> > > Pierantonio Tasca: A Santa Lucia: Anhaltinisches Theater Dessau, Markus Frank
Mittwoch, 8. April 2020

Pierantonio Tasca: A Santa Lucia - Anhaltinisches Theater Dessau, Markus Frank

Neapolitanische Volkstragödie


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die szenische Wiederentdeckung von Pierantonio Tascas Verismo-Reißer 'A Santa Lucia' in Dessau macht auch rein akustisch Effekt.

Wenn der Einakter 'Cavalleria rusticana' von Pietro Mascagni auf dem Spielplan steht, gibt es nach der Pause meistens Leoncavallos 'Pagliacci'. Doch ganz so untrennbar sind die veristischen Zwillinge nicht mehr. Eine interessante Alternative bot das Anhaltische Theater Dessau an, als es im April 2017 die sizilianische Bauerntragödie mit dem neapolitanischen Volksdrama 'A Santa Lucia' von Pierantonio Tasca kombinierte. Die ungewöhnliche, aber sinnvolle Kombination ging auf die Initiative des dortigen Operndirektors und Chefdramaturgen Felix Losert zurück, der das Werk wiederentdeckt und bereits 2002 in Auszügen konzertant in Erfurt vorgestellt hatte.

Pierantonio Tasca wurde 1858 im sizilianischen Noto geboren und starb dort 1934. Von seinen Opern hatte nur 'A Santa Lucia' Erfolg. Zu verdanken war dies im wesentlichen Gemma Bellincioni, eine der prägenden Verismo-Diven. Sie hatte schon in der Uraufführung von 'Cavalleria rusticana' mitgewirkt und suchte nach neuen Rollen. Die Partie der Rosella war maßgeschneidert für ihre expressive Darstellungskunst – eine mittellose Frau, die heimlich mit Ciccillo, dem Sohn eines Austernhändlers, liiert ist, ein Kind mit ihm hat und Selbstmord begeht, als sie durch Intrigen einer Rivalin von ihrem Geliebten fälschlicherweise der Untreue bezichtigt wird. Die Premiere von 'A Santa Lucia' fand 1892 auf Bestreben der Bellincioni an der Berliner Krolloper statt, an die sich europaweite Gastspiele anschlossen. Aufgrund des Erfolges erhielt Tasca vier Jahre später eine Anstellung am neu gegründeten Theater des Westens, doch konnte er nicht nachhaltig Fuß fassen. Keine seiner weiteren Werke behaupteten sich und auch 'A Santa Lucia' geriet nach dem Rückzug der Bellincioni in Vergessenheit. Dabei ist die Kurzoper durchaus lebensfähig, wie die Aufführungsserie in Dessau und die auf ihr basierende Einspielung durch cpo beweist.

Effektvoll in Szene gesetzt

Die melodramatische Handlung und das naturalistische Milieu – in diesem Fall neapolitanische Fischersleute – sind effektvoll in Musik gesetzt. Es gibt große Chorszenen, emotionsgeladene Soli und Duette, illustrative Orchesterpassagen, einschließlich Präludium und Intermezzo, und viel Lokalkolorit mit Mandolinenmusik, Tarantella und Fischergesängen. Die Aufnahme ist ein Zeugnis von der Leistungskraft des Dessauer Hauses. Alle Rollen sind mit Ensemblemitgliedern besetzt, vor allem Iordanka Derilova erweist sich als hochdramatische, ausdrucksstarke Tragödin. Rita Kapfhammer ist eine ebenbürtige Gegenspielerin, die ihre Intrige mit kultiviertem, subtil charakterisierendem Mezzosopran spinnt. Ray M. Wade, Jr. als Ciccillo besitzt einen kraftvollen Tenor, der ebenso zu lyrischen Farben fähig ist. Und auch Ulf Paulsen als Austernhändler kann den Wunsch eines alternden Mannes nach Liebe stimmlich beglaubigen. Der Dirigent Markus L. Frank ist ein leidenschaftlicher Anwalt für Tascas Partitur und kitzelt mit Chor und Orchester die volkstümlichen Stimmungen subtil heraus. Die klanglich einwandfreie Einspielung kann man jedem Verismo-Fan ans Herz legen – das vorzügliche Booklet ist ein zusätzlicher Pluspunkt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Pierantonio Tasca: A Santa Lucia: Anhaltinisches Theater Dessau, Markus Frank

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203518128


Cover vergössern

Tasca, Pierantonio
 - A Santa Lucia - Preludio
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -
 - A Santa Lucia -


Cover vergössern

Dirigent(en):Frank, Markus
Orchester/Ensemble:Anhaltische Philharmonie Dessau


Cover vergössern

cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag cpo:

  • Zur Kritik... Passion erzählt: Passionen zwischen Schütz und Bach? Ja, die gab es. Johann Theile mit einem sehr schönen Beispiel für Entwicklungen und Tendenzen. Weser-Renaissance Bremen und Manfred Cordes setzen ihre Reihe mit Musik aus Wolfenbüttel gelungen fort. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Am Puls der deutschen Romantik: Friedrich Schneider (1786-1853) galt zeitweise als einer der führenden deutschen Oratorien- wie auch Orchesterkomponisten. Dreißig Jahre wirkte er in Dessau. Das dortige Orchester schenkt ihm mit dieser Aufnahme eine eindrucksvolle Visitenkarte. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Alternative Passion: Hermann Max und seine Ensembles mit einer sehr schönen Telemann-Passion: Sie zeigt den Komponisten im Vollbesitz seiner gestaltenden Kraft. Telemann war ohne Zweifel ein ganz und gar außergewöhnlicher Könner. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von cpo...

Weitere CD-Besprechungen von Karin Coper:

  • Zur Kritik... Liebe macht gesund: Nachträglich zum 200. Geburtstag von Stanislaw Moniuszko stellt die Oper Krakau eine charmante Einspielung seines letzten Bühnenwerk 'Beata' vor. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Offenbach im Doppelpack: Zum Ende des Offenbachjahrs kredenzt Michael Alexander Willens mit der Kölner Akademie und einem Gesangstrio die Weltpremiere des Einakters 'Sur un volcan'. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Wiedergeburt der Opera buffa: Die Oper 'Die vier Grobiane' von Ermanno Wolf-Ferrari überzeugt im Livemitschnitt aus München unter der Leitung von Ulf Schirmer. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle Kritiken von Karin Coper...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Breiter Querschnitt: Eine neue Doppel-CD enthält ganz verschiedene Werke des deutsch-niederländischen Komponisten Julius Röntgen in Aufnahmen aus den 1990er Jahren. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Komponierender Dirigent oder dirigierender Komponist?: Obwohl José Serebrier auf dieser CD auch dirigiert, steht er doch vor allem als Komponist im Vordergrund. Besonders überzeugen kann hierbei sein Flötenkonzert. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
  • Zur Kritik... Passion erzählt: Passionen zwischen Schütz und Bach? Ja, die gab es. Johann Theile mit einem sehr schönen Beispiel für Entwicklungen und Tendenzen. Weser-Renaissance Bremen und Manfred Cordes setzen ihre Reihe mit Musik aus Wolfenbüttel gelungen fort. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich