> > > Gesualdo: Secondo Libro di Madrigali: La Compagnia del Madrigale
Sonntag, 12. Juli 2020

Gesualdo: Secondo Libro di Madrigali - La Compagnia del Madrigale

Leuchtendes Rotgold


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Compagnia del Madrigale begreift Gesualdos zweites Madrigalbuch absolut zutreffend: Die Vokalisten überfrachten die Musik nicht mit den ästhetischen Ansprüchen der späteren Sammlungen. Und sie singen ganz einfach hinreißend.

Beim Label Glossa hat die Compagnia del Madrigale wie schon so oft eine randvolle Madrigal-Platte vorgelegt, mit Carlo Gesualdos zweitem Madrigalbuch im Zentrum. Und das klingende Ergebnis ist neben seiner schieren Qualität geeignet, einen oft gemachten Fehler zu korrigieren. Nämlich den, angesichts des Namens Gesualdo in Verbindung mit der Gattung des Madrigals automatisch nichts als das harmonisch Exaltierte, das Ausufernde, das mit dem üblichen Verständnis und technischen Besteck nur mehr schwer Verständliche zu erwarten – das es in den beiden ersten Madrigal-Büchern des Fürsten von Venosa eben nicht gibt. Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch hier ist ein erlesener Satz zu hören, kontrapunktisch durchwirkt, klangsinnlich und schon erkennbar entschieden in der Wort- und Affektdeutung. Aber eben noch weit entfernt von den artifiziellen Bizarrerien späterer Arbeiten.

Klare Faktur

Veröffentlicht wurde das zweit Buch 1594, vier Jahre nach dem Ehrenmord Gesualdos an seiner Frau und deren Liebhaber und unter neuen Lebensumständen: Gesualdo war als noch immer junger Fürst aus dynastischen Gründen für eine neue Heirat ins Ferrara der Familie d‘Este vorgesehen und machte sich 1593 auf den Weg dorthin. Für ihn selbst war dieser Schritt mit Blick auf Ferrara und die reiche musikalische Tradition dort zumindest mit künstlerischen Hoffnungen verbunden, vielleicht mehr als mit persönlichen. Jedenfalls versammelte er in diesem zweiten Buch der Madrigale Sätze von lichter Qualität und klarer Faktur, fasslich und mild in den Affekten, dazu edel in der Ausarbeitung: Leuchtendes Rotgold am Firmament der Madrigalkunst jener Zeit. Neben diese 14 Madrigale hat die Compagnia del Madrigale weitere Sätze von Komponisten gestellt, die hörbar von Gesualdo – wenn auch deutlich dem späteren – geprägt waren: Neben den bekannten Giovanni de Macque und Sigismondo d‘India stehen Pomponio Nenna und Giuseppe Palazzotto Tagliavia – teils Zeitgenossen, die Gesualdos Kunst begleiteten oder spiegelten, teils zeitliche und ästhetische Nachfolger, die auf ihr Vorbild kreativ reagierten. Und man übertreibt nicht, wenn man sagt: Alle hier genannten Komponisten greifen deutlich tiefer in die satztechnische Trickkiste, als es Gesualdo in seinem zweiten Madrigalbuch tat.

Fabelhaftes Ensemble

Die sechsköpfige Compagnia del Madrigale hat sich in den vergleichsweise wenigen Jahren ihres Bestehens als Referenzensemble für das italienische Madrigal in seinen verschiedenen Ausprägungen etabliert. Und auch hier zeigt sich die Formation stupend sattelfest, klangprächtig in wunderbar fließenden Gesten. Jede Einzelstimme ist delikat geführt und von individuellem Gepräge – und dann vollzieht sich regelmäßig, wie auf allen Vorgängerplatten, das Wunder, dass sich dieses üppige sängerische Potenzial zu einem atmenden, hörenden, einmalig timbrierten Ganzen fügt, das geradezu aufgeht im musikalischen Medium des Madrigals.

Dem Charakter des zweiten Madrigalbuchs entsprechend, stehen feine, nuancierte Töne sehr im Vordergrund, sind die Vokalisten in ihrer Kunst des Abschattierens von Effekten gefordert: Sie reüssieren vollkommen, nobilitieren das kompositorisch Hochstehende nochmals. Dynamisch gelingt die perfekte Kontrolle, werden mit differenziertem Zugriff schlüssige Entwicklungen auf engstem Raum gezeichnet, die immer aus der musikalischen Substanz heraus motiviert und stimmig kontextualisiert sind. Zum positiven Befund trägt genauso die traumwandlerisch sichere Intonation bei, leicht und delikat in der Wirkung; im zweiten Teil ist das Ensemble in dieser Hinsicht mehr gefordert und besteht auch diese Probe mühelos, wenn erratische Linien und avancierte Harmonik souverän durchmessen werden. Das Ensemble singt hier nochmals lyrischer als in Aufnahmen rhetorisch avancierterer Madrigale, wirkt gesammelter als im Repertoire des späten Gesualdo oder vergleichbarer Musik. Das Klangbild gerät stimmig, harmonisch, dabei klar und überzeugend strukturiert. Die Compagnia del Madrigale begreift Gesualdos zweites Madrigalbuch absolut zutreffend: Die Vokalisten überfrachten die Musik nicht mit den ästhetischen Ansprüchen der späteren Sammlungen. Und sie singen ganz einfach hinreißend.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gesualdo: Secondo Libro di Madrigali: La Compagnia del Madrigale

Label:
Anzahl Medien:
Glossa
1
Medium:
EAN:

CD
8424562228092


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Gesualdo, Don Carlo


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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