> > > Händel, Georg Friedrich: Brockes-Passion: Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen
Samstag, 4. Februar 2023

Händel, Georg Friedrich: Brockes-Passion - Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen

Kurzweilige Passion


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Lars Ulrik Mortensen und seinem Ensemble gelingt mit dieser 'Brockes-Passion' eine überzeugende Gratwanderung zwischen theatraler Emotionalität und effektvoller Zurückhaltung.

Die Passionsdichtung von Barthold Heinrich Brocke aus dem frühen 18. Jahrhundert wurde von vielen Komponisten vertont, 1716 auch von Georg Friedrich Händel. Wären die Passionen von Johann Sebastian Bach nicht von solcher Kraft und Übermacht, gäbe es vielleicht häufiger auch Aufführungen von Händels Passions-Version. Brockes Textvorlage ist in Versform gedichtet, drastisch in ihren Bildern und zielt ohne Umwege auf die Emotionen der Zuhörer. Distanz lässt sich da schwer wahren, die Leidensgeschichte Jesu wandelt sich zum Bühnendrama für die Ohren.

Wie kurzweilig und intensiv die ‚Brockes-Passion‘ von Händel klingen kann, zeigt die willkommene Einspielung beim Label cpo mit dem Concerto Copenhagen unter der Leitung von Lars Ulrik Mortensen vom Januar 2019. Die beiden SACDs klingen hervorragend, die faszinierende Transparenz des Originalklangensembles ist perfekt eingefangen. Auch die Solistenriege kann sich hören lassen: Ed Lyon führt als Evangelist mit klarer Artikulation und schönstem Deklamationston durch das Geschehen, während Peter Harveys sanfter Bass dem Jesus Gewicht und große Menschlichkeit verleiht. Mit Gwilym Bowen steht ein betont verletzlicher Petrus zur Verfügung, der Judas vom Altisten Daniel Carlsson lässt fast schon Sympathie mit dem Charakter aufkommen. Das Damentrio agiert mit stilistischem Feinschliff – Hanna Zumsande ein wenig unterkühlt, aber tonschön, Maria Keohane und eine umwerfende Joanne Lunn mit Innigkeit und expressivem Unterbau. Alle neun Solisten nehmen sich auch der wenigen Chorstellen an. Lars Ulrik Mortensen betont gewiss nicht das Opernhafte der ‚Brockes-Passion‘, findet aber einen überzeugenden Weg zwischen einer theatralen Note und effektvoller Zurückhaltung.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: Brockes-Passion: Concerto Copenhagen, Lars Ulrik Mortensen

Label:
Anzahl Medien:
cpo
2
Medium:
EAN:
CD
761203528622

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Händel, Georg Friedrich
 - Brockes-Passion HWV 48 - Sinfonia
 - Brockes-Passion HWV 48 - Chorus
 - Brockes-Passion HWV 48 - Recitativo
 - Brockes-Passion HWV 48 - Accompagnato
 - Brockes-Passion HWV 48 - Aria
 - Brockes-Passion HWV 48 - Recitativo
 - Brockes-Passion HWV 48 - Accompagnato
 - Brockes-Passion HWV 48 - Aria
 - Brockes-Passion HWV 48 - Chorus
 - Brockes-Passion HWV 48 - Recitativo
 - Brockes-Passion HWV 48 - Chorus
 - Brockes-Passion HWV 48 - Recitativo
 - Brockes-Passion HWV 48 - Aria
 - Brockes-Passion HWV 48 - Recitativo
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 - Brockes-Passion HWV 48 - Recitativo
 - Brockes-Passion HWV 48 - Accompagnato
 - Brockes-Passion HWV 48 - Aria
 - Brockes-Passion HWV 48 - Recitativo
 - Brockes-Passion HWV 48 - Aria


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Dirigent(en):Mortensen, Lars Ulrik
Orchester/Ensemble:Concerto Copenhagen


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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