> > > Saint-Saens: Symphony No.1, Symphony in A major, Carnival of the animals: Utah Symphony, Thierry Fischer
Dienstag, 22. September 2020

Saint-Saens: Symphony No.1, Symphony in A major, Carnival of the animals - Utah Symphony, Thierry Fischer

Saint-Saëns mit Esprit und Biss


Label/Verlag: Hyperion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zwei frühe Symphonien von Camille Saint-Saëns erklingen hier zusammen mit dem bestens bekannten 'Karneval der Tiere' – vor allem die beiden Symphonien können sich hören lassen.

Die dritte Symphonie op. 78 von Camille Saint-Saëns (bekannt als 'Orgelsymphonie') ist so bekannt, dass sie ihre drei Vorgänger klar in den Schatten stellt. Schreibfehler? Nein, denn es gibt wirklich drei vorangegangene Symphonien, also eigentlich vier insgesamt, doch die tatsächlich Erste – ohne Opuszahl, in A-Moll – wurde vom Komponisten nicht als vollgültig anerkannt, so dass die folgende Symphonie op. 2 in Es-Dur quasi die ‚offizielle Nr. 1‘ darstellt. Deutlich später komponierte der Franzose dann noch seine zweite Symphonie op. 55. Auf dieser CD umrahmen die beiden zuerst genannten Symphonien (in A-Moll und Es-Dur) das unbestritten bekannteste Werk von Saint-Saëns, den 'Karneval der Tiere'. Die Utah Symphony musiziert unter der Leitung ihres musikalischen Direktors Thierry Fischer.

Die A-Moll-Symphonie des fünfzehnjährigen Wunderkindes ist zwar noch hörbar Beethoven und Mendelssohn verpflichtet, zeigt aber schon eine Sicherheit in der Behandlung des Orchesters, über die so mancher Kollege des Franzosen mit dreißig noch nicht verfügte. Besonders reizvoll ist der langsame Larghetto-Abschnitt, in dem jene melodischen Qualitäten, über die Saint-Saëns lebenslang verfügte, beinahe schon voll entfaltet sind. Fischer und die Musiker aus Utah kosten die Möglichkeiten des Werkes voll aus und profitieren von einem recht flotten Grundtempo, so dass auch die (wenigen) schablonenhaften Passagen des Stückes kaum ins Gewicht fallen. Auch klanglich herrscht hier eitel Sonnenschein, die einzelnen Instrumentengruppen können sich bestens ausgewogen entfalten.

Esprit und Biss

Allerdings wirkt – bei aller jugendlichen Frische der A-Moll-Symphonie – die ‚offizielle‘ Erste doch erheblich gelungener, in ihrer individuellen formalen Konzeption auch überraschender. Vom verhaltenen Beginn des langsamen Einleitung bis zum rauschenden Schluss des Finalsatzes wirkt das Opus 2 überzeugend und schlüssig, zumal in Fischers zupackender, stellenweise auch kantiger Interpretation. Man kann diese Symphonie gewiss glatter, gleichsam ‚schöner‘ musizieren lassen, läuft damit aber Gefahr, ins Klischee vom Klassizisten Saint-Saëns hinüberzurutschen – ein vor allem hierzulande immer noch weit verbreitetes Vorurteil. Dem gegenüber wirkt Fischers Zugriff vielfach überzeugender, so entsteht eine Interpretation mit Esprit und Biss, die den Franzosen als meisterhaften Individualisten zeigt. So gesehen, ist diese Einspielung der Es-Dur-Symphonie klar der Höhepunkt dieser CD.

Etwas blasser bleiben die Musiker im 'Karneval der Tiere', jenem fest im Repertoire etablierten Werk, dem es zu verdanken ist, dass der Name Saint-Saëns jahrzehntelang überhaupt im musikalischen Gedächtnis erhalten blieb. Hier und da scheint nun der Mut zum Risiko zu fehlen, die glitzernden Passagen im 'Aquarium' beispielsweise (Track 11) wirken wie mit angezogener Handbremse gespielt. Nicht auszuschließen, dass hier zwei wirklich professionelle Pianisten für mehr Drive gesorgt hätten. Insgesamt ist dieser 'Karneval' nicht schlecht, muss sich aber – anders als die beiden Symphonien – gegenüber einer Vielzahl von Vergleichseinspielungen behaupten. Das gelingt nur bedingt.

Hohes orchestrales Niveau

So ist diese Veröffentlichung weniger des 'Karnevals' und mehr der beiden Symphonien wegen eine Bereicherung des Repertoires und auch ein Dokument für das hohe orchestrale Niveau im mittleren Westen der USA. Dass es dort deutlich mehr erstklassige Orchester gibt als die berühmten ‚Big Five‘, hat sich längst herumgesprochen. Doch die Souveränität und Präzision, mit der Fischer und die Utah Symphony hier agieren, muss kaum einen Vergleich scheuen. Davon profitiert nicht nur der Hörer, sondern auch Camille Saint-Saëns, dessen sämtliche Symphonien mit dieser Einspielung nun geschlossen bei Hyperion vorliegen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Saint-Saens: Symphony No.1, Symphony in A major, Carnival of the animals: Utah Symphony, Thierry Fischer

Label:
Anzahl Medien:
Hyperion
1
Medium:
EAN:

CD
034571282237


Cover vergössern

Saint-Saens, Camille


Cover vergössern

Hyperion

Founded in 1980, Hyperion is an independent British classical label devoted to presenting high-quality recordings of music of all styles and from all periods from the twelfth century to the twenty-first. We have been described as 'Britain’s brightest record label'. In January 1996 we were presented with the Best Label Award by MIDEM's Cannes Classiques Awards. The jury was made up of the editors of most of the leading classical CD magazines in the world - Classic CD (England), Soundscapes (Australia), Répertoire (France), FonoForum (Germany), Luister (Holland), Musica (Italy), Scherzo (Spain), and In Tune (USA & Japan).

We named our label after an altogether splendid figure from Greek mythology. Hyperion was one of the Titans, and the father of the sun and the moon - and also of the Muses, so we feel we are fulfilling his modern role by giving the art of music to the world.

The repertoire available on Hyperion, and its subsidiary label Helios (Helios, the sun, was the son of Hyperion), ranges over the entire spectrum of music - sacred and secular, choral and solo vocal, orchestral, chamber and instrumental - and much of it is unique to Hyperion. The catalogue currently comprises nearly 1400 CDs and approximately 80 new titles are issued each year. We have won many awards.

Our records are easily available throughout the world in those countries served by our distributors. A list of the world's top Hyperion dealers, listed by country and city, can be found on our homepage. But if you have any difficulty please get in touch with the distributor in your territory. In Germany that is Note 1 Music Gmbh.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Hyperion:

  • Zur Kritik... Glanzvoll: Cinquecento mit Renaissancerepertoire der Habsburgerhöfe: Es ist auch auf dieser Platte mit Musik von Johannes de Cleve das pure Vergnügen, den fünf Vokalisten zuzuhören. Repertoireabeit kann glanzvoll sein. Cinquecento beweist es. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Loreleys Klangzauber: Schöner und inniger als Julia Kleiter kann man diese Lieder kaum singen – inhaltlich ist aber noch deutlich Luft nach oben. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Qualität von der Seite: Das rund und komplett klingende Ensemble De Profundis singt hochattraktive Musik von Juan Esquivel, die zu hören ein Genuss ist und die zu kennen sich unbedingt lohnt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Hyperion...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Michael Loos:

  • Zur Kritik... Vielfältig schillernde Orchestersprache: Paavo Järvi und das Tonhalle-Orchester Zürich engagieren sich auf höchstem Niveau für die vielfältig schillernden Orchesterwerke Olivier Messiaens. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Zu wenig Abwechslung: Die hier zu hörenden fünf Violinkonzerte von Myroslaw Skoryk werden zwar solide musiziert, ähneln sich aber zu sehr, als dass man sie empfehlen könnte. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Ausflug ins tschechische Viola-Repertoire: Jitka Hosprová engagiert sich leidenschaftlich für drei tschechische Violakonzerte, die allerdings in ihrer Substanz nur teilweise gelungen sind. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Michael Loos...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Faszinierende Klangfarben: Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden überzeugen mit Werken von Richard Strauss. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Glanzvoll: Cinquecento mit Renaissancerepertoire der Habsburgerhöfe: Es ist auch auf dieser Platte mit Musik von Johannes de Cleve das pure Vergnügen, den fünf Vokalisten zuzuhören. Repertoireabeit kann glanzvoll sein. Cinquecento beweist es. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Große Natürlichkeit: Die junge Bonner Pianistin Jamina Gerl trifft bei Schumann vollendet den romantischen Ton und zeigt sich hochvirtuos bei Liszt. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Jupiter

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2020) herunterladen (3402 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Leopold I.: Il Sagrifizio d'Adbramo - Ai colli sanguinasi

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich