Niveau für die vielfältig schillernden Orchesterwerke Olivier Messiaens.

Ein gewaltiges Arbeitspensum: Olivier Messiaen war Komponist, Pianist, Organist und international gefragter Kompositionslehrer. Sozusagen nebenbei verfasste er auch noch mehrere musikalische Schriften, in denen er unter anderem seine Technik der ‚begrenzt transponierbaren Modi‘ darlegte. Die Nachwirkung des Franzosen ist enorm, nicht nur durch seine zahlreichen Schüler und Enkelschüler, sondern vor allem durch seine Werke. Insbesondere viele Orchesterwerke Messiaens haben sich in den letzten Jahren im Repertoire etabliert, nicht zuletzt durch die Fürsprache bedeutender Dirigenten: Sylvain Cambreling, Christoph Eschenbach und Juanjo Mena stehen hier stellvertretend für viele. Paavo Järvi schließt sich nun mit dem Tonhalle-Orchester Zürich an, der Fokus der vorliegenden CD liegt auf den 1930er Jahren, als Messiaen erstmals über seine französische Heimat hinaus auf sich aufmerksam machte. Das chronologisch erste Werk ist 'Les Offrandes Oubliées', komponiert 1930, gefolgt vom im Jahr darauf entstandenen 'Le Tombeau Resplendissant'. Abschluss der Veröffentlichung bildet 'L‘Ascension' (1932/33), dessen Orgelfassung fast schon ein Messiaen-Klassiker genannt werden darf; die Orchesterfassung ist dagegen nicht so häufig zu hören. Nicht aus den 1930er Jahren, sondern aus dem Jahr 1989 stammt schließlich 'Un Sourire'.

Kantig und robust

Straffe Rhythmen und eine recht herbe Klanglichkeit zeichnen 'Le Tombeau Resplendissant' aus, mit dem Järvi seine Messiaen-Werkschau beginnt. Mit flotten Tempi und starker Akzentuierung der Blechbläser legt der Dirigent einen Fokus auf die kantige, robuste Seite des Werkes, so dass man als Hörer die aufwühlende Stimmung des 'Tombeau' gut nachvollziehen kann. Der Klang des Tonhalle-Orchesters wurde nahezu optimal eingefangen, die flirrenden Streicher können sich gut gegen Blech und Pauke behaupten, die Holzbläser werden nicht zugedeckt. Im (weniger herben) Mittelteil sind für kurze Zeit sanfte, beinahe spätromantische Anklänge hörbar, bevor der perkussive Tonfall des Beginns wieder aufgegriffen wird. Järvi und die Züricher Musiker bringen das knapp 17-minütige Stück schließlich mit langen Streicherklängen zu einem sanften Abschluss.

Die 'symphonischen Meditationen' (so der Untertitel der 'Offrandes Oubliées') sind deutlich kompakter als das 'Tombeau' und tragen mit einem zugänglicheren Ton vermutlich dem liturgischen Charakter Rechnung. Wie schon zuvor können sich die Streicher des Orchesters hier mit langgezogenen Kantilenen besonders auszeichnen, Pärvi arbeitet die vielfältigen Schattierungen in Klangfarbe und Dynamik präzise heraus. Hervorragendes Zusammenspiel und ein erneut sehr warmes, transparentes Klangbild verhelfen dem Stück zu einem höchst erfreulichen Gesamteindruck, auch wenn für meinen Geschmack das 'Tombeau' ein Stück spannender und packender wirkt als die 'Offrandes'.

Heiterer Tonfall

Auch von 'Un Sourire' gibt es nur Erfreuliches zu berichten: Obwohl das Werk fast 60 Jahre nach den anderen hier zu hörenden Werken entstand, greift es deren Tonfall ein Stück weit auf. Allerdings dominieren nun dezente, verhaltene Klänge – wäre die Formulierung nicht so abgegriffen, könnte man von Altersmildheit sprechen. Messiaen wollte das zum Gedenken Mozart entstandene Werk nicht als Mozart-Imitation verstanden wissen, sondern gleichsam als ein Aufgreifen dessen (wie er im Beiheft schreibt) ‚Heiterkeit trotz aller Widrigkeiten‘. Dieser grundsätzlich heitere (aber niemals triviale) Tonfall wird von den Musikern bestens übermittelt, die kurzen Xylophon-Einwürfe sorgen für einen gelungenen Kontrast.

Den brillanten Abschluss einer rundum gelungenen Veröffentlichung bilden die vier Sätze von 'L‘Ascension', dem vermutlich bekanntesten Orchesterwerk Messiaens vor seiner gigantischen 'Turangalîla'-Symphonie. Die liturgischen Untertitel können zum Verständnis der Komposition helfen, aber dem beschwörenden, fast hypnotischen Charakter der vier Sätze kann man sich auch einfach so hingeben – vor allem dann, wenn so herausragend musiziert wird wie hier von Pärvi und dem Tonhalle-Orchester. Aus den vielen gelungenen Aspekten möchte ich hier nur die hohe Präzision der Blechbläser und die vielfältigen dynamischen Facetten der Holzbläser hervorheben. Damit schließen Interpretation der Werke und die Qualität der Werke selbst nahtlos aneinander an, denn was Järvi im Beiheft hervorhebt, gilt nicht wirklich für viele Komponisten: ‚Messiaen aber halte ich […] für die originellste und eine absolut einzigartige Stimme.‘ Mit dieser CD wird das aufs Schönste unterstrichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Olivier Messiaen: Tonhalle-Orchester Zürich, Paavo Järvi

Label:
Anzahl Medien:
Alpha Classics
1
Medium:
EAN:

CD
3760014195488


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Messiaen, Olivier


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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