> > > Auber, Daniel-Francois: Overtures: Czech Chamber Philharmonic Orchestra, Dario Salvi
Freitag, 5. Juni 2020

Auber, Daniel-Francois: Overtures - Czech Chamber Philharmonic Orchestra, Dario Salvi

Aus Aubers Lehrjahren


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese neue Einspielung von Ouvertüren zwischen 1813 und 1826 entstandenen Opern eröffnet eine neue, musikalisch leider nicht ganz befriedigende Perspektive auf Aubers Entwicklung vor seinen großen Erfolgen.

Rechnet man, dass Daniel-François-Esprit Auber (1782-1871) zum Zeitpunkt seiner größten Erfolge mit der 'Stummen von Portici' (1828) und 'Fra Diavolo' (1830) schon deutlich über vierzig Jahre alt war, darf man zu Recht von einem Spätstarter sprechen, der erst mit Anfang Zwanzig neben einer Ausbildung als internationaler Kunsthändler im Geschäft seines Vaters zu komponieren begann und nach der Förderung durch Luigi Cherubini mit der Opéra-comique 'Le Bergère châteaine' 1820 mit Ende 30 erste lokale Erfolge in Paris feierte.

Die vorliegende ‚erste‘ Folge – zu den Anführungszeichen kommen wir später – einer neuen Ouvertüren-Serie des Labels Naxos macht der Orchestermusik aus dieser erfolgreichsten ‚frühen‘ Oper des Spätstarters ebenso bekannt wie mit den Ouvertüren und orchestralen Zwischenspielen aus sieben weiteren Opern im Vorfeld der 'Muette de Portici'. 'Le Séjour militaire', Aubers dritte musikalische Komödie von 1813, ist als frühestes Beispiel ebenso dabei wie spätere Meilensteine – die auch in Deutschland längere Zeit beliebte Rettungsoper 'Le Maçon' (1825) oder 'Leicester, ou Le Château de Kenilworth' (1823) als Debüt einer Zusammenarbeit mit dem Meister-Librettisten Eugène Scribe. Acht Ouvertüren und acht eher kurze Entr'actes werden hier – bis auf das Vorspiel zu 'La Neige' – als wahrscheinliche Ersteinspielungen geboten (obwohl etwa 'Le Maçon' schon in Rundfunkmitschnitten vorlag), vom Stimmen-Material her neu eingerichtet vom Dirigenten dieser Aufnahme, Dario Salvi. Mit solchen umfassenden Ouvertüren-Reihen scheint das Label Naxos ein durchaus breiteres Publikum zu finden, so dass ein philologischer wie auch ein unterhaltender Aspekt – eher ‚leichte Orchestermusik‘ des späten 18. bis mittleren 19. Jahrhunderts – solche Produktionen durchaus marktgerecht zu tragen scheint.

Projekt einer Gesamtaufnahme

 

Mit einigen echten Ouvertüren-Schlachtrössern Aubers hat Naxos allerdings schon 2015/16 eine damals ‚erste‘ Folge mit Wolfgang Dörner und dem Orchestre de Cannes veröffentlicht. Nun ist nach dem Werbetext auf der CD-Rückseite offenbar in Zusammenarbeit mit Salvi ein neues ‚vollständiges‘ Projekt mit allen über 40 Ouvertüren Aubers geplant. Musikalisch mag man das bedauern, denn Dörners Aufnahme hatte durchaus musikalische Qualitäten, die man beim von Salvi geleiteten Tschechischen Kammerorchester aus Pardubice vermisst: Die Darbietungen klingen etwas hausbacken, haben kaum Schwung oder gar Witz und Charme, mitunter leicht unpräzise im Zusammenspiel und kaum kontrastiv in der Tempowahl und Dynamik. Noch in Erinnerung an Silvester so formuliert: Diese Stücke zünden nicht ganz so, wie sie sollten. Und das trotz kompositorischer Anlagen, die sich keineswegs nur in inspiriertem Rossini-Epigonentum erschöpfen – wie es der eigentlich informative Bookletbeitrag (nur engl./frz.) des am Projekt beteiligten Auber-Spezialisten Robert Ignatius Letellier etwas zu sehr nahelegt, sondern sich sehr wohl auch den bereits schnell auch im Konzertsaal etablierten großen Ouvertüren-Entwürfen Cherubinis annähern: Vor allem die Ouvertüre zu 'Le Maçon' zeigt da deutliche Anklänge an 'Anacréon' (bis auf das fehlende Gewitter) und an andere französische Vorbilder der Wende zum 19. Jahrhundert wie etwa Méhul.

 

Repertoire interessanter als die Interpretation

Die präsentierten Ouvertüren haben eigentlich wirklich Charme (die Zwischenspiele, die deren Materialbausteine oft knapp wiederholen, sind da eher entbehrlich) und würden von einer lebendigeren und souveräneren Interpretation gewaltig profitieren. Ein kundiger, imaginativer Hörer oder Musiker nimmt da eher das Potential jenseits dieser auch aufnahmetechnisch etwas zu stumpf geratenen Darbietungen wahr. Hoffentlich bessert sich das in den geplanten weiteren Folgen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Auber, Daniel-Francois: Overtures: Czech Chamber Philharmonic Orchestra, Dario Salvi

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
747313400577


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Auber, Daniel Francois


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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