> > > Schostakowitsch: Symphone No.7 C-Dur op.60: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons
Dienstag, 10. Dezember 2019

Schostakowitsch: Symphone No.7 C-Dur op.60 - Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Wertvoller Moment


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks und Mariss Jansons kämpfen musikalisch an vorderster Front.

Eine bis heute schwer einzuordnende Stellung nimmt Schostakowitschs siebte Symphonie C-Dur op. 60, die sogenannte 'Leningrader' in dessen Œuvre ein. Entstanden mitten in den Kriegswirren der 1940er-Jahre, trägt sie auf der einen Seite unmissverständlich programmatische Züge und erreichte zu damaliger Zeit schnell ein verhältnismäßig hohes Maß an Popularität. Als zu lang, zu laut bzw. musikalisch zu simpel wurde sie auf der anderen Seite von durchaus namhaften Kollegen wie Bartók oder Rachmaninov kritisiert. Damit konfrontiert, räumte Schostakowitsch zumindest indirekt vorsichtig relativierend ein, die Partitur sei allein schon umständehalber mit vergleichsweise heißer Nadel gestrickt worden.

Lupenrein geschliffen

Auf welche Seite man sich subjektiv auch schlägt: Einen unbedingt wertvollen Moment hat der Bayerische Rundfunk in einer Live-Aufnahme vom Februar 2016 aus der Philharmonie im Münchner Gasteig festgehalten. Am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks steht dessen langjähriger Chef Mariss Jansons, der für den Klangkörper typische, warm abgerundeten Streicherklang begeistert schon im einleitenden Abschnitt. Das sich anschließende, enervierend-aufdringliche sogenannte ‚Invasionsthema‘ besitzt nicht nur rhythmische Schärfe, sondern auch lupenrein geschliffene Koordination. Trügerisch leicht und unbeschwert kommt der scheinbar harmlose Beginn des zweiten Satzes daher, der perkussiv drängende Einschnitt folgt tiefenscharf bis in die dezent, aber bestimmt gesetzten glockenartigen Harfenanschläge. Die choralartige Melodik des Adagio erhält würdevolle Noblesse, der Largo-Abschnitt atmet hohe, empfindsam gestrichene Intensität. Im Schlusssatz gewinnt nach anfänglicher Zurückhaltung die treibende rhythmische Kraft mehr und mehr die unerbittliche Oberhand.

Martialische Sprengkraft

Bewusst intendierte musikalische Gewalt und Brutalität stellt Jansons, der mitunter durchaus schon mal vor klanglichen Extremen zurückscheut, hier in vollem radikalem Ausmaß dar. Für die instrumentale Qualität der Orchestermitglieder stehen das Flöten- bzw. Fagott-Solo an der Schwelle zum Adagio-Teil des zweiten Satzes. Den sich als roter Faden durch die gesamte Symphonie ziehenden krassen Gegensatz zwischen depressiver Stille und – wo man sich thematisch sowieso schon im direkten Umfeld kriegerischer Terminologie befindet – martialisch-dynamischer Sprengkraft setzt das BRSO hervorragend um.

Sehr unzufrieden anlässlich der erstmaligen Aufführung außerhalb Russlands durch das NBC Symphony Orchestra unter Arturo Toscanini zeigte sich 1942 der Komponist selbst. ‚Alles falsch‘ lautete sein lapidar vernichtendes Urteil darüber. Seinen Segen erhielt dagegen die Deutung der Leningrader Philharmoniker unter Jewgnij Mrawinski, die vor diesem Hintergrund bis heute sicherlich als maßstabsetzend gelten darf. Wie Schostakowitsch sich zur vorliegenden Einspielung geäußert hätte, bleibt spekulativ. Fakt ist aber: Das BRSO liefert eine klangfarblich ungemein variable und programmatisch flexible Interpretation der 'Leningrader' ab – dass ihr Schöpfer diese nicht hätte gelten lassen, erscheint schwer vorstellbar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schostakowitsch: Symphone No.7 C-Dur op.60: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
BR-Klassik
1
04.10.2019
073:11
2016
Medium:
EAN:
BestellNr.:
Booklet
CD
4035719001846
900184


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Schostakowitsch, Dimitri


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"DMITRIJ SCHOSTAKOWITSCH - SYMPHONIE NR. 7 „LENINGRADER“ Dmitrij Schostakowitsch war einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts; mit seinen Werken – vor allem seinen fünfzehn Symphonien, die der spätromantischen Musik verpflichtet sind und diese in die Moderne überführten, – hat er das Repertoire geprägt. Seine Ästhetik ist bestimmt von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs ebenso, wie den politischen Verhältnissen der stalinistischen Sowjetunion, unter der er zu arbeiten hatte und der gegenüber er auch Konzessionen machen musste. Im Kriegsjahr 1941 entstand seine Symphonie Nr. 7 C-Dur op. 60, die etwa in der Mitte seines symphonischen Œuvres steht; sie erhielt den Beinamen „Leningrader Symphonie“, weil sie Schostakowitsch seiner Heimatstadt Leningrad (heute wieder Sankt Petersburg) widmete. Das Marschthema des Kopfsatzes war noch vor Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges entstanden, um 1939 oder 1940. Die weiteren Sätze schuf er in dem ab dem 8. September 1941 von deutschen Truppen belagerten Leningrad; vollendet wurde die Symphonie schließlich in Kuibyschew (Samara) an der Wolga, nachdem Schostakowitsch mit seiner Familie am 1. Oktober 1941 aus Leningrad evakuiert worden war. Dort fand am 5. März 1942 auch die Uraufführung statt, mit den Musikern des ebenfalls dorthin evakuierten Orchesters des Moskauer Bolschoi-Theaters unter Leitung von Samuil Samossud. Die Moskauer Erstaufführung am 27. März fand unter lebensgefährlichen Umständen statt, doch selbst ein Luftalarm konnte angesichts der fesselnden Musik die Zuhörer nicht dazu bewegen, die Schutzräume aufzusuchen. Bis heute hat sich an dieser Faszination der Musik wenig geändert: seine Siebte Symphonie gilt als Schostakowitschs bekanntestes Werk. Mariss Jansons, der als Fachmann für das slawische Repertoire ebenso, wie für die symphonische Musik des 19. und 20. Jahrhunderts gilt, hat sich immer wieder mit diesem Meisterwerk auseinandergesetzt – in Konzerten vom 11. und 12. Februar 2016 aus der Philharmonie im Gasteig wurde die hier erstmals auf CD veröffentlichte Aufnahme mitgeschnitten. Unter Jansons Dirigat interpretieren die Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks Schostakowitschs Siebte Symphonie als erschütterndes Zeitzeugnis, machen sie aber gleichfalls zu einem Ausdruck unserer heutigen Epoche. Der Live-Mitschnitt jener Konzerte erscheint nun bei BR KLASSIK auf CD: die mustergültige Interpretation eines der wesentlichsten symphonischen Werke des 20. Jahrhunderts. SYMPHONIEORCHESTER DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS MARISS JANSONS, Leitung "


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Pizzicato: "Nach Aufnahmen der Leningrader Symphonie mit den St. Petersburger Philharmonikern und dem Royal Concertgebouw Orchestra legt Mariss Jansons nun seine dritte Aufnahme der Symphonie vor. Sie ist vor allem gegenüber der ersten orchestral viel besser gelungen. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks erlaubt ihm eine Detailarbeit, die dem Hörer ungemein viel zu hören gibt. Für Mariss Jansons ist Shostakovichs 7. Symphonie weniger eine Symphonie, die etwas mit den Kriegshandlungen in und um St.-Petersburg zu tun hat, als vor allem eine tragische Symphonie mit vielen inneren Konflikten, mit Angst und Trauer, aber auch mit Auflehnung und Anprangern von Krieg und Diktatur. Den ersten Satz gestaltet er relativ leicht und beschwingt, als sei das Kriegerische nur ein Spiel. Zentralstück der Symphonie sind die Sätze 2 und 3, als Erinnerung und als Nachdenken, wie es der Dirigent in einer Probe formulierte. Der vierte Satz erst ist ihm zufolge der Kampf, den er sehr dramatisch und laut gestaltet, aber nicht im Jubel enden lässt. Jansons reduziert ihn auf pure Dramatik und vermittelt so jede Menge ungute Gefühle. Following recordings of the Leningrad Symphony with the St. Petersburg Philharmonic and the Royal Concertgebouw Orchestra, Mariss Jansons now presents his third recording of the symphony. In terms of orchestral playing it is much better than the first one. The Bavarian Radio Symphony Orchestra is rich in details that give the listener a lot to hear. For Mariss Jansons, Shostakovich’s 7th Symphony is less a symphony that has something to do with the war in and around St. Petersburg than a tragic symphony with many inner conflicts, with fear and grief, but also with revolt and denunciation of war and dictatorship. The first movement is relatively light and lively, as if the whole situation were only a game. The central pieces of the symphony are movements 2 and 3, as memory and reflection, as the conductor said it in a rehearsal. The fourth movement, according to him, is the fight. In this performance it is very dramatic and loud, but does not end in jubilation. Jansons reduces it to pure drama and thus conveys many "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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