> > > Felix Draeseke: String Quartets Vol.1: Constanze Quartett
Dienstag, 18. Februar 2020

Felix Draeseke: String Quartets Vol.1 - Constanze Quartett

Voller Energie


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Constanze Quartett eröffnet eine vielversprechende Gesamtschau der Streichquartette von Felix Draeseke.

Die Erkundung unbekannten Repertoires durch das Label cpo trägt stetig neue hocherfreuliche Früchte. Nun hat das in Salzburg gegründete Constanze Quartett (Emeline Pierre, Esther Gutierrez Redondo, Sandra García Hwung und Marion Platero) sich Felix Draesekes angenommen und erfüllt die beiden ersten Quartette opp. 27 und 35 (1880 bzw. 1886) mit Verve, Charme und Energie.

Gerne wird bei Komponisten dieser Zeit von musikalischem Akademismus gesprochen – bedingt zumeist durch die vorurteilsbehaftete Sicht der Nachfolgegeneration, die, um Platz für ihre eigenen Werke zu schaffen, die Kompositionen der vorhergehenden Generation fast zwangsläufig beiseiteschieben (wollen) musste. In der Tat sind beide Quartette viersätzig, entsprechen formal den Erwartungen, doch weisen sie gleichermaßen kontrapunktische Dichte, ausgewogene Textur, harmonischen Reichtum und emotionale Tiefe auf. Je genauer man bei Draesekes Kammermusik hinhört, umso beeindruckter ist man von seiner satztechnischen Finesse, der Ausgewogenheit seiner musikalischen Strukturen, der Folgerichtigkeit seiner Entwicklungen sowohl innerhalb des einzelnen Werkes als auch der beiden Quartettkompositionen hintereinander.

In allerbesten Händen

Draesekes musikalische Konzeptionen sind beim Constanze Quartett in den allerbesten Händen. Das Verständnis für die Makro- wie die Mikrostrukturen ist jeden Moment unüberhörbar, der Wille auch die Schwere mancher Texturen hervorzuheben ebenso wie das sorgsame Aufeinanderhören und -reagieren, jene so wichtige Qualität homogener Streichquartettformationen. Die Ausarbeitung der harmonischen wie der kontrapunktischen Qualitäten der Musik, die musikhistorische Verortung (post-Schumann und fast ganz selbstständig neben Brahms, Herzogenberg und anderen Zeitgenossen) und der durchaus eigene Ensembleklang – dies alles bewirkt Interpretationen aus einem Guss und eigenen Charakters.

Schubert-Zitate im Menuett des ersten Quartettes und die Schumann-Referenz im Finale des zweiten Quartetts lassen die Vergangenheit lebendig werden, machen klar, in welcher Tradition sich Draeseke (nicht zu Unrecht) sieht. Im zweiten Quartett wird die satztechnische Finesse noch überboten im Vergleich zum ersten, der werkimmanente eigene ‚Ton‘ fast haptisch wahrnehmbar; das Scherzo, hier an zweiter Stelle, wird in furioser Energie erkundet. Aufnahmetechnisch ist die Produktion erwartungsgemäß tadellos (sehr schön der Stereo-Effekt im Finale des ersten Quartetts), und auch am Booklet wäre höchstens ein Überangebot an Informationen zu kritisieren. Wir freuen uns auf die nächste Folge.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Felix Draeseke: String Quartets Vol.1: Constanze Quartett

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203528127


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Draeseke, Felix
 - String Quartet No.1 op. 27 - Allegro risoluto
 - String Quartet No.1 op. 27 - Largo
 - String Quartet No.1 op. 27 - Menuetto - Intermezzo
 - String Quartet No.1 op. 27 - Presto con fuoco
 - String Quartet No.2 op. 35 - Allegro moderato
 - String Quartet No.2 op. 35 - Scherzo. Allegro vivace
 - String Quartet No.2 op. 35 - Adagio molto espressivo
 - String Quartet No.2 op. 35 - Allegro molto vivace


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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