> > > Tschaikowsky, Peter Ilyich: Symphonie Nr. 5 e-Moll op.64: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Montag, 9. Dezember 2019

Tschaikowsky, Peter Ilyich: Symphonie Nr. 5 e-Moll op.64 - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Nicht ausgereizt


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mariss Jansons nähert sich Tschaikowskys Fünfter emotional etwas zu kontrolliert.

Bereits zehn Jahre alt ist die vorliegende, beim Label BR Klassik erschienene CD mit einer Live-Aufnahme aus dem Münchner Gasteig. Zu hören ist darauf das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter seinem Chef Mariss Jansons mit Tschaikowskys Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64. Konzentrierte Klarheit besitzen die Bläserstimmen der Introduktion. Mit 'Allegro con anima' ist der folgende, vom sogenannten ‚Schicksalsmotiv‘ gekennzeichnete Abschnitt überschrieben – die in der Vortragsbezeichnung geforderte ‚Beseeltheit‘ fehlt allerdings in letzter Konsequenz. Jansons formt zwar exakte melodische Bögen, reizt aber das dynamische Blatt nicht voll aus. Wie das geht, hat kürzlich beispielsweise Valery Gergiev in seiner brillanten Einspielung von Tschaikowskys 'Pathétique' vorgemacht, in der er die Wesenszüge des emotional zerklüfteten symphonischen Spätwerks mit voller Wucht erfasst.

Aus einem Guss

Jansons wählt eine etwas zurückhaltende Gangart – derlei kann man mit guten Gründen, etwa der Intention, übersteigertes Pathos zu vermeiden, natürlich vertreten. Die musikalischen Dramen, die sich zwischen den Zeilen der Partitur abspielen, erfasst er allerdings nicht in vollem Umfang. Unter diesem Aspekt kann und darf man hier ruhig etwas dicker auftragen, auch Yannick Nézet-Séguin hat das in jüngerer Zeit bei Tschaikowsky mit nachhaltiger Überzeugungskraft vorgemacht. Für zurückgenommene Dynamik und zart besaitete Melodik bleibt bei Tschaikowsky an anderen Stellen genügend Raum – und den nutzt Jansons dort auch: Die leisen, introvertierten Töne des 'Andante cantabile' trifft er ungleich besser. Um ‚con anima‘, ‚animato‘ oder ‚più animato‘ geht es häufig auch hier, die Streicher schwelgen passend dazu in wundervoll homogenem Vibrato. Sein Pianissimo hat lyrischen Tiefgang. Stimmübergabe aus einem Guss und bombensichere Intonation verstehen sich beim BRSO von selbst. Stellvertretend für die individuelle Klasse der Orchestermusiker steht das Hornsolo im zweiten Satz.

Beschwingter Elan

Mit beschwingtem Elan übersetzt Jansons den Walzer-Jargon des dritten Satzes, dazwischen werden prägnant getupfte, rasante Sechzehntelketten aufgereiht. Für das Finale gilt wiederum dasselbe wie für den Kopfsatz: Hier brechen sich die Seelenqualen, von denen Tschaikowsky mit Blick auf den musikalischen Gehalt selbst explizit spricht, nicht mit letzter illustrativer Konsequenz Bahn, die Achterbahn der aufgestauten Gefühle nimmt auf ihrer finalen Schussfahrt nicht das volle emotionale Tempo auf. Der informative Booklet-Text ist verfasst von Jörg Handstein, der sich (neben weiteren) auch schon um die rundum gelungene, beim selben Label erschienene Tschaikowsky-Hörbiographie verdient gemacht hat. Auf die Klangqualität der BR-Aufnahmen ist ohnehin Verlass.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tschaikowsky, Peter Ilyich: Symphonie Nr. 5 e-Moll op.64: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
04.10.2019
045:38
2009
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001044
900104


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Tschaikowsky, Peter


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"Die Symphonie Nr. 5, 1888 innerhalb kurzer Zeit entstanden, gehört heute zu den populärsten Werken Tschaikowskys. Schon die Uraufführung in St. Petersburg geriet zu einem großen Publikumserfolg. Mehr Gefühl, mehr Emotion und mehr Drama lässt sich wohl kaum in symphonischer Musik umsetzen, jedoch bewahrt eine überlegene Kompositionstechnik und eine jederzeit vollkommen beherrschte Struktur das Werk vor dem Abgleiten in oberflächliche Gefühligkeit. Keine Frage, dass Mariss Jansons das notwendige Quäntchen „russische Seele“ mitbringt, um diesem Werken zu ganzer Kraft zu verhelfen: Die Aufnahme vom Oktober 2009 zeigt den Dirigenten in vollkommener Einigkeit mit seinem Orchester, das hier Rausch und Kontrolle in perfekte Balance zu bringen vermag. "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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