> > > Morton Feldman: Patterns in a chromatic field: Mathis Mayr, Antonis Anissegos
Montag, 27. September 2021

Morton Feldman: Patterns in a chromatic field - Mathis Mayr, Antonis Anissegos

Musikalische Perserteppiche


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Matthis Mayr und Antonis Anissegos veröffentlichen eine der eher seltenen Aufnahmen von Morton Feldmans Spätwerk 'Patterns in a chromatic field'.

Im Gegensatz zu anderen Werken Morton Feldmans existieren nur wenige Aufnahmen von 'Patterns in a chromatic field'. Die nun beim Label WERGO erschienene CD des Cellisten Mathis Mayr und des Pianisten Antonis Anissegos stellt somit eine willkommene Ergänzung in diesem ‚chromatischen Feld‘ dar.

Morton Feldman komponierte und konstruierte die Patterns 1981, sechs Jahre vor seinem Tod, nachdem er seine Sammlung von Perserteppichen intensiv betrachtet hatte. Inspiration waren die sich darin wiederholenden Muster. Diese, so beobachtete er, sind jedoch aufgrund geringer Farbtonabweichungen in der handgefärbten Webware nicht absolut identisch, sondern immer leicht verändert. Nach diesem Vorbild der Differenziertheit in der Wiederholung versuchte Feldman, diese Abweichungen im Farbton in Musik zu übersetzen, und entwarf ein musikalisches Klangflächenfeld für Cello und Klavier.

Trotz der häufig längeren Klangflächen ist 'Patterns' ein eher rhythmisches Werk, das auch mit den perkussiven Elementen der beteiligten Instrumente arbeitet. Auch Feldmans Gedanken zur Relativität der Zeit kommen zum Ausdruck: Zum Ende seines Lebens beschäftigte er sich damit, wie Musik erinnert wird und wie dieses Gedächtnis mit dem Erleben von Zeit zusammenhängt. Er wollte herausfinden, ob Zuhörer die Fähigkeit besäßen, die gehörten musikalischen Formen wahrzunehmen, später zu erinnern und erneut zu erkennen. Durch kleine Veränderungen dieser Formen und Motive wird die Erwartung der Hörer jedoch bewusst nicht erfüllt. Laut Feldmans Vorstellung soll dies die Zuhörer in der Gegenwart halten, die Erinnerung an die Vergangenheit verschleiern und den Blick in die Zukunft unmöglich machen. Für einige Zuhörer kann das meditativ wirken, für andere eher aufreibend. Das Werk lebt also stark von seiner Unmittelbarkeit, von der Direktheit des Momentes, in dem es entsteht. Da dieser Zustand schwer einzufangen und auf der eigenen Couch nachzuempfinden scheint, sind Aufnahmen solcher Kompositionen eher rar.

Intimes, atmendes Spätwerk

Mayr und Anissegos stellen auf dieser neuen CD ihre interpretatorischen Fähigkeiten jedoch ganz in den Dienst von Feldmans schwebender Klangarchitektur und schaffen damit einen privaten, direkten Klang. Ohne Attitüde oder großen Gestus erforschen sie die Komposition, verzichten dabei aber nicht auf eine eigene Sprechart: Beide Interpreten sind auf dem Gebiet der Neuen Musik ebenso bewandert wie in experimenteller elektronischer Musik. So entsteht eine durchdachte Einspielung, die neben der musikalischen auch die technische Seite der Aufnahme bedenkt. So wurde die CD im modern ausgestatten und auf Neue Musik ausgerichteten Hertz-Labor am Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe ZKM aufgenommen und gemastert. 

Das Resultat sind intime, atmende achtzig Minuten von Feldmans Spätwerk, die den Hörer den Interpreten sehr nahetreten lässt. Mayr und Anissegos wirken wie ein sehr vertrautes Duo, in vielen Momenten fließen die Klänge der beiden Instrumente ineinander. Mayr entlockt dem Cello teilweise Klänge, die eher an ein Theremin oder auch eine Flöte erinnern, Anissegos Spiel schwankt wohldosiert zwischen perkussiv und sanft, begleitend und führend. Dank der technischen Raffinesse der Interpreten und der Aufnahmetechnik treten die verschiedenen Methoden, mit denen Feldman arbeitete, in den Vordergrund: die Symmetrie in der Anlage des Werkes, die Feinheiten in Dynamik und Tempo ebenso wie der von Feldman häufig gewünschte gedämpfte, verfremdete Klang der Instrumente. Durch das Zusammenspiel zwischen Komposition, künstlerischer Interpretation und technischer Umsetzung gelingt tatsächlich eine Aufhebung des Fortschreitens der Zeit, eine Reduktion auf das Wesen des Momentes, auf Atem und Herzschlag. Diese CD kann in der jetzigen Situation dabei behilflich sein, sich aus dem Strom der Meldungen von Fallzahlen und Zwischenfällen zu befreien – so man sich die Zeit dafür nimmt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Morton Feldman: Patterns in a chromatic field: Mathis Mayr, Antonis Anissegos

Label:
Anzahl Medien:
WERGO
1
Medium:
EAN:

CD
4010228738223


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Feldman, Morton


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WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


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