> > > Richard Strauss: Symphony op.12, Concert Ouverture : Deutsche Radio Philharmonie, Hermann Bäumer
Freitag, 5. März 2021

Richard Strauss: Symphony op.12, Concert Ouverture - Deutsche Radio Philharmonie, Hermann Bäumer

Frühes vom späteren Meister


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Neueinspielungen früher Orchestermusik von Richard Strauss ist klanglich attraktiv, ermöglicht aber nicht unbedingt ein besseres Verständnis des späteren Klangmagiers.

Würde irgendwer nach den beiden hier vorgestellten Werken krähen, stände nicht der Name Richard Strauss drauf? Zwei ‚Jugendwerke‘ des noch unfertigen Neunzehnjährigen (obschon schon Strauss‘ zweite Sinfonie), handwerklich gut gearbeitet, aber noch weit entfernt von jenem Genie, für das er heute bekannt ist. Auch formbezogene oder stilistische Eigenheiten, die im Booklettext Erwähnung finden, sind für seine Zeit kaum wirklich spektakulär neu.

In beiden Werken ist die formale Meisterschaft Strauss‘ durchaus stetig erkennbar – da gibt es keinen Takt zu viel, der Einsatz der Orchesterinstrumente ist klug austariert (gerade die Mittelstimmen sind nicht selten schon typisch straussisch) und fein abgestimmt (und es gibt ‚Vorschatten‘, die bis zur 'Alpensinfonie' reichen). Zeitgenössische Statements des jungen Komponisten bestätigen, dass Strauss musikalische Konzisheit und Zielgerichtetheit von großer Wichtigkeit waren und ggf. auch die Wiederholung des ersten Teils des Finales geopfert werden musste, um einem inneren Formideal nahezukommen.

Große Klarheit

Mit großer Klarheit bietet die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Hermann Bäumer beide Werke, entstanden 1883(/34), dar – sich gelegentlich im Detail verlierend, dem lyrischen Nebengedanken nachspürend. Die aus den Partituren sich bietenden Effekte werden voller Wonne (aber nicht immer mit Geschmack) ausgekostet. In der Konzertouvertüre werden Bezüge zu Mendelssohn herausgearbeitet (die Strauss sicher eher im Hintergrund hätte halten wollen), vor allem aber mangelt es gelegentlich an Geradlinigkeit in der ‚Zielverfolgung‘ – hierdurch wirkt das Werk länger als es ist. Im Grunde, so ist zu spüren, ist das Idiom der Musik nicht wirklich verstanden.

Noch ‚alpensinfoniger‘ geriert sich die Sinfonie, die tatsächlich eben jene diatonische Abwärtsbewegung an den Anfang stellt, die später in der 'Alpensinfonie' in großer Geste überhöht wurde. Das viersätzige, knapp dreiviertelstündige Werk wartet mit einigen charmanten Eigenheiten auf, die hier aber kaum in hinreichender Weise hervorgearbeitet werden. Dies liegt zum einen (auch hier) daran, dass Strauss‘ Orchesteridiom nicht wirklich verstanden ist, das Verhältnis der Haupt- und Nebenstimmen zueinander nicht ganz stimmt. Auch darf man sich wundern, dass eine rundum gelungene Klangbalance nicht gelungen ist – die Blechbläser sind teilweise in merkwürdiger Weise dem Restorchester nicht harmonisch verbunden, und selbst die Holzbläser und die Streicher ergeben nicht immer ein in sich schlüssiges Ganzes.

So ergeben sich Untiefen in der Musik, die eigentlich gar nicht vorhanden sind, sondern die sich das Orchester selbst schafft. Vor allem Steigerungen sind nicht immer organisch aufgebaut – hier geraten die Musiker gelegentlich in eine Art ‚Bruckner-Stimmung‘, die hier unangebracht ist (während die Reverenz in Richtung Russland der Musik stärker inhärent ist und hier auch mit Sinn herausgearbeitet wird). Das Scherzo hätte noch mehr Leichtigkeit und Eleganz vertragen können – im gesanglichen Trio fühlen sich die Musiker hörbar noch stärker wohl. In ungesündester ‚Klangrede‘ wird der natürliche Fluss des Finales immer wieder beeinträchtigt – seit Karl Anton Rickenbachers Standardeinspielung mit den Bamberger Symphonikern müsste man eigentlich wissen, wie dieser Satz zu spielen ist. So erweist sich die Neuveröffentlichung klanglich zwar als attraktiv, musikalisch aber als nicht der Weisheit letzter Schluss.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Richard Strauss: Symphony op.12, Concert Ouverture : Deutsche Radio Philharmonie, Hermann Bäumer

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203529025


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Strauss, Richard
 - Concert Overture in C minor -
 - Symphony op.12 in F minor - Allegro ma non troppo, un poco maestoso
 - Symphony op.12 in F minor - Scheerzo. Presto
 - Symphony op.12 in F minor - Andante cantabile
 - Symphony op.12 in F minor - Finale. Allegro assai, molto appasionato


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Dirigent(en):Bäumer, Hermann
Orchester/Ensemble:Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
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