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Montag, 26. Juli 2021

Duo animé - Werke von Dvorak, Janacek, Martinu, Suk - Lenka Matejakova, Dariya Hrynkiv

Glockenspiel und drohendes Schicksal


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tschechische Kammermusik für Violine und Klavier in einer neuen Aufnahme mit dem Duo Lenka Matějáková (Violine) und Dariya Hrynkiv (Klavier). Ihre Interpretationen sind allerdings noch ausbaufähig.

Das Leipziger Label Genuin bringt mit dem Künstlerduo Lenka Matějáková (Violine) und Dariya Hrynkiv (Klavier) eine Kammermusik-CD heraus, die ihren Fokus auf die tschechische nationale Schule richtet: ‚Kein halbes Jahrhundert liegen die Geburtsdaten jener vier Komponisten auseinander, die […] auf je eigene Weise die nationale tschechische Kunstmusik mitgeprägt haben. [Die Werke von] Antonín Dvořák, Leoš Janáček, Josef Suk und Bohuslav Martinů nähren Stile, für die Begriffe wie Romantik, Expressionismus und Neoklassizismus stehen‘, schreibt Karsten Blüthgen in seinem lesenswerten Booklet-Vorwort. Allerdings ist die Ausführung dieser Werke nicht restlos gelungen, weil die Interpretation zu gleichförmig angelegt wird und der Geigerin teils technisches Vermögen fehlt (zu wenig Variationsbreite ihres Vibratos) und die Aufnahme nicht über gutes studentisches Masterabschluss-Diplom-Niveau herausragt.

Inbegriff romantischen Ausdrucks

Die CD beginnt mit den beliebten, oft eingespielten vier 'Romantischen Stücken' op. 75 von Antonín Dvořák. Sie sind in einer Lieblichkeit und musikalischen Weise geschrieben und auch hier zu hören, die gleich Sympathie erweckt. Gleich die Nummer eins ('Allegro moderato') ist der Inbegriff romantischen Ausdrucks: Hier schwelgt die Geige über den harmonischen Fortbewegungen der Klavierstimme. Lenka Matějáková zeigt hier viel Gefühl und verfügt über ein geschmackvolles Portamento, spielt dieselben Stellen nicht nur hier immer mit dem gleichen Fingersatz. Dariya Hrynkiv am Klavier überzeugt mit nuancenreicher, präziser Anschlagskultur. Das ergänzt sich vorteilhaft. Härte zeigt der Zugriff der beiden im 'Allegro maestoso', aber warum nehmen die beiden hier so ein Sicherheitstempo? Dadurch wirken die ohne Ziel geführten 3-fach-Akkordschläge schlaff und müde. Zwar herrscht hier hin und wieder das fantastische, märchenhafte, erzählerische Element, das auch in Dvořáks Oper 'Rusalka' regiert, aber beim Duo Matějáková/Hrynkiv gewinnt dieser künstlerisch wichtige Aspekt nicht die Oberhand.

Auf spitzen Füßen imitiert das Klavier Glockenspiel einerseits, andererseits drohendes Schicksal. Man hört, dass es kein Konzertflügel ist, der im Spiegelsaal des Barockschloss Rammenau/Sachsen zur Aufnahme im November 2018 zur Verfügung stand, denn der Sound im Bassbereich ist nicht endlos voluminös, aber das ist kein ausschlaggebender Einwand. Die Geige klingt über weite Strecken immer schön hier und ist durchhörbar, liegt wie Samt auf der Klavierstimme, aber das reicht nicht mehr heutzutage, wenn etwas später die Oktaven nicht ganz sauber intoniert sind, wie im 'Allegro appassionato', das vom Fluss her an die Nummer eins anknüpft. Hier blüht der Violinklang über einem in der Mittelstimme zirkulierenden Harmoniegerüst auf. Eine traurige Note bringt das 'Larghetto': Da fasst die Geigerin das geforderte Fortissimo nicht als Gefühlsausbruch auf, sondern bleibt resignierend in lethargischer Verzweiflung stecken. Zu schmerzerfüllt sind da die abwärts sinkenden Sexten. Der virtuose Mazurek e-Moll op. 49 ebenfalls von Dvořák ist, was die Intonation der Terzen eingangs angeht, inakzeptabel. Da verliert der Hörer schnell die Lust an dieser Geigerin, die sich mit Kollegen wie So Jin Kim oder Ioana Cristina Goicea nicht messen kann, um nur zwei Beispiele von Künstlerinnen zu nennen, die ebenfalls beim Label Genuin zuletzt veröffentlichten. Die Einengung nur auf tschechische Meister ist bei dieser Platte auch eher problematisch.

Auch Leoš Janáčeks (1854-1928) Violinsonate (1912/21) bringt nicht die Wende für die beiden Interpretinnen. Da ist der erste Satz zu leidenschaftslos gegeigt. Sicher ist das keine schlechte und auch keine langweilige Musik, aber eben plätschert hier alles ein wenig vor sich hin. Die 'Ballada. Con moto' beschreibt (1912!) zum Teil noch jenes Fin-de-siècle-Gefühl der Alten Welt vor dem Ersten Weltkrieg, eine Mischung aus Dekadenz und Märchen-Prinzessinnen-Welt. Aber die Violinistin beugt sich dort nicht tief genug hinein, findet nicht den Schlüssel, um jenes Geheimnis, das in dieser Musik steckt, zu lüften. Die Aufnahmebalance ist zudem arg violinlastig ausgelegt.

Schlanke Miniaturen

Noch zwei Werke unbekannterer Art sind auf dieser Neuveröffentlichung enthalten: Bohuslav Matinůs (1890-1959) viersätziges 'Intermezzo' H.261 sowie von Josef Suk die 'Vier Stücke für Violine und Klavier' op. 17. Als die 'Intermezzi' entstanden, lebte Martinů, gebürtig aus Ostböhmen, mit seiner Frau in Paris. Ein bisschen dieser unbekümmerten, lockeren Atmosphäre ist in diesen schlanken Miniaturen eingefangen. Es ist keine gedankenschwere Musik wie die eines Brahms, hier regiert mehr der zeitlose, heitere Unterhaltungssinn, aber auf eine sehr intime, freundliche Art. Auch hier wünscht man sich mehr geigerischen Zugriff, z. B. im marschartig-düsteren „Poco Allegro“. Da hat das Duo die möglichen Klangfarben noch nicht aufgespürt. Der Kontrast zum ruhigen 'Andante' dürfte gern noch deutlicher ausfallen. Das Klavier verbleibt auch hier zu blass im Hintergrund. Im letzten Satz weicht der Komponist hingegen der Konfrontation aus und schickt sein Kind hinein ins Volkstümliche, Heiter-Beschwingte: nichtssagend.

Als Matinůs Lehrer Josef Suk (1874-1935) als 26-jähriger seine 'Vier Stücke' verfasste, hatte er noch andere Vorstellungen. Seine Ballade atmet noch den Duft der Salons der Jahrhundertwende. Als Schwiegersohn Antonín Dvořáks und bekannter Violinist hatte Suk sein kompositorisches Schaffen zunächst an sein berühmtes Vorbild angelehnt. Gewichtiger als Matinůs kleinformatige Sätze zeigt sich das erste der vier Stücke, allerdings ist Lenka Matějáková nicht darauf erpicht, aus den Noten eine entsprechend fantasievolle Geschichte zu erzählen. Ihr Vibrato ist auch hier zu schmal für ein hochromantisches Werk, manchmal zu dürftig oder fehlt ganz. Vieles klingt zu ähnlich, nicht abwechslungsreich phrasiert. Kurzum, es mangelt hier noch an künstlerischer Finesse. Leider gibt es auch im dritten Satz deutlich hörbare peinliche Intonationsschwächen, die Genuin-Tonmeister Alfredo Lasheras Hakobian so nicht hätte passieren lassen dürfen. Der letzte Satz ist eine streckenweise ziemlich platte Komposition, die nur auf Virtuosität gebürstet ist. Vielleicht ist dieses Urteil hart, doch die Veröffentlichungsflut auf dem CD-Markt lässt die Frage aufkeimen: Brauchen wir immer mehr mittelmäßige Einspielungen?

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Duo animé - Werke von Dvorak, Janacek, Martinu, Suk: Lenka Matejakova, Dariya Hrynkiv

Label:
Anzahl Medien:
Genuin
1
Medium:
EAN:

CD
4260036256710


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Dvorák, Antonín
Janácek, Leos
Martinu, Bohuslav
Suk, Josef


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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