> > > Aram Khachaturian: Piano Works: Iyad Sughayer, Klavier
Montag, 6. April 2020

Aram Khachaturian: Piano Works - Iyad Sughayer, Klavier

Furios und zornig


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Iyad Sughayer hat auf einer eindrucksvollen neuen Platte Khatschaturjans Klaviersonate und weitere Klavierwerke aufgenommen.

Na klar, der Säbeltanz. Und was sonst fällt einem zu Aram Khatschaturjan ein? Furchtbar viel vermutlich nicht, vielleicht der ein oder andere Auszug aus seinen 'Gayaneh'- und 'Spartacus'-Balletten, eventuell noch das Violinkonzert. Auch eine Klavier-Toccata gehört zu seinen leidlich bekannten Stücken, sie ist auch bei guten Amateurpianisten recht beliebt, weil sie ziemlich virtuos klingt, in Wirklichkeit aber noch halbwegs machbar ist.

Unter den Klavierwerken Khatschaturjans war‘s das auch schon, doch es gibt natürlich mehr, und der junge Pianist Iyad Sughayer hat nun bei BIS eine Auswahl vorgelegt. Er beginnt etwa mit der späten, ursprünglich 1961 komponierten Sonate, es ist allerdings leider nicht ganz klar, was für eine Fassung er spielt. Der ansonsten gelungene Beiheft-Text meint dazu nur, es sei die Version, die Khatschaturjan ‚vor seinem Tod hinterlassen hat‘. Doch es ist jedenfalls nicht die 1976er ‚Neufassung‘, die bei Sikorski mit dem Hinweis erschienen ist, der Komponist habe diese Fassung ‚zur einzig gültigen erklärt‘, denn Iyad Sughayer spielt im zweiten und dritten Satz mehrere kürzere Passagen, die sich in dieser Partitur nicht finden. Im dritten Satz sind die Abweichungen sogar ziemlich erheblich. Abgesehen davon macht man in seiner Aufnahme die Bekanntschaft mit einem höchst virtuosen, furiosen und zornigen Werk, das seine Muskeln vielleicht etwas zu sehr zur Schau stellt und vor allem rhythmisch geprägt ist. Das Werk einmal im Konzert zu hören wäre auf jeden Fall beeindruckend. Iyad Sughayer spielt draufgängerisch-rasante Tempi, mit den dynamischen Vorgaben geht er teils eher frei um.

Eindrucksvoll

Die bereits erwähnte Toccata ist natürlich auch enthalten und klingt in Iyad Sughayers Interpretation recht eindrucksvoll. Obwohl er, ebenso wie in einer Sonatine, das Tempo hier gar nicht übermäßig flott anschlägt, dient sie ihm als zündendes Finale seines Programms. Das umfasst ansonsten noch zwei sehr kleine, 1926 komponierte Stücke, ein deutlich umfangreicheres Poem aus dem Jahr darauf sowie eine Sammlung pädagogischer Miniaturen. Diese Kinderstücke sind keineswegs für Anfänger, sondern für schon ziemlich fortgeschrittene Schüler geeignet. Jedenfalls aber sind sie nicht unbedingt als Konzertstücke gedacht, insofern es ist überraschend, dass ihnen Iyad Sughayer immerhin fast 20 Minuten auf seiner Platte einräumt. Letztlich kommen sogar noch einmal zehn Minuten pädagogische Musik dazu, denn auch die Sonatine wurde für Schüler geschrieben, genauer für die der Musikschule Prokopjewsk. Die müssen allerdings schon ziemlich fit gewesen sein, um das Werk spielen zu können. Die technische Qualität der Aufnahmen wirkt ganz angenehm, aber auch nicht allzu brillant, insgesamt jedoch ist dies eine eindrucksvolle Platte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Aram Khachaturian: Piano Works: Iyad Sughayer, Klavier

Label:
Anzahl Medien:
BIS Records
1
Medium:
EAN:

CD SACD
7318599924366


Cover vergössern

Khachaturian, Aram


Cover vergössern

BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag BIS Records:

  • Zur Kritik... In verwandtschaftlicher Linie: Carolyn Sampson erkundet bekannte und unbekanntere britische Lieder. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Dunkler Sog: Eine große Passion, in Substanz und Faktur wie in Deutung und künstlerischer Ambition. Masaaki Suzuki und sein Bach Collegium Japan mit einem veritablen Lebenszeichen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ungehörte Melangen: Joël Bons präsentiert seine neue Komposition 'nomaden'. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
blättern

Alle Kritiken von BIS Records...

Weitere CD-Besprechungen von Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Farbige Folklore: Das Philharmonische Orchester Ruse spielt Orchesterwerke von Pantscho Wladigerow im bulgarischen Nationalstil. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Verspielt, aber kaum expressiv: Das Ensemble Confoederatio spielt Kammermusik für Bläser und Klavier von Francis Poulenc. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Nie gehörter Schostakowitsch: Mark Fitz-Gerald dirigiert zwei bislang nie aufgenommene Partituren von Schostakowitsch, die er teilweise selbst rekonstruiert hat. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Am Puls der deutschen Romantik: Friedrich Schneider (1786-1853) galt zeitweise als einer der führenden deutschen Oratorien- wie auch Orchesterkomponisten. Dreißig Jahre wirkte er in Dessau. Das dortige Orchester schenkt ihm mit dieser Aufnahme eine eindrucksvolle Visitenkarte. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Alternative Passion: Hermann Max und seine Ensembles mit einer sehr schönen Telemann-Passion: Sie zeigt den Komponisten im Vollbesitz seiner gestaltenden Kraft. Telemann war ohne Zweifel ein ganz und gar außergewöhnlicher Könner. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Merkwürdige Mischung: Eine merkwürdige programmierte Veröffentlichung dient wenig dem Komponisten und auch nur wenig den Interpreten. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Dmitri Kabalewski: 4 Préludes op.5

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich